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Christiane Gog ist Chefärztin der seit 1. Oktober eigenständigen Klinik für Palliativmedizin. 

Palliativmedizin

Noch einmal in den Himmel sehen

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Ein neuer Förderverein unterstützt Zusatzangebote für Palliativmedizin am Klinikum Offenbach. Sie sollen unheilbar kranken Patienten helfen.

Die Situation schwerstkranker Menschen war in der Vergangenheit häufig trostlos. Sie bettelten meist vergeblich um Morphin zur Schmerzlinderung, Sterbende wurden in leere Krankenhauszimmer abgeschoben. Inzwischen hat sich vieles zum Besseren verändert. Dank der Palliativmedizin, die unheilbar Kranken mit begrenzter Lebenserwartung ein möglichst schmerzfreies Dasein ermöglicht, ihnen Ängste nimmt und die Patienten dabei unterstützt, ein Stück Normalität wiederzugewinnen.

In Offenbach kümmert sich das Team der Klinik für Palliativmedizin im Sana-Klinikum, zu dem neben Ärzten und Pflegekräften Physiotherapeuten, Psychoonkologen, Sozialarbeiter, Seelsorger und Therapeuten gehören, um das Wohlergehen der Patienten aus Stadt und Kreis. Ambulant versorgen sie etwa 800 Patienten jährlich, in der Klinik sind es rund 300.

Ein neuer Förderverein namens Palliare („schützend den Mantel um etwas legen“) will die Palliativmedizin unterstützen und Projekte finanzieren, für die die Krankenkassen nicht aufkommen. Die Schirmherrschaft hat der frühere hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) übernommen. Vorsitzender des Vereins ist der Rechtsanwalt und Notar Michael Pletzsch, Geschäftsführer Johannes-Ulrich Pöhlker. Die Bürgerstiftung Offenbach unterstützt den Verein organisatorisch und strategisch.

Die Palliativärztin und Leiterin der Klinik für Palliativmedizin, Christiane Gog, erklärte bei einem Pressetermin, weshalb der Förderverein so wichtig ist. Zwar würden die Krankenkassen den besonderen Erfordernissen der Palliativmedizin Rechnung tragen. Aber es werde längst nicht alles berücksichtigt, was in der Extremsituation nach einer aussichtslosen Diagnose für die Betroffenen und auch ihre Angehörigen bedeutsam sei. „Die Patienten brauchen mehr als Schmerztabletten oder saubere Bettwäsche.“

Zur Lebensqualität unheilbar kranker Patienten trügen beispielsweise Kunst-, Aroma- und Musik-Therapien oder die Therapiehunde Sissi und Emma bei. Sie habe erlebt, dass durch die Nähe zu den Hunden unzugängliche Menschen aus ihrer Isolation herausfänden und sich entspannen könnten. Mit den Hundedamen komme das Glück auf die Station, sagte Gog. Doch diese Angebote zahlen die Kassen nicht.

Diese Lücke will der Förderverein schließen und Spenden für die Finanzierung der Therapiehunde oder die Kunsttherapie, für Fuß- und Nagelpflege, einen Sinnesraum und einen Härtefonds sammeln, der die Kosten etwa für Kleidung von Menschen übernimmt, die sich das am Ende ihres Lebens nicht leisten können. Auch ein „mobiles Ultraschallgerät“ für das mobile Palliativteam steht auf der Wunschliste der angestrebten Projekte.

Die Preisspanne reicht von einhundert Euro bis zu 50 000 Euro für den Bau einer Zufahrt auf die Dachterrasse für Betten und Rollstühle, damit die Schwerstkranken noch einmal in den Himmel sehen können. Gog betonte, Spenden und Mitgliedsbeiträge würden eins zu eins den Patienten zugute kommen.

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