Bald sind solche Szenen seltener zu sehen: An Markttagen werden die Seitenstraßen gesperrt. Foto: Meidel
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Bald sind solche Szenen seltener zu sehen: An Markttagen werden die Seitenstraßen gesperrt.

Innovatives Konzept geplant

Wilhelmsplatz: Straßensperrungen kommen schnellstmöglich – „Wichtige Vorbereitungen“

  • Marian Meidel
    vonMarian Meidel
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Die Stadtverordnetenversammlung in Offenbach hat grünes Licht für die Straßensperrungen am Wilhelmsplatz gegeben. Nun soll es schnell gehen.

  • Das Vorhaben, die Seitenstraßen rund um den Wilhelmsplatz in Offenbach für den Verkehr zu sperren sorgt für Diskussion.
  • Jetzt hat die Stadtverordnetenversammlung grünes Licht gegeben: Die Sperrung kommt. 
  • In einer dreimonatigen Testphase sollen Marktbeschicker, lokalen Einzelhändler, Anwohner und Besucher mehrfach befragt werden.

Update vom Freitag, 26.06.2020, 13.14 Uhr: Nachdem die Stadtverordnetenversammlung in Offenbach beschlossen hat, die Seitenstraßen am Wilhelmsplatz an Markttagen zu sperren, soll es nun flott gehen. Die Straßensperrungen sollen so schnell wie möglich kommen, so Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). „Wir müssen aber zunächst noch einige wichtige Vorbereitungen treffen.“ Voraussichtlicher Zeitraum für den Start des Projekts: der Spätsommer.

Grundsätzlich sei OB Schwenke überzeugt, dass weniger Verkehr der Attraktivität des Wilhelmsplatzes in Offenbach nutze: „Der Verzicht aufs Auto ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und für bessere Luft in unserer Stadt.“ Jedoch müsse darauf geachtet werden, dass direkt Betroffene die Veränderung mittragen.

Ein innovatives Konzept soll dabei helfen, Sorgen aus dem Weg zu räumen. „Mein größter Traum wäre ein funktionierender Lieferservice nach Hause: Kunden könnten dann in Ruhe auf dem Markt einkaufen, ihre Waren vor Ort abgeben und sie sich noch am Vormittag oder nachmittags bequem nach Hause liefern lassen.“

Tauziehen in Offenbach beendet: Straßensperrungen am Wilhelmsplatz beschlossen

Erstmeldung vom Samstag, 20.06.2020, 9.53 Uhr: Offenbach – Somit werden die östliche und westliche Seitenstraße an den Markttagen von jeweils 8 bis 16 Uhr für den motorisierten Durchgangsverkehr gesperrt. Ausnahmen bilden die Lieferfahrzeuge der Marktbeschicker und unmittelbare Anwohner. Laut Koalitionsantrag soll die Testphase „möglichst zeitnah“ beginnen und sich zunächst auf einen Zeitraum von drei Monaten beschränken.

Dem Beschluss vorausgegangen ist ein langwieriger Schlagabtausch zwischen der aus CDU, FDP, Grünen und Freien Wählern bestehenden Koalition und der oppositionellen SPD. Wie berichtet, sträuben sich die Sozialdemokraten gegen die Vorstellung, die Straßen genau zu Marktzeiten zu blockieren. „Dann also, wenn es den Marktbeschickern besonders weh tut und den Gastronomen am wenigsten hilft“, klagt SPD-Vorsitzender Christian Grünewald. „Ich verstehe, dass sich die Marktleute da angegriffen fühlen.“ 

Offenbach: Bürgermeister Freier stellte sich im März elektrisch absenkbare und steuerbare Pfosten vor

Der Offenbacher Bürgermeister Peter Freier sprach bereits im März davon, die längsseitigen Straßen am Wilhelmsplatz mit elektrisch absenkbaren und steuerbaren Pfosten temporär abzuriegeln*. Zumindest an Markttagen und bei abendlichem Außengastronomie-Betrieb könnte so lästiges Umrunden unterbunden werden.

Die Lösung, die Offenbach den größten Fortschritt bringe und die Interessen aller Betroffenen am besten berücksichtige, sei die generelle Sperrung außer zu Marktzeiten.

Ein diametraler Gegenentwurf also zu den Plänen der Koalition – und sogar ein Schwenk seitens der SPD selbst, die zunächst in einem eigenen Antrag die testweise Sperrung „für mindestens zwölf Monate“ gefordert hatte. Diesen Antrag ziehen die Sozialdemokraten gleich zu Beginn der Versammlung zurück. Ihr neues Ziel – die Sperrung an allen Tagen außer zu Marktzeiten – bringen sie in Form eines Änderungsantrages zu den Koalitionsplänen mit ein.

Testphase: Am Wilhelmsplatz in Offenbach soll der Verkehr eingeschränkt werden

Woher der plötzliche Kurswechsel kommt? Grünewald: „Wir sind vor Ort gegangen und haben mit den Betroffenen geredet. Wir wissen, dass die meisten dort generell gegen jede Sperrung sind.“ Die SPD habe „auf Basis der von den betroffenen vorgetragenen Argumente die möglichst beste Variante der Sperrung erarbeitet.“ Sie reiche der Koalition somit die Hand, deren Antrag vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Die Koalitionäre reagieren darauf mit scharfer Kritik. FDP-Fraktionschef Dominik Schwagereit nennt das Verhalten der Sozialdemokraten „mutlos und opportunistisch“ und konstatiert: „Die SPD hat den Charaktertest am Wilhelmsplatz nicht bestanden.“ Auch CDU-Chef Roland Walter bringt sein Unverständnis zum Ausdruck. Er betont, dass es rund um den Wilhelmsplatz in Offenbach viele unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen gebe. „Da müssen solche rein politischen Interessen hinten anstehen.“

Sperrungen rund um den Wilhelmsplatz in Offenbach: Während der Testphase sollen Bürger befragt werden

Der Änderungs-Antrag der SPD findet im Stadtparlament keine Mehrheit. Aber ganz ohne Bürgerbeteiligung soll schließlich auch die dreimonatige Testphase, die man beschlossen hat, nicht ablaufen. Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung sieht eine schriftliche Befragung von Marktbeschickern, lokalen Einzelhändlern, Anwohnern und Besuchern vor, und zwar jeweils vor Beginn, während und nach der Testphase. Die Ergebnisse sollen dann in die weiteren Überlegungen im Rathaus miteinbezogen werden.

Außerdem sollen im südlichen Bereich weitere Abstellmöglichkeiten für zirka 50 Fahrräder und einige Lastenräder geschaffen und geprüft werden, ob kurzfristig mobile Fahrradbügel für den Wilhelmsplatz angeschafft werden können. VON MARIAN MEIDEL

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