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Schwerlastverkehr oder Frostschäden: Dem Verkehrsteilnehmer ist – hier beispielsweise in der Bleichstraße – die Ursache eigentlich egal. Für die Sanierung reicht das Geld an vielen Stellen allerdings nicht aus.

Laster beschädigen Asphalt

Winter richtet große Schäden an: Stadt hat mehr Schlaglöcher als Geld

Der Winter hat in Offenbach zahlreiche Straßen mit großen Schlaglöchern zurückgelassen. Doch das Geld reicht nicht, um sie alle zu flicken.

Offenbach – Die Meteorologen verzeichneten nach Neujahr drei Eistage für Offenbach. Heißt: Das Höchst-Temperaturmaximum lag unter dem Gefrierpunkt. Für viele ist das eigentlich ein Winter, der keiner war. Wieder einmal. Und dennoch sind die Folgen auf den Straßen sichtbar. Für den Stadtservice ist und bleibt’s eine Sisyphusarbeit.

Es ist kein Offenbacher Alleinstellungsmerkmal: Bundesweit gehen Städte und Gemeinden das Problem Jahr für Jahr nur oberflächlich und mit kurzfristigen, kostengünstigen Maßnahmen an. „Nachhaltig ist das nicht“, kritisiert immer wieder der ADAC. Das ist sicher richtig, scheitert aber vor allem an den notwendigen Finanzmitteln. Und die sind gerade in Offenbach begrenzt. Laut sogenanntem Rahmendienstleistungsvertrag mit der Stadt hat der Stadtservice rund 2,6 Millionen Euro in diesem Jahr für die allgemeine Straßenunterhaltung, den Hochwasserschutz, die Beschilderung, die Stadtmöblierung, die Unterhaltung der Verkehrszeichen sowie die Fahrbahnmarkierung zur Verfügung – und das für gut 320 Kilometer Straße. „Für zusätzliche Ausgaben müssen Sonderbudgets beantragt werden“, betont Sprecherin Sigrid Aldehoff.

Schlaglöcher werden mit Kaltasphalt verfüllt

Wegen der unterschiedlich großen Flächen muss die Abteilung Straßenunterhaltung kurz- und mittelfristig arbeiten: Schlaglöcher, von denen eine akute Gefahr ausgeht, werden mit Kaltasphalt verfüllt. Parallel wird aber vor allem auf Straßen, auf denen vermehrt Schäden auftreten, gezielt saniert, „da kurzfristige Verfüllungen nur eine bestimmte Zeit halten“. Aber auch die Sanierung der Deckschicht ist eine mittelfristige Lösung und keine nachhaltige und grundhafte Erneuerung, die auf etwa 30 Jahre angelegt wäre. Bei einer Sanierung rechnen die Experten mit einer Haltbarkeit von etwa zehn bis 15 Jahren.

Prioritäten setzt der Stadtservice immer dort, wo Gefahr für Verkehrsteilnehmer besteht. Repariert wird dann mit Kaltasphalt oder dünnen Asphaltdeckschichten – generell bei Plusgraden und bei möglichst trockenem Wetter. Deshalb wartet das Team meist bis Mitte, Ende März, um die Arbeit aufzunehmen. Weitere Bremse: Die Mischwerke produzieren wegen Wartungsarbeiten erst ab diesem Zeitpunkt.

Sprendlinger Landstraße wird saniert

Ansonsten gibt es eine Jahresplanung: Auf der stehen nach der Sprendlinger Landstraße (zwischen HIT und Odenwaldring) ein großer Abschnitt der Marienstraße und der August-Bebel-Ring. Aldehoff: „Die Planung priorisiert dabei, welche Straßen die größte Schnittmenge der Nutzer hat – Autofahrer, ÖPNV, Radfahrer und natürlich Fußgänger.“ Zudem gibt es eine mittelfristige, mit dem Bauamt abgestimmte Planung, auf der Straßen stehen, die wegen der hohen Frequenz nur in den Sommerferien repariert werden können. 2019 war das etwa die Bismarckstraße.

Dabei setzt man durchaus auf Nachhaltigkeit: Ein Teil des bei Asphaltarbeiten abgefrästen Materials wird wieder aufbereitet; dies ist auch so im Leistungsverzeichnis für die beauftragte Firma enthalten. Und was ist mit Nano-Technik, für die Baufirmen werben? Das sei grundsätzlich zur Versiegelung von neuen Asphaltdecken sinnvoll. Diese schütze das Bindemittel im Asphalt vor UV-Strahlung und Verschleiß durch hohe Belastung, die Fahrbahndecke hält dadurch gegebenenfalls länger. „Allerdings ist das Verfahren innerstädtisch unwirtschaftlich, weil es sich nur bei großen Flächen wie etwa mehreren Kilometern Autobahn lohnt.“ Da die Fahrbahn nach der Behandlung überdies noch mindestens einen halben Tag gesperrt bleiben muss, sei das in Städten fraglich.

Schwerlastverkehr beschädigt Straßen

Beim Stadtservice hat man indes beobachtet: Die Offenbacher Straßen werden vorrangig durch den Schwerlastverkehr geschädigt, der Frost schadet dem Asphalt nur dort, wo er Risse aufweist und Nässe eindringen kann, die dann durch Eisbildung aufplatzen. In Offenbach ist der Stadtservice bemüht, das vorhandene Geld möglichst effizient einzusetzen, das heißt, eine sinnvolle Balance zwischen Reparaturen zur Gefahrenabwehr und geplanten Arbeiten mit möglichst langer Haltbarkeit der Fahrbahndecke zu finden.

Dabei wird in Teilen auch von standardisierten Bauverfahren abgewichen, indem beispielsweise intaktes, altes Kopfsteinpflaster im Boden belassen und mit einer neuen Deckschicht versehen wird, anstatt es aufwendig zu entfernen und auf teuren Deponien zu entsorgen. So werden auch Ressourcen geschont.

Von Martin Kuhn

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