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Orkanböe hinterlässt Spur der Verwüstung in Niederdorfelden

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© Thomas Schwarz

„Da muss ich 81 Jahre alt werden, um so etwas zu erleben . . .“ Frieda Wittich ist am Vormittag immer noch fassungslos. Die Seniorin blickt aus ihrem Fenster in der Gronauer Straße auf ein Trümmerfeld. Direkt gegenüber steht eine Lagerhalle – jetzt allerdings ohne Dach. Große Teile davon – Blech und Holz – liegen auf einem Berg davor.

„Da muss ich 81 Jahre alt werden, um so etwas zu erleben . . .“ Frieda Wittich ist am Vormittag immer noch fassungslos. Die Seniorin blickt aus ihrem Fenster in der Gronauer Straße auf ein Trümmerfeld. Direkt gegenüber steht eine Lagerhalle – jetzt allerdings ohne Dach. Große Teile davon – Blech und Holz – liegen auf einem Berg davor.

Ein anderer Teil ist sogar rund 80 Meter weit geflogen, als eine Windhose am Dienstag gegen 21 Uhr mit einer geschätzten Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern durch die kleine Main-Kinzig-Gemeinde pfiff. „Es gab einen lauten Knall und dann flog das Dach über unser Haus“, erzählt Frieda Wittich. Das Gebäude kam glimpflich davon.  

Pech hat aber Reinhard Schott. Er wohnt quasi hinter Frau Wittich. Auf seinem Opel landen Blech und Holzbalken, zerstören die Heckscheibe des im Hof geparkten Autos. Und schneiden auch noch einen dicken Ast im nächsten Garten ab. Schott nimmt es mit Galgenhumor. Obwohl er sich gerade über die Versicherung ärgert, die ihm kein Ersatzfahrzeug zur Verfügung stellen will – und den Schaden erst in rund zwei Tagen begutachten kommen will. „Aber es hätte schlimmer kommen können – immerhin ist unsere Hausfassade heil geblieben“, sagt Schott.

„Und zum Glück ist niemand verletzt worden“, freut sich auch Bürgermeister Klaus Büttner (SPD). Er macht gestern Morgen die Runde im Dorf, war am Sturmabend selbst nicht zuhause. Neben dem abgerissenen Dach und dem kaputten Auto hat es auch die evangelische Kirche getroffen: Der Sturm riss dort rund 30 Dachziegel runter. Betroffen ist auch ein anderes Wohnhaus in der Hainstraße.

Die Niederdorfelder Feuerwehr ist im Großeinsatz – unterstützt von den Maintaler Kollegen, die mit der Drehleiter anrücken. Sonst wären die kaputten Dächer nicht so schnell zu sichern gewesen, erzählt Büttner – und bedankt sich bei den Helfern für ihren tatkräftigen Einsatz.

Wie hoch die Schäden sind, ist noch unklar. Das ermitteln nun Sachverständige. Betroffen von der Windhose ist offenbar nur ein schmaler Streifen in Niederdorfelden. Nach rund einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei. Kräftige Winde und Regen gibt es aber noch die ganze Nacht.

Solche lokalen Wetterereignisse sind keine Seltenheit, sagen die Experten. Umstritten ist, ob die mit dem Klimawandel zu tun haben – oder ob die Wahrnehmung auch durch die elektronischen Medien nicht schärfer geworden ist.

Den jüngsten Fall in der Region registrierten die Meteologen im Juni 2016 in der Wetterau-Stadt Butzbach. Dort blies ein Sturm das Dach eines Hauses weg. Mehrere Straßenzüge verwüstete ein  Tornado im Juli 2005 im Bad Vilbeler Stadtteil Massenheim, knickte Bäume um, deckte Dächer ab und verschob stabile Kartenhütten um mehrere Meter. Ein Plantschbecken wird noch heute vermisst. In der Wetterau war das Phänomen schon öfter zu beobachten. So erinnern sich Besucher des Bad Nauheimer Festivals „Soundgarden“ im Jahr 2012 an eine bedrohliche Trichterwolke, die aber glücklicherweise keinen Bodenkontakt hatte. (arz)  

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