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Dörfliche Idylle auf dem Pfarrer-Klarmann-Platz im Herzen von Marxheim.

Plädoyer fürs Dorf

Ortsbeirat in Marxheim will den ländlichen Charakter des Ortskerns festschreiben

Darf im ältesten Hofheimer Ortsteil noch ein Hahn ungestraft krähen? Oder sind die Straßenzüge rund um St. Georg dabei, sich zum lupenreinen Wohngebiet zu entwickeln? Die Marxheimer Politiker haben dazu eine klare Meinung.

Die Glocke der katholischen Kirche schlägt hier die Stunde, es riecht nach Pferd oder Schaf, und auch Hühnergegacker und Hahnenkrähen wie das Tuckern eines Traktors gehören im alten Marxheim noch selbstverständlich zu den Alltagsgeräuschen. Dieser dörfliche Charakter des Marxheimer Ortskerns soll bewahrt werden. Das ist nicht das Anliegen einiger weniger, darin sind sich im Gegenteil alle Fraktionen im Ortsbeirat einig. Gemeinsam haben sie nun beantragt, dass dafür nun auch eine rechtliche Basis geschaffen wird. Der Bebauungsplan 40, der im Wesentlichen den alten Kern rund um die Kirche St. Georg umfasst, soll so abgeändert werden, dass der Ortskern vom „Mischgebiet“ zum „Dorfgebiet, 2-geschossig“ umgewandelt wird.

So soll „eine schleichende Umwandlung in ein Wohngebiet“ verhindert werden, wie es im Antrag heißt. Die bereits benannten Grund- und Geschossflächenzahlen sollen unverändert bestehen bleiben. Der Marxheimer Ortsbeirat will zudem eine Satzung, in der näher ausgeführt wird, was im Dorfgebiet zulässig ist. Explizit nennt er die Duldungspflicht landwirtschaftlicher und dorfprägender Immissionen. Die sind längst nicht mehr für jeden selbstverständlich, wie der noch nicht entschiedene Rechtsstreit um einen Hahn an der Schulstraße zeigt, dessen Krähen, wie berichtet, einen Nachbarn stört.

Einige der landwirtschaftlichen Höfe, die es derzeit in Marxheim noch gibt, liegen im Geltungsbereich dieses Bebauungsplans, alle sind es aber nicht. „Damit hat man aber schon mal das Erste gesichert, dann kann man weiterschauen“, machte Tobias Undeutsch (SPD) klar, dass der Ortsbeirat in diesem Schritt nur einen Anfang sieht. Denn für viele andere Bereiche in Marxheim gestaltet sich das Prozedere schwieriger, weil es keine Bebauungspläne gibt. Wo das nicht der Fall ist, wird nach Paragraph 34 Baugesetzbuch die vorhandene Bebauung als Maßstab herangezogen.

Der Ortsbeirat hatte zudem festgestellt, dass die noch aktive Landwirtschaft in Marxheim im Stadtentwicklungsplan 2020 nicht genannt ist und wollte dazu Erläuterungen vom Magistrat. Die Auskunft: Der Stadtentwicklungsplan sei „nicht das geeignete Instrument“ für das Anliegen des Ortsbeirats. Was genau getan werden kann, um mögliche Konflikte zwischen Wohnen und Landwirtschaft als Nutzungsformen zu vermeiden oder zu klären, konnte der Ortsbeirat der Antwort des Magistrats allerdings nicht entnehmen. Daher wurde beschlossen, ein Gespräch mit den Fachleuten im Rathaus zu führen und dann möglicherweise weitere Anträge an den Magistrat zu richten, die alle das eine Ziel verfolgen: Marxheim den dörflichen Charakter, der es im Kern seit Jahrhunderten geprägt hat, auch weiter zu erhalten. babs

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