Steeden, Hofen, Dehm

Pfarrer Andreas Krone geht in Rente

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Nach gut fünfeinhalb Jahren als Pfarrer von Steeden, Hofen und Dehrn tritt Andreas Krone (67) in Kürze in den Ruhestand. Die evangelische Kirchengemeinde verliert einen Seelsorger, der sich als „Umweltpfarrer“ in der ganzen Region einen Namen gemacht hat.

Eigentlich hätte Andreas Krone schon vor zwei Jahren in den verdienten Ruhestand gehen können. Doch auf Bitten der Kirchenleitung und wegen des Lutherjahrs verlängert er seine Tätigkeit als Pfarrer in Steeden um zwei Jahre. Eine Zeit, die er als angenehm und bereichernd empfunden habe, wie er erzählt. Doch Ende dieses Monats ist endgültig Schluss: Nach einem Gottesdienst am Sonntag, 30. September, 15 Uhr, und einem anschließenden Empfang im Gemeindehaus verlässt er seine Gemeinde. Es zieht ihn nach Rheinhessen, wo er mit Ehefrau Lucy ein Haus bauen will.

Das Thema Umwelt und Energie beschäftigte Andreas Krone seit seinem Amtsantritt in Steeden im März 2013. Der Haushalt der Kirchengemeinde steckte damals mit 4000 Euro in den Miesen. „Ich stellte fest, dass dafür die energetische Situation verantwortlich war“, sagt Krone. Mit zum Teil drastischen Maßnahmen steuerte er energisch dagegen. Besonders einschneidend war die Einführung einer

„Winterkirche“

. Das bedeutet: In den besonders kalten Monaten zwischen dem Dreikönigstag und Palmsonntag wurde der Gottesdienst aus der Kirche ins Gemeindehaus verlegt – um Heizkosten zu sparen. Krone schaffte es, Tausende Euro Energiekosten einzusparen und den Haushalt ins Plus zu drehen. Hier kam dem Geistlichen zugute, dass er neben der Theologie auch einige Semester Volkswirtschaft studiert hat.

Dass Energie aber auch einen spirituellen Aspekt haben kann, machte Krones mit der Feier des ersten „Energie-Erntedankfestes“ in Steeden deutlich. „Seit Jahrhunderten danken die Menschen Gott für die Früchte des Feldes. In heutiger Zeit ernten die Menschen aber nicht nur Kartoffeln, Tomaten und Weintrauben, sondern auch Energie, zum Beispiel aus Solaranlagen“, sagt er.

Diesen Gedanken haben Krone und seine Frau Lucy buchstäblich in alle Welt getragen: Im November 2013 waren sie mit diesem Thema beim Weltkirchentag in Busan (Korea) vertreten. Dort entwickelte der rührige Seelsorger auch seine „Aktion Lichtbringer“. In diesem Entwicklungsprojekt wollte er den Ärmsten der Armen in Bangladesh und Ghana Solarlampen zur Verfügung stellen, um sie damit wirtschaftlich und in ihrem Bildungsstreben zu unterstützen. Laut Krone kamen bei dem Projekt, das auch vom Landkreis, dem evangelischen Dekanat und dem Bistum Limburg unterstützt wurde, rund 20 000 Euro zu sammen. Auch der Umwelt sollte das Projekt zugute kommen, indem Petroleumlampen durch Solarlampen ersetzt wurden. Mit der Initiative „Garten als Schatzkammer Gottes“ stieß der Steedener „Umweltpfarrer“, der in den 80er Jahren vier Jahre in einem christlichen Ashram in Indien gelebt hat, mit einer weitere Aktion („Blühstreifen“) an. Ziel war es, die Artenvielfalt zu erhalten. Für seine Umweltinitiativen wurde Krone vom BUND mit der „Süßen Orange“ ausgezeichnet.

Auch für die Ökumene hat er sich eingesetzt. Mit seinem katholischen Kollegen Vogt aus Villmar nahm er zweimal einen „Kanzeltausch“ vor. Dabei ging es nicht um Trennendes, sondern um das Verbindende: Beide Geistliche stellten dar, was sie an der jeweils anderen Konfession gut finden.

Unvergessen sind auch der inzwischen wieder abgebaute Lutherweg an der Lahn in Steeden, der auf Krones Betreiben zustandekam, unzählige Bilderausstellungen im Gemeindehaus, zum Teil mit Beteiligung von Krones Frau, der Malerin Lucy D’Souza-Krone. Interessant waren auch ein Ayurveda-Workshop, Kinderbibelwochen, eine Bibelausstellung zum Reformationsjahr und diverse Vorträge. Die evangelische Kirchengemeinde Steeden, in der Krone zum ersten Mal von 1996 bis 1998 tätig war, hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten deutlich verändert. „Die Zahl der Gläubigen wird weniger, die Bindungen werden schwächer“, bringt er es auf den Punkt.

Mit dem Thema Solarenergie wird sich Andreas Krone auch von „seiner“ Gemeinde verabschieden: Für kommenden Dienstag, 25. September, 19 Uhr, hat er Daniel Bannasch von MetropolSolar ins evangelische Gemeindehaus eingeladen. Er wird zum Thema „Energiewende auf dem Bierdeckel. Saubere Revolution 2030“ referieren.

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