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100 Jahre ist die Pfarrkirche St. Leonhard in Fussingen alt. Fotos (3): Heike Lachnit

Jubiläum

Pfarrkirche St. Leonhard: Eine Kirche wie vor 100 Jahren

Gegen erhebliche Widerstände beanspruchten die Fussinger vor 100 Jahren eine eigene Kirche und erbauten diese fast ausschließlich mit eigenen Mitteln. Anlässlich dieses Jubiläums beschäftigte sich der Förderverein „Kirche St. Leonhard und Pfarrheim Waldbrunn-Fussingen“ mit der Geschichte der Kirche.

Die Kirche St. Leonhard in Fussingen ist noch recht jung. Erst 100 Jahre hat sie auf ihrem Buckel. „Nachdem bereits Ellar und Hausen sich vom Kirchspiel Lahr gelöst haben, hatten auch die Fussinger diese Bestrebungen“, erklärt Rainer Schick vom Förderverein „Kirche St. Leonhard und Pfarrheim Waldbrunn-Fussingen“.

Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Lahrer Kirche erweitert werden sollte, beanspruchten die Fussinger eine eigene Kirche. „Es war ein mutiger Entschluss im ausbrechenden Ersten Weltkrieg eine neue Kirche zu bauen“, so Schick, „der Baumeister war alt und musste nicht mehr in den Krieg. Gebaut haben die Kirche vornehmlich Kinder, Frauen und die Alten.“ Durch enorme Eigenleistung und Spendenfreudigkeit der Bevölkerung konnte zwei Jahre nach Grundsteinlegung die Kirche am 6. November 1918 eingeweiht werden.

Die jetzige Kirche wurde an der Stelle errichtet, an der sich seit 1576 die St. Leonhardskapelle befand. Diese war baufällig und wurde kurzerhand abgerissen. „Es gab zwar die Vorgabe, dass die neue Kirche nicht größer als die Kapelle sein durfte“, lacht Schick, „aber es hatte keiner überprüft und als die Kirche stand, stand sie.“ Die Gemeinde aus dem Westerwald überdachte die Situation und handelte.

Bis Fussingen eine eigene Pfarrei wurde, dauerte es noch einmal drei Jahre. „100 Jahre Pfarrei werden wir nicht mehr schaffen“, räumt Schick ein und spiel damit auf die Gründung der Pfarrei neuen Typs an. In dieser beschlossenen Fusion, die eine Bündelung der Kräfte ermöglichen soll, wird Fussingen dann einer von elf Kirchorten sein. Neben St. Leonhard im Waldbrunner Ortsteil sind dies allein aus der Gemeinde St. Maximinus in Ellar, St. Laurentius in Hausen, St. Johannes sowie die neue Kirche in Lahr und Maria Verkündigung in Hintermeilingen.

Von außen sieht die Kirche St. Leonhard genauso aus wie vor 100 Jahren. Da hat sich nichts verändert. Doch im Inneren erlebte sie einige Wandlungen, die nur noch zum Teil nachvollzogen werden können. 1926 wurde die Kirche zum ersten Mal ausgemalt und erhielt einen sehr bunten Anstrich. Bei der Begehung der Kirche zeigt Rainer Schick an einigen Stellen, welche Farbigkeit in der Kirche herrschte. In den 60er Jahren war es Mode, dass Kirchenräume weiß waren und so wurde auch St.Leonhard in Fussingen innen komplett geweißt. Die letzte Ausmalung fand dann 2004 statt. „Da die farbige Kirche immer sehr dunkel war, entschloss man sich zu einem Kompromiss“, teilt Rainer Schick vom Förderverein Kirche St. Leonhard und Pfarrheim Waldbrunn-Fussingen mit. Und so wurden die großen Flächen in einem hellen grau-grün gestrichen, die Bögen, der Chor und die Decke wurden in ihrer ursprünglichen Farbenpracht gestrichen.

Daher ist es eine sehr kunstvolle Kirche, findet der Mann des engagierten Fördervereins. Zudem verfügt die Kirche über eine Besonderheit, die nur selten in Kirchen anzutreffen ist. Auf den Zwickeln der Bögen befinden sich die zwölf Tierkreiszeichen.

Aus der alten Kapelle konnten barocke Plastiken gerettet werden, die noch heute in der Kirche stehen. Unter ihnen befindet sich auch eine Plastik des Kirchenpatrons St. Leonhard. Neben den barocken Plastiken gibt es in der Kirche auch Werke des vor kurzem verstorbenen Fussinger Künstlers Paul Grimm. Nicht mehr zu sehen sind die alten Fenster in der Kirche. „Nach dem Bau der Kirche war kein Geld mehr übrig für Fenster“, sagt Schick, „die Gemeinde war auf Spender angewiesen, die sich dann auch in ihren gespendeten Fenstern verewigten.“ Diese Fenster wurden 1980 alle entfernt und durch neue Fenster ersetzt. Die Baupläne von vor 100 Jahren sind noch vorhanden und auch noch nicht vollständig erfasst. An ihnen lässt sich erkennen, welche Mengen an Materialien verwendet wurden für den Bau. Der Bauherr Wilhelm Böcher aus Lahr hatte seine ganzen Unterlagen aufgehoben und diese später seinem Nachbarn zur Aufbewahrung gegeben. „Es war für uns ein Glücksfall, dass Anfang des Jahres der Nachbar zu uns kam und uns die Unterlagen übergab“, erzählt Rainer Schick. Sie hatten noch gar nicht die Zeit, alles auszuwerten.

Der Förderverein wünscht sich, bis 2020, wenn Fussingen seine 750-Jahr-Feier hat, alles ausgewertet zu haben und vorstellen zu können. Dies sei eine gute Grundlage, denn leider sei das Chronikschreiben in Fussingen nicht so gepflegt worden. „Es gibt zwei zuverlässige Chroniken“, so der Fussinger, „die Schulchronik und die Chronik der Pfarrgemeinde.“ Doch diese Arbeit sei dann eher für den Winter geeignet.

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