+
Michael Günther kontrollierte vor dem Flug noch die Befestigung der Tragflügel an der Bellanca.

Luftsportclub

Pilot zu sein ist gar nicht so einfach

Rund 40 Besucher kamen zum Schnuppertag auf das Gelände des Kelkheimer Luftsportclubs. Erfahrene Piloten zeigten, wie man Modellflugzeuge in die Luft bringt.

Wie ein Vogel durch die Lüfte gleiten, ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren – der Kelkheimer Luftsportclub (KLC) machte es am Samstag einmal mehr möglich. Seit Jahren laden die Flieger-Asse des Vereins zum Schnupperfliegen ein und auch diesmal nahmen rund 40 Interessierte die Möglichkeit wahr. „Sonst kamen zwar immer doppelt so viele Besucher, aber dieses Mal war es auch wirklich heiß“, berichtet Pressewart Thomas Petri. Die, die letztlich vorbeischauten, hatten so aber umso mehr Zeit, mit den Modellflugzeugen warm zu werden.

Das ist auch nötig, wenn man souverän seine Runden am Firmament ziehen möchte. „Einige haben überrascht festgestellt, dass zu der Sache doch auch ein gewisses Training gehört“, schmunzelt Petri.

Selbst jahrelange Flugerfahrung schützt nicht immer vor dem ungewollten Sturzflug. Davon kann Rainer Treder ein Lied singen. Der 76-Jährige zählt zweifellos zu den erfahrensten Kelkheimer Piloten, doch kürzlich endete ein Routineflug darin, dass er „nach Öl bohrte“, wie er es selbst bezeichnet. Sein Flieger erlitt aufgrund starker Böen einen Strömungsabriss und ging mit der Schnauze voran zu Boden. Das Ärgerliche: Bei dem Modell, das einen Totalschaden erlitt, handelte es sich um einen Eigenbau.

Statt auf Fertigflieger oder vorgegebene Baupläne zu setzen, entwirft Treder seine Modelle von Grund auf selbst. „In das Flugzeug, das nun abgestürzt ist, habe ich inklusive Planung und Konstruktion rund anderthalb Jahre gesteckt“, berichtet er. Daher hatte er nach dem Crash schon ein mulmiges Gefühl, als er vom Flugfeld des KLC nach Hause fuhr, den Kofferraum beladen mit den Trümmerteilen seiner Eigenschöpfung.

Dieses Gefühl kennt Treders Vereinskollege Michael Günther nur zu gut. In den 1970er Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für das Hobby und legte sich vom Taschengeld das erste Modell zu. „Vom Oster- und Weihnachtsgeld wurde dann der Motor gekauft“, erinnert er sich, „und danach ging es mit einem Kumpel am Gimbacher Hof in die Lüfte. Wir wussten als Anfänger stets, dass die folgenden Wochen für Reparaturarbeiten draufgehen würden, denn bei unseren ersten Flügen blieb meistens nichts heil am Flieger.“ Mittlerweile hat Günther selbstredend den Dreh raus. Übung macht den Meisterpiloten. Sein aktuelles Modell – eine Bellanca mit der eindrucksvollen Spannweite von 3,40 Meter – ist im elften Jahr unfallfrei.

Rainer Treder sitzt auch schon längst wieder am Reißbrett. Sein letztes Großmodell, so hat er es sich geschworen, wird gar eine Spannweite von 3,60 Meter haben. Die Baupläne der abgestürzten Maschine besitzt er zudem auch noch. Anhand der sechs DinA 0 Doppelseiten könnte er eine neue Version erstellen, doch er konzentriert sich lieber auf sein finales Projekt. Aber vielleicht findet sich ja im Verein ein Kollege, der Interesse daran hat, die Pläne in die Tat umzusetzen.

Knapp

140 Mitglieder

hat der KLC aktuell. Nach dem Schnupperfliegen am Samstag kündigte sich zudem ein Vater-Sohn-Duo für weitere Besuche auf dem Flugfeld am Münsterer Industriegebiet an. Wer das Probeangebot verpasst hat, aber mehr über den Verein erfahren möchte, hat am 1. und 2. September beim Flugplatzfest Gelegenheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare