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Die Statue der Justizia ist zu sehen.

Tränen nach dem Urteil

Prozess um tödlichen Überfall auf Ehepaar beendet

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Mit jeweils glimpflichen Haftstrafen sind gestern die drei Männer davongekommen, die bei einem Überfall auf ein Schmuckhändler-Ehepaar in Griesheim den Mann töteten und seine Frau schwer verletzten.

Zwölf, achteinhalb und acht Jahre Haft wegen Raubmordes, versuchten Mordes sowie Raub mit Todesfolge – mit diesem Urteil ist gestern vor dem Landgericht nach rund vier Monaten Verhandlungsdauer der Prozess um den Überfall auf ein Schmuckhändler-Ehepaar in Griesheim zu Ende gegangen.

Im Oktober vergangenen Jahres war der 78 Jahre alte Geschäftsmann aus der Linkstraße praktisch vor den Augen seiner gleichaltrigen Frau totgeschlagen und -getreten worden. Dass die Frau die schweren Misshandlungen der Räuber überhaupt überlebte, sei nur ein „Zufall“ gewesen, zitierte Vorsitzender Richter Uwe Steitz die rechtsmedizinischen Gutachter.

Bei dem Überfall verlief vieles nicht so, wie es sich die Täter ursprünglich gedacht hatten. Der schwergewichtige Ehemann leistete zähen Widerstand und auch die am Boden liegende Frau schrie nach Leibeskräften, so dass das Eintreffen der Polizei nur eine Frage weniger Minuten war. Schließlich schlug auch der Fluchtplan fehl. Im Obergeschoss mussten die Täter feststellen, dass sämtliche Fenster vergittert waren. Und unten rasselten bereits die Handschellen der Polizei.

In dieser Situation tat der damals 26-Jährige das einzig Richtige – er gab in der ersten Vernehmung bei der Polizei den Namen des vierten Täters an, dem noch die Flucht vor dem Eintreffen der Beamten gelungen war. Und auch der Schmieresteher vor dem Geschäft in der Alten Falterstraße wurde durch die Mithilfe des Festgenommenen aktenkundig. Mit dieser „Aufklärungshilfe“ bewahrte sich der Mann vor der bei Mord ansonsten zwingend vorgeschriebenen lebenslangen Haftstrafe. Mit zwölf Jahren blieb die Strafkammer noch deutlich hinter dem Antrag der Staatsanwaltschaft (13 Jahre und sechs Monate) zurück.

Die beiden jüngeren Mitangeklagten (heute 20, 21) verschanzten sich vor Gericht mit Erfolg auf ihre Reifedefizite und Erziehungsmängel. Bei ihnen müsse deshalb Jugendstrafrecht angewendet werden, sagte Steitz. Und auch die von dem Anklagevertreter propagierte Sonderregelung, wonach die Jugendhöchststrafe bei besonders krassen Mordfällen von 10 auf 15 Jahre angehoben werden kann, greife beim Griesheimer Raubmord nicht, erklärte der Richter.

So blieb es bei acht Jahren für den 20-Jährigen und achteinhalb Jahren für den dritten Angeklagten. Auch bei ihm sei ein „sehr großer

Erziehungsbedarf

“ festzustellen, sagte der Richter. Nach Verkündung des Strafmaßes brach der Angeklagte derart in Tränen aus, als ob er soeben zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden wäre. Vor Gericht hatten die Angeklagten versucht, die jeweils anderen für die Tötung des Geschäftsmannes und die schwere Misshandlung der Frau verantwortlich zu machen.

Dies misslang allerdings: Alle drei müssten sich den Raubmord und auch den Versuch gemeinschaftlich zurechnen lassen, hieß es im Urteil. Man habe zumindest mit einem „bedingten Tötungsvorsatz“ gehandelt, vor allem, als die Sache nach der Gegenwehr des Mannes und den Schreien der Frau aus dem Ruder zu laufen drohte.

Vielleicht ist das letzte richterliche Wort in dem spektakulären Kapitalverbrechen noch nicht gefallen. Denn Staatsanwalt Sinan Akdogan kündigte schon einmal an, das Urteil überprüfen zu wollen. Die Verteidiger, die keine konkreten Strafanträge gestellt hatten, dürften das Urteil dagegen akzeptieren.

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