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?Eggegugger? Reiner Wild ist am Liebsten mit dem Segway unterwegs ? bis zu 2000 Kilometer legt er im Jahr so in den Straßen des Frankfurter Westens zurück.

Mit dem "Eggegugger"

Qualitäts-Kontrolleur der FES dokumentiert nicht gereinigte Straßen

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Auf seiner orangefarbenen Warnweste sind zwei große runde Augen und der Schriftzug „Eggegugger“: Reiner Wild schaut als Qualitätsprüfer der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) in den Straßen ganz genau hin.

Wenn Reiner Wild in den Straßen unterwegs ist und Fotos macht, ist es schon passiert, dass ein Kehrwagenfahrer dazugekommen ist und gesagt hat: „Lass’ mich doch noch schnell drüberfahren, bevor du fotografierst!“ Aber darauf habe er sich nie eingelassen: Er soll die Zustände dokumentieren, wie er sie vorfindet, und nichts beschönigen. Und sagt augenzwinkernd: „Wenn alles nur immer klasse ist, machen wir uns ja auch selbst überflüssig.“

Reiner Wild ist „Eggegugger“. So nennt die FES ihre Qualitätsprüfer. Acht Personen teilen sich das Stadtgebiet; Reiner Wild ist seit 2002 – als die „Eggegugger“ erstmals ausschwärmten – für den Frankfurter Westen zuständig plus Rödelheim „und einmal im Monat in die Stadt bis zum Hauptbahnhof“, wie er sagt. Wild, der 1978 als Fahrer bei der FES angefangen hat und in all den Jahren viele verschiedene Jobs gemacht hat, weiß, dass er sich nicht bei allen Kollegen beliebt macht, wenn er schlecht gereinigte Straßen meldet, überquellende Abfallkörbe, wilde Sperrmüllhalden oder auch im Winter nicht vom Schnee geräumte Zebrastreifen. Doch Wild ist ein sympathischer Zeitgenosse: Auf dem Bauhof der FES in der Breuerwiesenstraße, wo er sein Büro hat, grüßen alle freundlich, und als er unterwegs den Kollegen Turan Ceran mit seiner Kehrmaschine trifft, bleibt Zeit für ein kurzes Schwätzchen.

Reiner Wild ist nicht die „Petze“, die Kollegen in die Pfanne haut, sondern sieht sich ein bisschen als der, der ihren Arbeitsplatz sichert: „Wenn alles gut ist, ist das auch schlecht . . .“ Doch gibt es genug uneinsichtige Zeitgenossen, die ihm und den FES-Kollegen immer wieder neue Arbeit bereiten: Zum einen mit unangemeldetem Sperrmüll, zum anderen mit der verbreiteten Angewohnheit, jeden Müll einfach fallen zu lassen. Besonders im Umkreis von Schulen sieht es oft schlimm aus. „Da merkt man sofort, wenn Ferien sind“, sagt Wild. Auch habe es sich auf die Müll-Situation in den Straßen ausgewirkt, als der McDonald’s in der Höchster Fußgängerzone geschlossen habe. Doch der Fastfood-Müll reißt nicht ab: „Das Problem sind die Drive-Ins“, sagt Wild. „Die Leute holen ihr Essen, fahren dann irgendwohin und werfen den Müll einfach aus dem Auto.“

Reiner Wild arbeitet vom Computer nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Straßen in seinen Stadtteilen ab, ist zu Fuß oder mit dem Segway unterwegs – bis zu 2000 Kilometer im Jahr. Und keineswegs kommt er nur dann, wenn gerade Reinigungstermin gewesen ist: „Mit den Augen des Bürgers“, so lautet seine Dienstanweisung, soll er hinschauen und nicht etwa der Selbstbestätigung der FES dienen.

Der gebürtige Unterfranke, der in Johannisberg im Rheingau lebt, kommt ein bis zwei Mal im Monat selbst in die städtischen Randlagen, etwa nach Sindlingen. Dort in der Weinbergstraße hat er auch einmal gewohnt, genauso wie in Zeilsheim. Er kennt den Frankfurter Westen aus dem Eff-Eff, weiß auch, wo Brombeer-Ranken in den Weg hängen und wo besonders oft Sinkkästen verstopft sind. Wenn sich Bürgerbeschwerden aus einer bestimmten Ecke häufen, wird er losgeschickt, um mit seinem Tablet-Computer und der Kamera zu dokumentieren. Später wird er noch einmal vorbeischauen, um festzustellen, ob das Problem behoben ist. Zwischendrin steht Ursachenforschung an: Waren Maschinen- oder Personalausfälle der Grund, hängt eine besondere Verschmutzung mit einem Ereignis – etwa einem Volksfest – zusammen, oder wurde schlicht geschlampt?

Reiner Wild muss auch in Erfahrung bringen, wer jeweils zuständig ist. Das ist nämlich beileibe nicht immer nur die FES oder ihre Tochter FFR, sondern das kann auch die Bahn sein, die Verkehrsgesellschaft Traffiq oder andere. Mit dem Kataster-Programm eines Kollegen kann Wild das auf den Quadratmeter genau bestimmen.

Sein Job wird jedoch bald frei: Zum Jahresende geht er in den Ruhestand. Dann bleibt ihm mehr Zeit für sein Hobby, den Garten- und Landschaftsbau. Einen Pool hat er sich jüngst in den eigenen Garten gebaut, um nach der Arbeit zu entspannen. Aber so ganz kann er selbst in der Freizeit nicht vom Job lassen: In Johannisberg hat er den Kollegen einen Reifenstapel gemeldet, und im Urlaub in seinem Lieblings-Reiseziel Italien registriert er durchaus die Müllberge, etwa in Neapel, wenn mal wieder die Müllabfuhr streikt. „Immer die Augen aufhalten“, das sage sein Chef immer wieder. Aber Reiner wild weiß, dass er regelrecht gegen einen Müll-Drachen kämpft: „Man kann leider nicht immer überall sein.“

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