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Wehrhart Otto bei der Arbeit. Mit diesem Spezialgerät wird der individuelle Code in den Rahmen graviert. Mit seiner Hilfe lässt sich der Eigentümer schnell finden.

Tipps gegen Fahrradklau

Räder codieren, Diebe abschrecken

Regelmäßig bietet der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Radlern die Möglichkeit, ihr Fahrrad codieren zu lassen. Der Experte Wehrhart Otto sprach mit Redakteurin Sarah Bernhard über den Nutzen dieser Maßnahme, dreiste Diebesbanden und die besten Tricks gegen Fahrradklau.

Herr Otto, warum sollte ich mein Fahrrad von Ihnen codieren lassen?

WEHRHART OTTO: Das bringt zweierlei: Erstens bekommen Sie Ihr Fahrrad schneller wieder, wenn es gestohlen wird. In Hamburg hat die Polizei im vergangenen Jahr ein Lager mit 1500 gestohlenen Fahrrädern entdeckt. Sie haben Fotos ins Internet gestellt, um die Besitzer ausfindig zu machen. Normalerweise gibt es am Fahrrad ja keine Information, die auf den Eigentümer hinweist. Das Ergebnis war, dass die Polizei – unter großen Mühen – ein Zehntel der Räder zuordnen konnte. Der große Rest verschwindet in Fundbüros.

Aber wenn ich weiß, dass mein Fahrrad gestohlen wurde, kann ich doch auf so etwas achten oder im Fundbüro nachfragen.

OTTO: Das können Sie tun, aber schon, wenn der Dieb Ihr Rad für eine Spritztour nach Oberursel nutzt und es dort ins Gebüsch wirft, ist es für Sie quasi verloren.

Sie sagten, es gibt noch einen zweiten Vorteil?

OTTO: Codierte Räder lassen Gelegenheitsdiebe lieber stehen. Denn wenn sie die verkaufen wollen, sagt jeder: Da haben Sie doch sicher Unterlagen?! Diejenigen, die ihr Geschäft verstehen, stehlen dann lieber das Fahrrad nebenan. Wir machen die Codierung seit rund 22 Jahren und haben bemerkt: Die vorbeugende Wirkung ist durchaus beträchtlich.

Und wie funktioniert sie?

OTTO: Mit einer Stahlnadel wird ein Code in den Rahmen geprägt, das Fahrrad ist also unzerstörbar markiert. Dieser Code beinhaltet die persönlichen Daten des Besitzers: Als erstes, wie beim Autokennzeichen, ein F oder MTK oder was auch immer. Es folgt ein fünfstelliger Code für die Straße, in der man wohnt. Dann kommen die Hausnummer, die Initialen des Besitzers, immer zwei Buchstaben, und das Jahr der Codierung, also 18. Das System hat die Polizei erfunden, für sie ist es dann eine Sache von wenigen Minuten, den Besitzer zu finden und zu benachrichtigen.

Aber was, wenn ich mein Fahrrad verkaufen will?

OTTO: Für die Codierung muss man seine Daten in einen Codierauftrag eintragen. Einen Durchschlag des Auftrags bekommt man mit und kann ihn weitergeben.

Hilft die Codierung auch, wenn mein Rad ins Ausland gebracht wird?

OTTO: Das hängt davon ab, wie weit die Länder kooperieren. Ich habe gehört, dass Polen jetzt sehr gut mit der deutschen Polizei zusammenarbeitet. Aber in der Regel ist es weg, wenn das Fahrrad einmal über die Grenze ist. Im Baltikum gibt’s einen ganzen Flohmarkt für gestohlene Fahrräder, da ist ein ziemliches Gewerbe dahinter.

Werden denn in Frankfurt mehr Fahrräder entwendet als im Rest Deutschlands?

OTTO: Jedes Jahr werden in Frankfurt etwas mehr als 5000 Fahrräder bei der Polizei als gestohlen gemeldet. Das sind längst nicht alle. Wem zum Beispiel ein älteres Fahrrad abhanden kommt, der flucht vielleicht, geht aber nicht gleich zur Polizei. Aber insgesamt gibt es nicht mehr Diebstähle als andernorts.

Bekommen Sie mit, wenn ein codiertes Fahrrad wieder auftaucht?

OTTO: Gelegentlich bekommen wir Meldungen, manchmal sogar von Fahrrädern, die erst nach Jahren wiedergefunden wurden, teilweise richtig weit weg. Mir sind selber mal zwei weggekommen, die standen in der Garage und das Schloss war defekt. Das eine war nicht ganz fahrtüchtig, da hatte ich schon, als ich von der Polizei zurückkam, einen Anruf, dass es 300 Meter weiter im Busch lag. Das andere stand einen Tag lang vor einer nahen Metzgerei, bevor sich die Mitarbeiter gewundert haben. Wenn nicht Profis am Werk sind, sondern jemand, der sich das Rad für eine Spritztour ausleiht, hat man große Chancen, dass es wiedergefunden wird.

Was kann ich noch tun, damit mein Fahrrad nicht gestohlen wird?

OTTO: Umsichtig schauen, wo Sie Ihr Fahrrad abstellen. Es sollten möglichst belebte Plätze sein, die abends beleuchtet sind. Ist beides nicht der Fall, kann der Dieb nämlich ganz in Ruhe arbeiten. Um ein Spiralschloss mit einer Zange zu knacken, braucht es in der Regel wenige Sekunden. Man sollte also besser eines haben, für das der Dieb zumindest eine Minute braucht. Wir empfehlen, dass man noch mal etwa zehn Prozent des Fahrrad-Kaufpreises fürs Schloss ausgibt. Jedes Schloss kann geknackt werden, aber je mehr man investiert, desto größer ist die Sicherheit.

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