+
Im Frankfurter Stadtwald kein ungewöhnliches Bild mehr: Ein Waschbär hat einen Mülleimer umgeworfen und sucht nach Essbarem.

Waschbären erobern Frankfurt

Die Räuber mit dem großen Hunger

  • schließen

Nur selten lassen sie sich blicken, aber sie sind da: Waschbären gibt es auch in Frankfurt. Noch seien sie angesichts ihrer geringen Zahl weit davon entfernt, zur Plage zu werden wie anderswo in Deutschland. Dass sie auf der Futtersuche immer wieder Mülleimer ausleeren, nervt – weshalb die Stadt nun im Stadtwald Mülleimer mit Deckel aufstellen lässt.

Er sei da, „das ist keine Frage“, – und zwar schon seit einigen Jahren. Selbst gesehen habe sie ihn noch nicht, nur seine Spuren, sagt Tina Baumann, Leiterin der Abteilung Stadtforst im Grünflächenamt. „Aber in den letzten zwei Jahren wurden zwei Tiere getötet.“ Der Waschbär sei nachtaktiv, ein „sehr heimliches Tier“, das sich tagsüber verstecke, gerne in hohen Bäumen schlafe und sich „gut aufs Tarnen und Verstecken versteht“. In Frankfurts nördlichen Stadtteilen wurde er schon vorher gesichtet, auch schon von Jägern erlegt, im Stadtwald – also südlich des Mains – kam er wahrscheinlich vor fünf, sechs Jahren an.

Kritisch sei die Größe der Population noch nicht, sagt Baumann – und doch: Immer wieder räumt er etwa am Grill- und am Waldspielplatz Scheerwald und anderen Stellen Mülleimer aus und verteilt auf der Suche nach Essbaren den Inhalt. Und auch Privatleuten rät Frankfurts oberste Försterin, ihre Mülltonnen waschbärsicher zu verschließen – um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

Die Stadt will ihre Mülleimer im Scheerwald, am Waldspielpark Goetheturm und im Fortstrevier Oberrad gegen Modelle austauschen, die für Waschbären unzugänglich sind: Modelle mit verschließbarem Deckel. Das funktioniere aber nur so gut, wie auch die Menschen die

Mülleimer richtig bedienen

und die Deckel nach der Benutzung wieder fest verschließen.

Die geschickten Kletterer seien schlau und hätten ein gutes Gedächtnis, sagt Baumann. Mit ihren Fingern können sie Behältnisse öffnen – auch Mülltonnen. Wer also nahe am Stadtwald lebt, sollte seine Mülltonnen einschließen oder gut verschließen. Aber auch in anderen ländlichen Stadtteilen wie Bergen-Enkheim, Harheim oder Nieder-Erlenbach, ja im ganzen Norden der Stadt werden immer wieder mal Waschbären gesehen, erlegt oder von Autos überfahren.

Zwar verteilen auch Raben gerne auf der Futtersuche den Inhalt von Mülleimern in Parks, Wildschweine werfen immer wieder Mülltonnen um. Genau wie der Waschbär seien sie „immer wieder dort anzutreffen, wo der Mensch seine Essensreste hinterlässt“. Aber immer öfter vermuten die Förster Waschbären als die Übeltäter: Spuren weisen darauf hin.

Die drei Waschbärenarten, die es gibt, gehören zur Gattung der Kleinbären, die wiederum neben Bären, Pandas, Mardern, Stinktieren, Robben und Hunden zu den hundeartigen Raubtieren gehören. „Waschbären sind Allesfresser. Vorwiegend fressen sie jedoch Fleisch. Insekten, Würmer, aber gerne auch mal Jungvögel“, sagt Baumann. Auf dem Speiseplan stehen zudem Reptilien, Amphibien und Kleinsäuger stehen. Nur gelegentlich fräßen sie auch Obst.

Bei einer Ausbreitung der Population seien daher vor allem heimische Singvögel gefährdet, da er Eier aus den Nestern hole. „Er geht auch mal in Höhlen, etwa um dort Fledermäuse zu erbeuten.“ Breite er sich zu weit aus, müsse das Forstamt „überlegen, wie wieder ein Gleichgewicht hergestellt werden kann. Bei den Wildschweinen machen wir das ja genauso“. Im Stadtwald werden die Wildschweine bejagt, auch weil sie immer wieder in Wohngebieten auf Futtersuche sind. „Steigt die Zahl der Tiere an, droht die Gefahr von Seuchen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare