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Zu Höchst hat Rainer Weisbecker seit Kindheitstagen eine enge Beziehung.

Mundartdichter und Liedermacher

Rainer Weisbecker hat seine sechste CD auf den Markt gebracht

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Der Frankfurter Rainer Weisbecker schreibt seit Anfang der 70er Jahre in Mundart. Seitdem sind acht Bücher mit Gedichten und Geschichten und nun sechs CDs mit Liedern und Blues erschienen – immer im Dialekt.

Der Höchster Schlossplatz gehört zu Rainer Weisbeckers Lieblingsorten. Hier hat ihn auch die Inspiration zum Titel seiner neuen CD „Ranzereiße“ übermannt: „Wenn de mit em Gast aus Japan zum ,Bären‘ gehst, und der isst es erste Mal Rippche mit Kraut un en Handkäs devor, un ihr trinkt en Fünfer Bembel – was der dann krieht, des is Ranzereiße“. Ranzereiße, auf Hochdeutsch „Blähungen“ – man muss schon über den Dingen stehen, um seine CD so zu nennen. Aber Rainer Weisbecker, 1953 in Niederrad geboren, hat den nötigen Humor.

Apropos Handkäs: 50 Minuten ist seine neue CD lang, und in 15 Liedern kommen nicht ein einziges Mal die Worte Äppelwoi, Bembel oder Handkäs vor. Rainer Weisbecker macht nämlich keine Touristenbespaßung, sondern er schreibt Lieder für Menschen, die ihre Mundart lieben – so wie er selbst es tut.

„Ich bin jetzt im Rentenalter und erlaube mir, nur noch das zu tun, was mir Spaß macht“, sagt Weisbecker. Aufgewachsen ist er in Niederrad und in Goldstein, und „nach Höchst sind wir immer mit dem Fahrrad über die Fähre gekommen, um hier einzukaufen“, sagt er. Erste Bühnenerfahrung sammelte er schon als Kind im Orchester der Akkordeonvereinigung Niederrad und nahm damals auch an den Akkordeon-Weltmeisterschaften in Luzern teil. Mit 17 trat er dann als Bassist und Gitarrist mit lokalen Frankfurter Bluesbands auf. Lange Jahre war er Gitarrist der legendären „Headline Bluesband“ um die Frankfurter Blues-Legende Andreas August; 1976 wurde er zeitweise Bassist der „Frankfurt City Blues Band“.

Seit Anfang der 70er Jahre schreibt er in Mundart, denn die Mundart passt zum Blues. Seine ersten Mundart-Bücher veröffentlichte er Ende der 90er Jahre – und wurde Mitglied des Frankfurter Mundart-Rezitationstheaters „Rezi-Babbel“. Seit 2001 ist er „freischaffender Mundartdicher und Liedermacher“, hat regelmäßig Auftritte im Radio und auch im Fernsehen. Seine Soloprogramme spielte er unter anderem im Stalburg-Theater in Frankfurt, am Deutschen Äppelwoi-Theater in Bad Homburg, im Theater am Park in Bad Nauheim oder im Hofgarten-Kabarett in Aschaffenburg.

Erschienen ist seine neue CD „Ranzereiße“ bei „Schatzebobbes Records“, dem eigenen Label. Er begleitet sich selbst mit Gitarre, Mandoline, Lapsteel, Akkordeon, Dobro, Mundharmonika, Weissenborn-Gitarre und Konzertina; seine ältesten Mandolinen sind Baujahr 1916 und 1922.

Im Eröffnungsstück „Mei Gidarr, de Blues, de Tequila und ich“ besingt er drei treue Wegbegleiter; die Mitsing-Klassiker „Ferz mit Kricke“ oder „Die Ballad vom heilische Schwarzbrenner“ dürfen genauso wenig fehlen wie „En Traum in Schwarz un Blau“, eine Liebeserklärung an den FSV Frankfurt. In „Settche aus de Breitegass“ erzählt der Mundartpoet eine melancholische Liebesgeschichte aus Frankfurts kleinem Rotlichtviertel, und auch „En scheene Offebach-Blues“ ist eine pfiffige Liebesgeschichte aus Frankfurts geliebter Partnergemeinde. In „Scholzegret Blues“ holt er die meistbesungene Frau des Odenwalds nach Frankfurt, und in „Die Buberolzern aus de Unnergass“ erzählt er fingerpickend die Liebesgeschichte seiner Eltern, die schließlich zur Geburt des kleinen Rainer führte. Als Kind war er mal lange im Krankenhaus – übrigens in Höchst –, und damals, als er salzfrei leben musste, hat er eines besonders geschätzt: „Die extra dafür hergestellte salzarme Wurst vom Höchster Metzger Weisbecker, der nicht mit mir verwandt ist.“

Wer Weisbecker nicht kennt, kann ihn als Teil der „hessisch Dreidabbischkeit“ am Freitag, 14. September, um 20 Uhr im Gemeindezentrum von St. Mauritius, Mauritiusstraße 12, erleben. „Die hessisch Dreidabbischkeit“, das sind Stefani Kinkel alias „Hilde aus Bornheim“, Clajo Hermann – auch als die eine Hälfte des „1. Babenhäuser Pfarrer(!)kabaretts“ bekannt – und Weisbecker. Zusammen waren sie voriges Jahr bei der „Sommernacht am Schloss“ auch auf der Schlossterrasse zu Gast. Karten für den Kabarettabend sind ab dem 13. August für 22 Euro im Vorverkauf erhältlich in den Pfarrbüros der Pfarrei St. Jakobus, Kniebisstraße 27 und Mauritiusstraße 10, im Gemeindebüro der Martinusgemeinde, Martinskirchstraße 53, bei Bücher Waide in Alt Schwanheim 39a und bei Toto + Lotto Hintze in der Martinskirchstraße 83a.

Zum ersten Mal hat Weisbecker übrigens auch ein Cover auf seiner CD, nämlich seine Version von „De Suff un de Spaß“ aus der Feder seines Kollegen Bobby von Schwanheim. Erst hatte er „Regard“, denn der Kollege ist ein Perfektionist, aber Bobby habe ihn, nachdem er ihm das Stück geschickt habe, angerufen und gesagt, er habe „sich de Bobbes wundgefreut“ über das Cover. Ein schöneres Lob kann es kaum geben.

R. Weisbecker, „Ranzereiße“

Die CD gibt es zum Preis von 13 Euro in ausgesuchten Läden und Buchhandlungen. Bestellt werden kann sie auch unter r.weisbecker@t-online.de oder unter (0 61 81) 8 39 13.

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