DLRG

Retten unter widrigen Bedingungen

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Die freiwilligen Helfer der DLRG hatten es nicht immer leicht: Nicht nur, weil es bei schwierigen Einsätzen auch Opfer gab, ihre Arbeit ist auch sehr kostspielig. So kostet ein gefordertes Telefon beispielsweise 17 000 Euro.

Horst Kreutzlücken ist fassungslos. Nach einem Autounfall wird in der Lahn nach Opfern gesucht, und alle sind vertreten: die Feuerwehr, die Polizei, der Rettungsdienst. Nur eine Organisation fehlt in der Helferkette: die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Die Tatsache – kaum zu glauben – ist für den Vorsitzenden des Ortsverbandes Diez Anlass, nachdrücklich tätig zu werden. Mit Erfolg: Die DLRG ist inzwischen fest in den Zivil- und Katastrophenschutz des Rhein-Lahn-Kreises eingebunden, wird sogar ausgerüstet und finanziell unterstützt.

Entwickelt hat sich der örtliche Verband stetig – durch den Bau des Ausbildungszentrums an der Emser Straße, die Anschaffung eines neuen Einsatzbootes inklusive Garage, den bevorstehenden Kauf eines neuen Dienstfahrzeugs. Die Bereiche Boots- und Tauchwesen mit fünf Strömungsrettern sind zu stabilen Truppen und unverzichtbaren Einheiten geworden. Langwierig, aber immer wieder verfolgt und letztlich von Erfolg gekrönt: der Einsatz für die dringend benötigte Ausdehnung der Wasserfläche für die Schwimmausbildung. Auch das schafften die Lebensretter, die am 20. Oktober den 90. Gründungs-Geburtstag feiern. Neuerdings gibt es im Oranienbad sogar Freiraum für das Anfängerschwimmen.

Doch nicht alles ist dem Verein in den vergangenen Jahren geglückt. Die DLRG Diez, deren einst mehr als 700 Mitglieder zur Hälfte aus Kindern und Jugendlichen bestand, verlor durch die monatelange Sanierung des Hallenbades vor allem im Nachwuchsbereich an Zulauf. In der Hauptversammlung 2018 musste der Vorstand den Verlust von rund 200 Mitgliedern binnen fünf Jahren einräumen.

Zu den ständigen Begleitern der Wasserwacht gehören die Themen Kosten und Aufwand. Für fast 17 000 Euro musste ein gesetzlich gefordertes Unterwassertelefon angeschafft werden, insgesamt 42 000 Euro waren für einen Anbau samt Außenanlagen hinter dem DLRG-Zentrum aufzubringen, um den teuren Neuanschaffungen – es handelt sich dabei um ein Rettungsboot unter anderem für den Hochwassereinsatz – einen seriösen Unterschlupf zu bieten. 70 000 Euro soll das neue Fahrzeug kosten.

Wenn auch die öffentliche Hand die Anschaffungen fördert, einen beträchtlichen Anteil hat jeweils der Verein aufzubringen. Mammutprojekt war in dieser Hinsicht das 2011 eingeweihte Ausbildungszentrum zum Preis von rund 345 000 Euro. Auf einer Nutzfläche von 200 Quadratmetern ist an der Emser Straße ein ebenerdig und behindertengerecht angelegter Bau mit zwei Garagen für Rettungsfahrzeug, Boots- und Tauchanhänger sowie einer kleiner Werkstatt entstanden. Untergebracht wurden im Gebäude Büro, Sanitäranlagen, Umkleidekabinen und Ausbildungsraum. 126 000 Euro gewährte das Land als Zuschuss, 31 000 der Landkreis, 15 000 die Verbandsgemeinde. Das 700 Quadratmeter große Grundstück stellt die Stadt nach einem Beschluss des Rates für 99 Jahre auf Erbpachtbasis zur Verfügung – kostenlos.

Meist sind es zwischen 1500 und

2000 Stunden pro Jahr

, die rund 30 Wachgänger als Aufsicht an Bagger- und Herthasee verbringen. In mehr als 1000 Stunden lernen jährlich 250 junge Leute schwimmen, für die Einsatzkräfte stehen Übungen und Ausbildungstermine an. Zum Stromschwimmen zwischen Diez und Balduinstein steigen die Teilnehmer regelmäßig bei erfrischenden Temperaturen in die Lahn. Und manchmal, 2010 war das so, muss bei zwei Grad Außentemperatur und Nieselregen zur Rettungsübung im eiskalten Herthasee mit der Kettensäge ein Loch in sieben Zentimeter dickes Eis und 15 Zentimeter gefrorenen Schneematsch geschnitten werden. Froschmänner durften anschließend mit dem Kompass die Unterwasser-Orientierung üben.

Abgesehen von Einweihungen und Eröffnungen – groß gefeiert wurde zuletzt 2003, beim 75-jährigen Bestehen. Hervorgegangen ist die DLRG Diez 1928 aus dem Verein für Leibesübungen, dem VfL Freiendiez. Dem Weltkrieg, der die Entwicklung doch einschneidend unterbrach, folgte in den 50er Jahren der Wiederaufbau des Vereins und, 1961, die Gründung der Tauchergruppe. Ab 1964 wurden am Herthasee Schwimmkurse abgehalten, 1967 übergab die Ortsgemeinde Holzappel die 1971 und 1996 erneuerte Wachstation. 1975, vier Jahre zuvor hatte Horst Kreutzlücken sein noch bestehendes Amt als Vorsitzender angetreten, konnte das erste Einsatzfahrzeug zugelassen werden. 2001 folgte Fahrzeug Nummer zwei.

In den Annalen wechseln sich Erfolge bei Wettbewerben mit schwierigen Einsätzen ab. Und auch das geht aus den Aufzeichnungen über 90 Jahre hinweg hervor: Manchmal blieb den Helfern nur ein trauriger Rückweg…

(hbw)

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