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Olivia McNair (links) und Margot Baegert (88) bestaunen zusammen die neue Altstadt.

Malteser

Mit dem Rolli auf Entdeckungstour

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Viele Firmen bitten ihre Mitarbeiter, sich sozial zu engagieren – und organisieren einen „Social Day“, an dem sie ehrenamtlich helfen, während der Arbeitszeit. Aber wie findet man jemanden, der Hilfe sucht? In Frankfurt organisierten nun zum 16. Mal die Malteser für Firmen und soziale Einrichtungen einen „Social Day“.

Staunend steht die kleine Gruppe in der Gasse Hinter dem Lämmchen und bestaunt die mit viel Gold verzierte Madonnenfigur mit Krone, die aus Nussbaumholz gefertigt auf einer Konsole der Hausecke im ersten Stock thront. Bis zur Zerstörung der Frankfurter Altstadt im Zweiten Weltkrieg stand hier das aus dem 14. Jahrhundert stammende „Haus zum Goldenen Lämmchen“, nebenan war das Haus Nürnberg. Nun stehen Nachbauten der beiden Häuser hier in der „neuen“ Altstadt, die in einer Woche offiziell eröffnet wird. „Schön, nicht wahr?“, sagt eine Sozialarbeiterin des Martha-Hauses, und Miette-Claire Löffler (101), die in dem Sachsenhäuser Alten- und Pflegeheim lebt, nickt. „Ja, es ist sehr schön geworden.“

Rund 950 „Ein-Tages-Helfer“ von 41 Firmen sind zurzeit in Frankfurt im Einsatz, bundesweit sind es sogar 1200 Ehrenamtliche in 120 Projekten: Der Malteser Social Day ist der größte seiner Art. Der Schwerpunkt liegt in Frankfurt. Die hiesigen Koordinatorinnen, Frauke Druckrey und Barbara Kuhn, erhielten 2017 – stellvertretend für das ehrenamtliche Orga-Team, wie sie betonen – das Bundesverdienstkreuz.

Der Ausflug der Senioren, die allesamt im Rolli sitzen, ist nicht alltäglich. Beim Malteser Social Day begleiten Mitarbeiter der Commerzbank die Gruppe, zu Fuß ging es über den Main. Nun schieben die Banker die Rollis der Senioren durch die Altstadt, verharren gemeinsam staunend am Stoltzebrunnen auf dem Hühnermarkt, erkunden die schmalen Gassen und Hinterhöfe. Vor der „Goldenen Waage“ am Dom erklärt Volker Michel, der Organisator des Ausflugs, dass das bunt geschmückte Haus 1619 ein Glaubensflüchtling aus Holland baute, ein reicher Zuckerbäcker. In bester Lage steht die „Waage“, die den Reichtum ihres Besitzers zur Schau stellt. Begann doch hier der Krönungsweg: Vom Dom aus zog der dort gewählte neue deutsche König hinüber in den Römer. „Das war stets ein Riesenspektakel“, sagt Michel.

Margot Baegert (88) kennt die Altstadt noch von früher, vor der Zerstörung, kennt die schmalen Gassen, das dichte Treiben und den nicht immer angenehmen Geruch. „So war das damals eben, das war normal“, sagt sie achselzuckend. Oft war sie hier, sie lebte schon damals in Sachenhausen – und die Altstadt war zusammen mit der Zeil das Herz Frankfurts. „Oben waren die Gassen so schmal, dass man sich von Fenster zu Fenster die Hand geben konnte.“ Aber noch sind die meisten Läden leer, an vielen Stellen wird gebaut, „hier muss noch Leben rein“, sagt Olivia McNair von der Commerzbank, die Baegert im Rolli durch die Gassen schiebt. „Das kommt noch“, ist Baegert überzeugt.

Fast von Beginn an beim Malteser Social Day dabei ist die Commerzbank. In Frankfurt machen 220 Mitarbeiter mit, bundesweit sind es 293. Einmal im Jahr fragen die Malteser all jene Projekte ab, bei denen Kitas, Schulen, Jugendclubs, Seniorenwohnanlagen, Drogen- und Aidshilfe und andere soziale Träger Hilfe brauchen. Dann bringen sie diese mit Firmen zusammen, die ehrenamtlich helfen wollen. Die Malteser koordinieren die Aktionen und achten darauf, dass alles reibungslos funktioniert. Mit dem Geld, das die Firmen für diesen Service zahlen, finanzieren die Malteser andere ehrenamtlichen Projekte.

Rüdiger Senft von der Commerzbank koordiniert bereits zum fünften Mal nacheinander den Einsatz seiner Abteilung beim Social Day. „Es ist mal etwas anderes als die Projekte, die wir bislang gemacht haben. Es ist toll, zu erleben, wie die älteren Damen und Herren hier aufblühen, ihre eigenen Geschichten erzählen von früher, wie es in ihrer Heimat war oder welche Handwerkstechniker hier eingesetzt wurden.“ In den vergangenen Jahren hätten sie bereits Klassenzimmer renoviert, Gärten an Schulen neu gestaltet. Renovierungen jeder Art sind mit 50 Projekten auch in diesem Jahr der größte Teil des Social Day, sagt Malteser-Sprecher Lioba Abel-Meiser. Andere Projekte sind unter anderem ein Bewerbungstraining für Anne-Frank-Schüler, ein Ausflug mit Klienten der Aids-Hilfe, eine Spiele-Olympiade beim Kinder- und Jugendzentrum Basement 26 in Oberrad oder ein Kinderfest im Galluspark.

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