+
Nicht ohne Schwierigkeiten ist für Ursula M. der Besuch im NWZ.

Barrierefreiheit

Rollstuhlfahrer sehnen neue Aufzüge im Nordwestzentrum herbei

Einmal in der Woche muss Ursula M. ins Nordwestzentrum zur Post. Für die Rollstuhlfahrerin ist das jedes Mal eine anstrengende Tortur: enge Aufzüge, blockierte Haltebereiche und zu steile Rampen vor der Toilette. Die Centerleitung verspricht Verbesserung.

Es ist jede Woche das gleiche Spiel: Wenn Ursula M., die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, sich von einem Fahrdienst ins Nordwestzentrum (NWZ) zur Post bringen lässt, dann ärgert sie sich schon beim Aussteigen. Denn dieses gestaltet sich meist schwierig. Der Fahrdienst muss am Busbahnhof in der unteren Ebene anhalten, doch von den Bussen wird nur wenig Rücksicht auf sie genommen.

„Seit einer halben Stunde steht er schon hier“, ärgert sich Ursula M. auch an diesem Tag wieder. Jedes Mal sei der Haltebereich durch wartende Busse blockiert und der Fahrdienst gezwungen, auf dem Zebrastreifen zu halten. „Wenn dann noch Taxis und Eltern mit Kinderwagen hier unterwegs sind, ist das Chaos perfekt“, sagt sie.

Bereits mehrfach hat sie sich deswegen bei der Verwaltung des Einkaufszentrums beschwert, ebenso bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Auch hat sie die Busfahrer direkt angesprochen. „Wirklich verstanden wurde ich da aber nicht. Ihnen war es zunächst wichtig, in ihrer Pause in Ruhe einen Kaffee zu trinken und ein Brötchen zu essen“, sagt sie lakonisch. „Nach unserem Wissen dürfen die Busfahrer in ihrer Pause dort stehen“, sagt Klaus Linek, Sprecher der lokalen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. Denn es handle sich um einen „geregelten Haltebereich“.

Georg Lackner, NWZ-Geschäftsführer, erkennt zwar das Problem von Ursula M., doch auch ihm sind die Hände gebunden. „Eine Optimierung der Haltezonen in der Busstraße ist leider nicht möglich“, sagt er. Doch für Ursula M. sind die Probleme beim Aussteigen nicht die einzigen Barrieren, mit denen sie bei ihrem Besuch im Nordwestzentrum konfrontiert wird. Gekonnt schlängelt sie sich mit ihrem Rollstuhl durch die breiten Gänge des Zentrums, vorbei an Passanten mit vollen Tüten bis zum Aufzug.

„Ich bin samt Rollstuhl zwar nur 68 Zentimeter breit, werde aber trotzdem immer wieder von Besuchern angerempelt. Die übersehen mich einfach“, wünscht sie sich etwas mehr Rücksicht. In den Aufzug passt der Rollstuhl perfekt. Aber als Ursula M. dann über den Modeboulevard rollt, hält sie sich ihren Schal vor Mund und Nase. So schützt sie sich vor dem Zigarettenqualm, denn im Nordwestzentrum darf nach wie vor geraucht werden. Auch wegen der Kinder, die dort gern am Brunnen spielen, macht sie sich Sorgen.

Georg Lackner kennt diese Kritik schon seit Jahren, möchte aber nach wie vor nichts daran ändern. „Man kann das Dach öffnen, das Zentrum ist quasi offen. Deswegen wird man auch weiterhin rauchen dürfen“, sagt er. Eine Antwort, über die Ursula M. nur mit dem Kopf schütteln kann.

Wieder an der frischen Luft atmet sie deswegen erst einmal tief durch. Vielleicht aber auch deswegen, weil eine Rampe ihr nun den Zugang zur Toilette versperrt. „Für Rollstuhlfahrer ist das viel zu steil und zu kurz. Die Räder hängen in der Luft, ich habe Angst, rückwärts umzukippen“, sagt sie. Da das Einkaufszentrum derzeit umgebaut werde, komme es „bedauerlicherweise naturgemäß zu Beeinträchtigungen aller Besucher“, erklärt dazu Simone Zapke von der Bauaufsicht Frankfurt.

Von der Verwaltung des Nordwestzentrums hat Ursula M. den Hinweis bekommen, auf die zweite Toilette in den unteren Stockwerken ausweichen zu können. „Eine Frechheit“, sagt die Frankfurterin dazu. Zumal es im gesamten Zentrum nur einen geeigneten Aufzug für die Größe ihres Rollstuhls gebe. Dieser sei aber oft durch andere Besucher besetzt. „Aufgrund der Größe des Zentrums ist es uns nicht möglich, alle Aufzüge regelmäßig zu kontrollieren“, erklärt Lackner.

Im Rahmen der derzeitigen Umbauarbeiten sei jedoch ein dritter Aufzug fertiggestellt worden und ein vierter Aufzug werde in den nächsten Wochen ausgebaut. Georg Lackner betont dazu: „Wir nehmen das Thema Barrierefreiheit sehr ernst und arbeiten auch intensiv daran, hier eine stete Verbesserung zu erreichen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare