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Rund 150 Rosen warten im Historischen Gärtchen auf Wasser.

Logistik ist schwierig

Rosengärtchen am Röderberghang wiederbelebt

Oliver Lang liebt die Natur. Deshalb haben er und einige Helfer das Historische Rosengärtchen am Röderberghang neu bepflanzt. Oliver Lang will aber auch Einfluss auf die Stadtpolitik nehmen. Und das gefällt dem Grünflächenamt gar nicht.

Mit aller Kraft drückt Oliver Lang gegen den Griff des langen Schieberschlüssels. Doch das Ventil, über das er seinen mobilen Hydranten an die Wasserversorgung anschließen will, bewegt sich keinen Millimeter. „Das war letzten Monat schon so, ich musste den Stördienst rufen“, sagt der 54-Jährige.

Dabei dauert es an sich schon lange genug, bis das Wasser vom Anschluss am Röderbergweg die Rosen im Historischen Rosengärtchen erreicht: Zweimal 50 Meter Schlauch muss Lang aus dem Kofferraum wuchten, ausrollen, über die Straße, die Treppe hinunter, ums Eck und dann in den Garten.

Alle drei bis vier Wochen brauchen die rund 150 Rosen, die Lang und einige Anwohner und Rosenfans auf 300 Quadratmetern städtischem Gelände gepflanzt haben, Wasser. Mit ausrollen, gießen und wieder einrollen dauert das etwa drei Stunden. Lang macht das nichts aus, er ist gerne in der Natur. „Sie bringt mich wieder auf den Boden zurück, und es ist schön, dass ich so einen Ausgleich haben kann.“

Nur wenn dann noch Unkraut jäten, Rosen schneiden und auf die Mainova warten dazu kommt, dauert ihm die Sache etwas zu lang. Zumal er sich die Zeit eigentlich sparen könnte: Über den Rosengarten sind mehrere Hydranten verteilt, aus denen er mit viel weniger Aufwand Wasser entnehmen könnte. Wenn sie denn ans Wassernetz angeschlossen wären. Doch die Ringwasserleitung ist seit Jahrzehnten stillgelegt.

Denn wie sein Name schon sagt, ziert das Historische Rosengärtchen den Röderberghang nicht erst seit der Initiative von Lang und seinen Mitstreitern: Anfang der 1930er Jahre wurde es im Rahmen des freiwilligen Arbeitsdiensts angelegt. „Nach der Wirtschaftskrise waren die Menschen dankbar, wenn sie Arbeit hatten.“

Mehrere Jahrzehnte blieb das Gärtchen bestehen – bis in die 1980er Jahre und damit in Langs Kindheit hinein. „Das war damals die Spaziermeile für Sonn- und Feiertage. Jeder hat sich gefreut, wie toll die Rosen aussehen.“ Doch irgendwann war bei der Stadt kein Geld mehr für Rosen da. Der Garten verwilderte, die Wasserleitung wurde stillgelegt.

Oliver Lang ärgert das. Weil sich die Politik immer weiter von den Bedürfnissen der Bürger entferne. Und die Bürger das einfach so hinnähmen. „Ich wollte zeigen, dass man sehr wohl etwas bewegen kann, wenn man sich engagiert. Man muss selbst ran, um der Politik Beine zu machen.“

2015 suchte sich Lang ein paar Mitstreiter vom R.V. Kleingärtner Frankfurt Rhein-Main, dessen Vorsitzender er ist, und lud die Anwohner ein, den Garten wieder herzurichten. Gemeinsam pflanzten sie bis heute rund 150 Rosen, von gelb bis rosa, von historisch bis modern, von kleinen Beetrosen bis zu ausladenden Büschen. Die Stadt hat das Projekt mittlerweile mit dem Nachbarschaftspreis ausgezeichnet.

Doch die Ringwasserleitung blieb tot. „Wir haben Haushaltskonsolidierung, da fang ich doch nicht an, so etwas zu reaktivieren“, sagt Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamts. Und hört sich dabei an, als ob Lang ihn schon ziemlich oft mit den stillgelegten Hydranten behelligt hätte. Doch einfach einen Hebel umzulegen würde in diesem Fall nicht reichen. „Wenn, müssten wir an die ganze Fläche ran, um die Ringleitung zu reparieren. Das wäre mit Planungsaufwand verbunden“, so Heldmann.

Nicht, dass er es nicht honorieren würde, wenn sich jemand um öffentliches Grün kümmere, betont Heldmann. „Aber wenn ich Rosen pflanze, dann weiß ich doch, dass sie regelmäßig gewässert werden müssen.“ Dass das Grünflächenamt dafür keine zusätzlichen Kapazitäten habe, das habe er von Anfang an klargemacht. Und das werde sich auch nicht so schnell ändern. „Wir haben eine lange Liste an Sanierungsmaßnahmen, und der Röderbergweg ist nicht dabei.“

Oliver Lang muss also auch weiterhin seine 100 Meter Schlauch ausrollen, über die Straße, die Treppe hinunter, ums Eck und dann in den Garten. Und möglicherweise wieder auf den Störungsdienst warten. Denn kaputt ist der Hydrant am Röderbergweg nach Angaben der Mainova nicht. „Es mag sein, dass er ein bisschen schwergängig ist“, sagt Pressesprecher Sven Birgmeier. „Aber er ist weder verklemmt noch defekt.“ Und wo kein Defekt ist, kann auch nichts repariert werden. Zumindest diese Sache sieht Lang aber gelassen: Wenn man das Ventil regelmäßiger öffne, bleibe es vermutlich geschmeidig. „Und wenn es weiter so trocken bleibt, muss ich sowieso alle eineinhalb Wochen gießen.“

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