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Die Gleise an der Haltestelle Stresemannallee/Gartenstraße werden erneuert. Viele Pendler stört das kaum: Der Ersatzverkehr ist gut organisiert.

Stresemannallee/Gartenstraße

Sachsenhausen: Ist das Frankfurts entspannteste Baustelle?

An der Friedensbrücke und der Haltestelle Stresemannallee werden die Straßenbahngleise erneuert. Das legt einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt lahm und bringt die Routinen vieler Pendler durcheinander. Die reagieren gelassen. Auch, weil die VGF den Schienenersatzverkehr gut organisiert hat.

Haltestelle Stresemannallee/Gartenstraße, früh morgens, mitten im Berufsverkehr: Auf dem Weg zur Arbeit tragen die Menschen Aktentaschen, Kaffeebecher und ihre Augenlider auf halb acht. Viele von ihnen müssen dieser Tage hier umsteigen. Die Arbeiter auf der Baustelle an der Friedensbrücke werkeln zwar, sind aber nicht sonderlich laut. Ganz so, als wollten sie Rücksicht auf die schläfrigen Gemüter der Pendler nehmen. An diesem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, an dem sich vier Straßenbahn- und drei Buslinien kreuzen, muss die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) 350 Meter neue Schienen legen. Noch bis zum 15. Oktober sind daher die Arbeitsweg-Routinen vieler Pendler durcheinander gewirbelt.

Aus der Straßenbahn der Linie 12 aus Niederrad steigt ein ganzer Pulk Pendler aus. Erst gehen zwei von ihnen zügiger, dann wechselt der ganze Trupp in den Laufschritt. Sie wollen noch den Bus erwischen, der sie auf die andere Main-Seite bringt. Weil die Brücke für Straßenbahnen gesperrt ist, gibt es einen Schienenersatzverkehr, und die Linie 12 fährt als Linie 16 weiter nach Offenbach. Der halbe Pulk schafft es noch über die Fußgängerampel und hastet in den Bus. Dann schaltet die Ampel auf rot. Die andere Hälfte muss warten und zusehen, wie der SEV-Bus vor ihrer Nase davon fährt. Deshalb verzieht hier aber keiner die Miene. Kein Fluchen, kein Zähneknirschen. Alle scheinen zu wissen, dass die Ersatzbusse minütlich kommen und abfahren. Die Ampel schaltet auf Grün und kurz nachdem wieder das rote Männchen aufleuchtet, steigen sie schon in den nächsten Bus.

„Eine so gut organisierte Baustelle habe ich noch nie erlebt“, sagt einer im Eintracht-Pullover, der am Hauptbahnhof aussteigen wird, um in einem der Hochhäuser sein Tagwerk zu verrichten. Klar sei es am ersten Tag sehr unübersichtlich gewesen. „Es waren aber viele VGF-Mitarbeiter da und haben uns gezeigt, wo was wohin fährt.“ Sein Arbeitsweg habe sich auch nicht wesentlich verlängert. „Vielleicht zwei Minuten mehr. Was soll’s?“

So sehen es auch andere. „Irgendwann müssen sie die Schienen ja neu machen“, sagt Steffen Manske. Der schlanke Mann mit der bunten Brille kommt aus Niederrad und arbeitet am Baseler Platz. Am ersten Tag hätte zwar eine Fußgängerampel den ganzen Tag auf Rot gestanden. „Das war aber keine große Sache.“ Irritiert gewesen sei Manske allenfalls, weil die Linie 12 manchmal auch in der Paul-Ehrlich-Straße hielt und er nicht gewusst habe, wo er nun aussteigen sollte. „Die meisten Straßenbahnen haben aber einfach an beiden Stellen gehalten“, sagt er. „Das war schon fair.“

So wenig Manske die Baustelle stört, so egal ist es ihm auch, dass er mit der Straßenbahn während der zwei Wochen, in denen hier gebaut wird, von Niederrad direkt nach Offenbach durchfahren kann, ohne umsteigen zu müssen. „Das nutze ich sowieso nicht.“

Schließlich stehen an diesem Morgen doch noch drei junge Frauen vollkommen ratlos an der Haltestelle. Sie kommen aus Stuttgart und wollen nach Bockenheim. Wo dieser Stadtteil sein soll, wissen sie nicht, sagt eine von ihnen. „Vom Hauptbahnhof fährt aber eine U-Bahn dorthin.“ Wie sie zum Hauptbahnhof gelangen, erfragen sie bei einer Frau, die gerade ruhigen Schrittes Richtung Schienenersatzverkehr läuft. Die zeigt mit ihrem Kaffeebecher auf den weißen Bus und sagt: „Kommt einfach mit.“

Drinnen stehen die drei Stuttgarterinnen nur wegen ihrer Reise-Euphorie im Gang, denn Platz ist genügend. Sicher auch, weil viele auf U- und S-Bahnen gewechselt haben. So hatte es die VGF empfohlen. Auch die Umleitungen für den Autoverkehr seien weiträumig angelegt, sagt Gert Stahnke, Leiter des Straßenverkehrsamtes.

Die Helferin lässt sich auf einen Sitzplatz fallen, setzt Kopfhörer auf und versinkt in Musik und Schläfrigkeit. Ein paar Minuten hat sie noch, bis für sie der Arbeitsstress beginnt. Die Baustelle an der Friedensbrücke und der Schienenersatzverkehr haben ihr diese Zeit nicht genommen.

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