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Ein Elefant des Zirkusses Charles Knie streckt dem Fotografen seinen Rüssel entgegen. Foto: dpa

Elefanten, Tiger, Löwen

Das sagen die Parteien zu einem Wildtier-Verbot in Frankfurt

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Mit dem Gastspiel des Zirkus Charles Knie in Frankfurt ist die Diskussion um ein Auftrittsverbot für Wildtiere in der Stadt neu entfacht. Viele Kommunen haben ein solches Verbot erlassen, Frankfurt nicht. Wie stehen die Stadtverordneten zu der Frage ? und was sagt der Zirkus?

Seit Mittwoch gastiert der Zirkus Charles Knie in – und mit ihm einige Wildtiere, darunter sechs Tiger, sieben Löwen und ein Leopard. Das sorgt für Diskussionen. Denn die Haltung und Dressur von Wildtieren im Zirkus ist umstritten. „Reinste Tierquälerei!“, schreibt eine Leserin auf Facebook. „Frankfurt sollte sich schämen, dies zuzulassen!“, kommentiert eine zweite.

Der Zirkus weist diese Kritik zurück. „Von Tierquälerei kann keine Rede sein“, sagt Tournee-Leiter Dieter Seeger. „Wir wenden keine Gewalt an. Die Dressur funktioniert, genau wie in Hundeschulen, über positive Verstärkung. Unsere Tiere sind auch keinem außergewöhnlichen Stress ausgesetzt – wir achten darauf, dass sie genug Ruhezeit haben.“ Wer sich davon ein Bild machen wolle, dürfe gerne zu den öffentlichen Trainings kommen – „das sollte viele Vorwürfe entkräften.“

Die Frage nach einem Wildtierverbot in Zirkussen wird seit Längerem bundesweit diskutiert. Eine einheitliche Gesetzgebung gibt es zurzeit nicht. Aber viele Kommunen haben mittlerweile . In Hessen gelten solche Verbote unter anderem in Hanau, in Marburg und im Wetteraukreis. Die Stadt Hofheim im Taunus schließt mit Zirkussen einen „Gestattungsvertrag“, der bestimmt, dass Großtiere wie Elefanten, Flusspferde, Bären oder Menschenaffen gar nicht erst einfahren dürfen. Das erklärt Pressesprecherin Iris Bernardelli auf Nachfrage.

In Frankfurt dagegen sind Wildtier-Auftritte auf städtischen Flächen weiterhin erlaubt. Die regierende Koalition von

SPD

,

CDU

und

Grüne

n hat die Frage eines Verbots ausgeklammert und drängt zunächst auf eine konsequente Umsetzung des Tierschutzgesetzes. Aber welche Positionen vertreten die einzelnen Fraktionen? Wir haben nachgefragt.

„Wir sehen die Haltung und Unterbringung von Wildtieren grundsätzlich als besonders anspruchsvoll an“, sagt

CDU

-Fraktionssprecher Joachim Rotberg. „Deswegen ist es unserer Auffassung nach der richtige Weg, Zirkusbetriebe zu überzeugen, aus Gründen des Artenschutzes auf Elefanten, Bären, Raubkatzen, Nilpferde oder Menschenaffen in der Manege gänzlich zu verzichten.“ Die

CDU

-Fraktion setze auf eine bundesweite gesetzliche Neuregelung. „Solange gehen wir davon aus, dass die örtlichen Vollzugsbehörden sicherstellen, dass Zirkusbetriebe mit besonderer Sorgfalt auf Einhaltung der tierschutzrechtlichen Vorschriften kontrolliert werden.“

„Wir fordern eine konsequente Einhaltung des Tierschutzgesetzes in Frankfurt“, sagt Holger Tschierschke, stellvertretender Geschäftsführer der

SPD

-Fraktion. „Das gilt natürlich besonders für die speziellen Anforderungen bei der Haltung von Wildtieren.“ Die Entscheidung über ein Verbot müsse aber einheitlich gelten und darum im Bund getroffen werden.

„Wir

Grüne

n sind für ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen“, sagt

Grüne

n-Fraktionsgeschäftsführer Manuel Stock. Als Teil der Frankfurter Regierungskoalition drängen die

Grüne

n aber zunächst auf eine Durchsetzung des bestehenden Tierschutzgesetzes. Ein lokales Verbot durchzusetzen sei zurzeit schwierig, weil „die drei Koalitionspartner unterschiedliche Standpunkte“ dazu haben.

„Grundsätzlich sehen wir Zirkusauftritte von Wildtieren kritisch“, sagt der

AfD

-Fraktionsvorsitzende Rainer Rahn. „Hier ist jedoch zu differenzieren nach Tierarten und der Frage, ob diese in einem Zirkus artgerecht gehalten werden können.“ Besonders die Haltung von Großtieren wie Elefanten und Giraffen sehe die Fraktion problematisch.

Die

Linke

n-Fraktion fordert seit längerer Zeit ein Auftrittsverbot für Wildtiere in Frankfurt.

„Ein generelles Auftrittsverbot für Zirkusse mit Wildtieren würde die Frankfurter

FDP

derzeit nicht unterstützen“, sagt die Vorsitzende der

FDP

-Fraktion Annette Rinn. „Die allermeisten Zirkustiere wurden nämlich nicht wild, sondern in die Zirkuswelt hinein geboren. Viele dieser Tiere haben eine enge Beziehung zu ihren Trainern und werden körperlich und geistig gefordert, ohne überfordert zu werden. Allerdings sind wir der Meinung, dass Zirkusse bezüglich der Haltung der Tiere von den zuständigen Stellen regelmäßig und gründlich überprüft werden müssen.“

„Ein generelles Auftrittsverbot lehnt die BFF im Römer ab“, sagt Matthias Mund, Fraktionsvorsitzender der BFF. „Befürwortet wird hingegen eine Einzelfallprüfung durch die verantwortlichen Behörden, insbesondere im Hinblick auf die Einhaltung der Vorschriften des Tierschutzgesetzes sowie der jeweiligen Gefährdungslage, die von den Wildtieren für die Allgemeinheit, aber auch für das Publikum ausgehen könnte.“

„Ich war wiederholt in Afrika und habe auch Tiere vor Ort gesehen“, sagt Bernhard Ochs, Fraktionsvorsitzender der Frankfurter-Fraktion. „Ich habe aber nie gesehen, dass irgendwo in Namibia oder in Südwestafrika sich Löwen selbst einen Reifen angezündet haben und durchgesprungen wären. Ich habe auch nie einen Elefanten gesehen, der freiwillig auf ein Podest gestiegen ist und uns Touristen zugewunken hat.“

„Wir sind gegen Wildtiere im Zirkus und fordern ein Verbot auf städtischen Flächen wie in jedem Jahr“, erklärt Nico Wehnemann, Fraktionsvorsitzender der Fraktion die Fraktion. „Frankfurt könnte bei diesem Thema wieder einmal Vorreiter sein. Schließlich gibt es ein Wildtierverbot erst in 90 Städten bundesweit. Tiere gehören auf den Teller – nicht in die Manege. Und zur Not gibt es Tiere ja auch im Zoo zu sehen.“

Der Zirkus Charles Knie lädt für Samstag, 14. Juli, zu auf seinem Gelände am Eisstadion ein.

 

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