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Zahlreiche Menschen schlendern in Sachsenhausen durch die Brücken- und Wallstraße und feiern bis in die Nacht auf Frankfurts hippstem Straßenfest.

Viertel feiert seine Vielfalt

Am Samstag steigt das Brückenwall-Fest in Sachsenhausen

Das Kreativviertel putzt sich wieder raus. Das legendäre Straßenfest zwischen Wall- und Brückenstraße lockt am Samstag Besucher aus ganz Frankfurt zum Bummeln, Stöbern und Staunen.

Der lebensgroße aufgeklebte Mann auf dem Schaufenster in der Brückenstraße 36 ist kein Polizist, sondern Fetischist. Das muss dem zehnjährigen Leon erst mal erklärt werden, der die dunkle Ledermütze und die dunkle uniform-ähnliche Bekleidung verwechselt. Solche Missverständnisse ist Klaus Weber (52) bereits gewöhnt und lacht. „Auch Erwachsene klären wir darüber auf, was ein Fetisch ist und was man dafür braucht.“

Weber ist seit November 2017 mit seinem Laden „Raw Frankfurt“ im Brückenviertel ansässig und verkauft Lack, Leder und Neopren für Männer. „Wir sind total hetero-freundlich und kein Sexshop“, meint der gebürtige Hannoveraner, der seit zwei Jahren in Frankfurt lebt. Dann zeigt er schwere Lederhosen und Jacken, die „richtig teuer“ sind. Das Brückenviertel findet Weber ideal. „Hier ist alles voll mit kleinen inhabergeführten Läden. Vom Comicladen über Schallplatten bis hin zu Designerklamotten, Bars und Restaurants. Für jeden ist was dabei.“

Beim Brückenwall-Straßenfest öffnen am Samstag von 11 Uhr bis 23 Uhr zum 12. Mal mehr als 50 Geschäfte, Shops, Läden und Marktstände ihre Türen für Anwohner und Neugierige. Auch der kultige Markt im Hof. „Ich bin seit Anfang an beim Markt im Hof dabei und liebe das Brückenwallstraßenfest“, verrät die Sachsenhäuserin Nadja El-Hagge (53), die selbst genähte Kleider, Taschen, Accessoires und Wundertüten mit ihrem Label „einfachgestrickt“ in der Halle verkauft. „So wie die vielen faszinierenden Designer, die in der Brücken- und Wallstraße zu Hause sind, kommen wir dieses Jahr zu siebt mit unseren Design-Ständen.“ Die internationalen Streetfood- und Getränkestände von asiatisch über amerikanisch bis französisch im Markt im Hof gehören ebenso dazu wie die Bio-Eisdiele Bizziice, die Weinstube unter neuer Führung, die Edel-Restaurants Coq au Vin und Lobster oder Whiskey Spirits. In der Brückenstraße gibt es Spielen für Kinder und Eltern können Shoppen und Genießen. Beim Friseur, in der Schneiderei, bei Vintage oder Krimis, zwischen Kuscheldecken und Petticoats, bei Ebbelwei, Bier oder Cocktail.

In seiner Werkstatt steht Hedayutallah Mohammadi (27). „Alle nennen mich Hedy“, sagt der Schuhmachermeister mit gezwirbeltem Oberlippenbart lachend. „Wie mein Laden.“ Er schneidet Ledersohlen oder nimmt Maß an Frauen- und Männerfüßen. „Schon als Kind habe ich davon geträumt, Schuhe zu machen“, erzählt der gebürtige Afghane, der vor neun Jahren nach Frankfurt kam, seinen Schulabschluss, die Lehre und 2017 seinen Meister gemacht hat.

„Danach habe ich mich in der Wallstraße selbständig gemacht. Ich liebe das Brückenviertel. Es ist lebendig. Die Leute sind friedlich und freundlich und die Nachbarschaft ist toll. Hier unterstützt jeder jeden.“ Das kleine Geschäft, in dem er auch ausbildet, ist voller Regale mit klassischen Schuhen, Gürteln und Schuhputzkästen. An der Wand hängen ein Pferdekummet und eine Gitarre. „Erinnerungen“, sagt Hedy. Seine Kunden bevorzugen klassische Modelle. „Frauen wünschen sich meist Halbschuhe oder Stiefel. Maßgefertigt oder aus der Maßkonfektion.“ Füße sind so unterschiedlich. Hinter den Regalen mit feinen Herrenschuhen ist seine Werkstatt, in der er Rahmen schneidet und Leder näht. Man kann ihm dabei zusehen, wie er Nägel schlägt, Absätze penibel repariert. Zum Brückenwallfest bietet er auch Getränke an. „Ich freue mich auf das Fest und darauf, dass bestimmt wieder viele Besucher aus ganz Frankfurt kommen. Hier im Viertel kann man so viel Handwerk erleben. Ob Schneider oder Designer. Davon müsste es noch viel mehr in Frankfurt geben.

Echtes Handwerk

ist durch Maschinen nicht zu ersetzen.“

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