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Im Zickzack durch die Fugen: Moderne Technik in alten Gebäuden bringt häufig besondere Probleme mit sich. In Sankt Leonhard sind es derer zu viele.

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Sankt Leonhard: Eröffnung verschiebt sich erneut

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Der Ortsausschuss Sankt Leonhardskirche befürchtet, dass das Gotteshaus nach neuen Verzögerungen auch zu seinem Gründungsjubiläum im August 2019 nicht eröffnen kann. Diesen Termin will Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) zwar einhalten, doch die nördliche Vorhalle wird der Öffentlichkeit erst später zugänglich sein.

Spätestens durch die Gottesdienstplanung für die Restaurierung der Liebfrauenkirche wurde öffentlich, dass die geplante Eröffnung für die Sankt Leonhardskirche in diesem Herbst einmal mehr nicht zu halten ist. Als Grund wurden Schäden bei den Anstricharbeiten und der Konkurs der zuständigen Malerfirma genannt. Trotzdem: „Zur 800-Jahrfeier wird aus heutiger Sicht die Sankt Leonhardskirche in neuem Glanz erstrahlen“, verspricht Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) auf Anfrage dieser Zeitung.

Doch im Ortsausschuss Sankt Leonhard schwindet der Glaube an solche Zusagen, nachdem der Eröffnungstermin nach der ursprünglich geplanten zwei- bis dreijährigen Innenrestaurierung bereits mehrfach verschoben wurde. „Wir können Ihnen versichern, dass es keinem unserer Gemeindemitglieder mehr verständlich zu machen ist, dass es der Stadt nicht gelingt, die Restaurierung der Leonhardskirche zum Ende zu bringen“, schreibt Ausschussmitglied Günter Veith in einem Brief an Dezernent Uwe Becker. Er verweist auf eine Information von Stadtdekan Johannes zu Eltz, wonach nicht nur der September und Dezember 2018 als Eröffnungstermine gestrichen wurden, sondern sogar das Jubiläum im August 2019 inzwischen fraglich ist.

Dem widerspricht jedoch der Kirchendezernent, betont, dass sogar an einem Sanierungskonzept für die Hauptorgel gearbeitet werde, damit sie zum Jubiläum im August 2019 wieder spielbar sei. „Es werden derzeit alle Anstrengungen unternommen, um die Sanierungsarbeiten in der ältesten Frankfurter Kirche voranzutreiben“, so Becker. Nur die nördliche Vorhalle der Kirche müsse noch statisch ertüchtigt werden. Daher könne dieser Teil der Kirche bei der Eröffnung im kommenden Jahr noch nicht öffentlich genutzt werden.

„Leider haben unterschiedliche Überraschungen die Arbeiten in der Leonhardskirche verlängert“, räumt Becker ein. Grund seien vor allem Probleme mit der Statik. Die Gründe für den mangelhaften Anstrich seien dagegen gefunden: Demnach kam es an den Wandflächen zu gelben Verfärbungen, bei denen es sich um verseifte Öle handelt, die durch den neuen Kalkanstrich gelöst wurden. Die Nachfolgefirma des insolventen Malerbetriebes habe die Flächen neu bearbeitet, damit das Gerüst im Chor entfernt werden kann.

Uwe Becker erklärt weiter, für die Ertüchtigung der Nordhalle liege inzwischen ein Gesamtkonzept vor, das zur statischen Absicherung dieses Bauteils noch mit den Denkmalbehörden abgestimmt werden müsse. Erst danach könne auch das Stadtplanungsamt federführend die Gestaltung des Kirchenvorplatzes betreuen.

Doch Veith ist davon nur schwer zu überzeugen: „Es ist nicht zu verstehen, dass die Statik über so viele Jahre immer wieder neue Probleme produziert, Probleme, die bis jetzt nicht gelöst wurden“, schreibt er in seinem Brief. Es sei unbegreiflich, wie es der Stadt im gleichen Zeitraum gelinge, 35 neue Altstadthäuser fertigzustellen, während das Kleinod der Leonhardskirche auf der Strecke bleibe.

„Acht Jahre lang haben wir geduldig alle Probleme der Restaurierung ertragen“, betont Veith. Dazu gehörten Grabungen und Graböffnungen durch das Denkmalamt und daraus resultierender Schimmel an den Wänden. Hinzu kämen Zahlungsschwierigkeiten mit Handwerkerfirmen, das Ausscheiden von Architekten.

„Wir haben den Mund gehalten und waren dankbar für das Asyl des Evangelischen Regionalverbands für unsere Gottesdienste in der Heiliggeistkirche.“ Doch nun wolle man einfach nicht länger schweigen und zusehen. Deshalb sei dem Ortsausschuss von Sankt Leonhard – etwas volkstümlich ausgedrückt – „jetzt endgültig der Kragen geplatzt“.

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