+
Torsten Schiller, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße, missfällt die Gestaltung des Schweizer Platzes.

Turbulente Meile

Auf der Schweizer Straße gibt es fast keine Laden-Leerstände

  • schließen

Die Schweizer Straße lebt. Auch an der Kreuzung mit der Textorstraße tut sich etwas, in zwei von drei leerstehenden Lokalen tut sich etwas. Es bleibt der „Schandfleck“ der ehemaligen Holbein-Apotheke.

„Das ist wirklich ein Schandfleck“, ärgert sich Torsten Schiller, Rechtsanwalt und Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße, über die leerstehende Apotheke. „Seit Jahren steht das leer. Der Hauseigentümer scheint kein Interesse an einer Vermietung zu haben.“ Blind schauen die beiden weißen Schaufenster auf die Schweizer. Gegenüber, wo vormals ein Mexikaner war, öffnet demnächst eine Filiale des Offenbacher Unternehmens „Fleischeslust“, ein Steakhaus. Damit ist immerhin ein Leerstand beseitigt.

„Jeder Gastronom geht ein gewisses Risiko ein“, sagt der „Fleischeslust“-Geschäftsführer Karmel Boughriba. „Jeder gute Gastronom kann das Risiko einschätzen. Es gilt immer: Hopp oder Topp.“ Er freut sich jedenfalls auf Sachsenhausen. „Die Schweizer Straße ist sehr renommiert.“ Wann sein Restaurant öffnet? Das ist noch völlig unklar. Alles ist fertig, es fehlt nur am Strom. „Wir könnten schon seit drei Monaten offen haben“, sagt Boughriba. „Es liegt nur am Hausanschluss.“ Sein Restaurant benötigt mehr Strom. Der Hausanschluss gebe das jedoch nicht her. „Seit drei Monaten wartet jetzt unser Hausbesitzer auf einen Termin mit dem Stromlieferanten. Wir können nicht öffnen.“ Miete und Personalkosten laufen jedoch bereits. Die Mainova AG konnte gestern dazu nichts sagen.

Positiv ist auch die Entwicklung einige Meter weiter: Zwei Gastronomen aus Vietnam stehen miteinander in Konkurrenz, zwischen sich nur ein leerstehendes Gasthaus. In dieses Restaurant „Wega“ wird bald einer der beiden vietnamesischen Gastronomen umziehen. „Die Imbissbude war zu klein, im Sommer standen immerhin Tische draußen“, berichten Gäste.

Für Michael Müller, der an der Kreuzung ein Friseurgeschäft betreibt, hat die Schweizer Straße nach wie vor ein tolles Renommee. „Es liegt daran, dass hier noch sehr viele inhabergeführte Geschäfte sind, die die Straße unverwechselbar machen“, sagt Müller. In den vergangenen Jahren hat er – auch im Zuge der Bebauungsverdichtung – erlebt, dass sich das Publikum geändert hat. „Es sind viele junge, wohlhabende Berufstätige, die in Sachsenhausen wohnen. Das ist nicht schlecht.“

Dass es eine große Vielfalt an Geschäften gibt, freut auch Schiller. „Es gibt viele Bäckereien, Metzger, Feinkost, Wäsche, einen handwerklichen Schumacher, zwei Reinigungen, viele neue Restaurants“, zählt der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße auf. „Es ist nach wie vor eine sehr attraktive Straße.“ 50 bis 60 Einzelhändler und Gastronomen, schätzt er, sind in der Straße. „Immer verändert sich etwas, einer geht, der andere kommt“, so Schiller.

Manche Geschäfte sind gefühlt schon eine Ewigkeit ansässig, etwa das Geschäft „Käse Becker“ in der Schweizer Straße 66. Die Inhaberin Karin Becker ist „immer noch froh, hier zu sein“. Auch wenn das Geschäft nicht einfach ist: „Das Internet macht vieles kaputt. Da wird geklickt und geliefert.“ Sie sehe es auch an der Schweizer: Ein Geschäft schließe, ein neuer Mieter halte ein Jahr durch und schließe dann wieder. Aber das sei fast überall so. „Was hier besonders ist: Es gibt viel zu wenige Parkplätze. Kurzzeitparken, eine Stunde höchstens – das wäre optimal für uns.“

Auch Michael Müller und Torsten Schiller sehen das Problem. Müller: „Hier fehlt ein Parkhaus. Das in der Hedderichstraße ist zu wenig bekannt, das in der Walter-Kolb-Straße ist zu weit weg.“ Man müsse mehr für die Sicherheit der Radfahrer tun, doch es wäre „tödlich“, Autos ganz auszusperren. Schiller wünscht eine Verkehrsberuhigung: „Die Situation muss besser werden, besonders am Schweizer Platz. Der ist so schön – und doch so hässlich.“ Unfallträchtig ist der Platz jedoch, weil die Ampel-Anordnung unübersichtlich ist. Manche Autofahrer übersehen so- gar die Straßenbahn, wenn sie bei Grün losfahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare