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Thomas Reiter, der mehrmals im Weltall war, begutachtet im Filmmuseum eine Nachbildung des Raumanzuges aus dem Film ?2001 ? Odyssee im Weltraum?.

Stadtgeflüster

Vom Science-Fiction-Fan zum Weltraumfahrer

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Er war mehr als 350 Tage im All. Verbrachte somit mehr Zeit als jeder andere Europäer dort. Und er war der erste Deutsche, der im Weltraum ausstieg.

Er war mehr als 350 Tage im All. Verbrachte somit mehr Zeit als jeder andere Europäer dort. Und er war der erste Deutsche, der im Weltraum ausstieg. Zudem verbrachte er sechs Monate auf der internationalen Raumstation ISS. Heute ist er als Berater für die Europäische Weltraumorganisation ESA tätig, gibt deren Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner Tipps. Nun ist Thomas Reiter im Filmmuseum und nimmt die Ausstellung zum Film „2001 – Odyssee im Weltraum“ unter die Lupe.

An einem roten Raumanzug bleibt er stehen. Ein Hinweis bittet Besucher zwar, dieses Ausstellungsstück nicht zu berühren, doch Reiter kann nicht anders. Mit seiner rechten Hand fährt er über das Exponat. Geht nah ran und schaut es sich ganz genau an. Er fühlt sich wohl an seine Raumspaziergänge erinnert. „Und das ist so ein Originalanzug aus dem Film?“, fragt er in die Runde. Und wer genau hinhört, kann eine gewisse Portion Ehrfurcht aus der Frage heraushören. Doch nein: Es handelt sich nicht um ein Original, sondern um einen Nachbau eines Fans. Allerdings detailgetreu. Die Ausstellung bietet aber auch einen Originalanzug. Der ist aber hinter Glas, in einer Vitrine.

Unzählige Male hat Reiter das Meisterwerk von Kultregisseur Stanley Kubrick schon gesehen. „Ich habe nicht gezählt, wie oft“, sagt Reiter. Und trotzdem oder gerade deshalb „ist er für mich bis heute noch der beste Science-Fiction-Film“, findet der Weltraum-Fachmann. „Er lässt sehr viel Raum für Fantasie. Und er geht auf die Frage ein, warum Menschen sich auf den Weg in den Weltraum machen“, versucht der Vater zweier Söhne Gründe für die Faszination zu finden, die für ihn von diesem Streifen ausgehen.

„2001 – Odyssee im Weltraum“ feiert in diesem Jahr übrigens 50. Geburtstag. „Gerade auch, was die Kombination mit der Musik angeht, das ist so genial. ,Also sprach Zarathustra’ oder der Anflug auf die Raumstation mit ,An der schönen blauen Donau’.“ In vielen anderen Filmen gebe es einen genauen Geschichtsablauf. Bei so manchen auch ein wenig märchenartig, „wenn ich etwa so an ,Krieg der Sterne’ denke“, führt Reiter aus, der in der Hugenottenstadt Neu-Isenburg unweit von Frankfurt aufwuchs. „Aber hier bei Kubrick spielt auch eine Rolle, wozu der Film den Zuschauer hinlenkt“, analysiert Reiter. Der Science-Fiction-Klassiker wirke enorm nach. „Das ist das, was aus meiner Sicht diesen Film von vielen anderen dieser Art unterscheidet.“

Während er das sagt, schallt aus den Boxen „Also sprach Zarathustra“. Da spricht ein Kenner. Reiter outet sich als großer Science-Fiction-Fan. „Ich versuche natürlich, die Beziehung zu dem, was im Film gezeigt wird, und was wirklich und möglich ist, herzustellen“, erklärt er. „Deshalb gehen auch meine Nachbarn gern mit mir in Science-Fiction-Filme, weil ich dann der technische Berater bin“, sagt er. War „2001 – Odyssee im Weltraum“ ein Grund für Reiters Entschluss, selbst Astronaut zu werden? „Nein, das kann man so nicht sagen“, betont Reiter, der gerade 60 Jahre alt geworden ist. „1968, ein Jahr vor der Mondlandung also, waren sowieso alle auf Raumfahrt fokussiert.“ So auch der kleine Thomas, der damals alles verschlang, was da so passierte mit den Missionen ins Weltall. „Ich war zehn Jahre alt, als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe.“ Gemeinhin hätten die Menschen damals gedacht, dass das die mittelfristige Zukunft sein würde. „Aber es ist alles ganz anders gekommen.“

Doch eins ist für Reiter klar: „Ich bin allein aus statistischen Gründen davon überzeugt, dass es außerirdische Lebensformen gibt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass in wir in dieser Unendlichkeit tatsächlich die Einzigen sind. Aber der Beweis steht noch aus.“

An sein erstes Mal mit „2001“ kann sich Thomas Reiter noch sehr gut erinnern. „Es war hier in Frankfurt im Theater Royal. Mein Vater hatte mich mitgenommen.“ Das vorerste letzte Mal sah er den Kultfilm im Februar an. Und er wird ihn wieder sehen.

(es)

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