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Millionenschaden aufgedeckt

Sechs Festnahmen nach Großrazzia in Frickhofen

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Der Westerwald stand gestern im Zentrum einer Großrazzia, an der rund 600 Einsatzkräfte beteiligt waren. Sie deckten Schaden in Millionenhöhe auf und nahmen sechs Männer fest, die Hauptbeschuldigten nach Informationen dieser Zeitung in Frickhofen. Es geht um organisierte Schwarzarbeit: konkret um Betrug und das Hinterziehen von Steuern und Sozialabgaben.

Seit Anfang 2017 laufen die Ermittlungen gegen 44 Beschuldigte, gestern Morgen holten die Staatsanwaltschaft Koblenz und das Hauptzollamt Koblenz zum großen Schlag aus. In Frickhofen, Hadamar, Elz, Mengerskirchen und Runkel sowie in weiteren Orten in Rheinland-Pfalz und Hessen durchsuchten sie mit Unterstützung der Steuerfahndung und der Polizei 90 Wohnungen und Geschäftsräume.

Der Anlass ist ein Ermittlungsverfahren gegen 39 Männer und fünf Frauen im Alter von 22 bis 63 Jahren wegen des Verdachts des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt, des Betrugs sowie der Steuerhinterziehung beziehungsweise der Beihilfe hierzu. „Nach den bisherigen Ergebnissen besteht der Verdacht eines noch nicht genau bestimmbaren Gesamtschadens an Steuern und Sozialabgaben von mehreren Millionen Euro“, sagte gestern Nachmittag der Leitende Koblenzer Oberstaatsanwalt Harald Kruse.

Sechs Beschuldigte wurden festgenommen und gegen sie noch gestern Haftbefehle des Amtsgerichts Koblenz vollstreckt. Die sechs Personen, die nach Informationen dieser Zeitung aus Dornburg, Rennerod und Limburg stammen, sitzen in Untersuchungshaft.

Die beiden Haupttäter kommen dem Vernehmen nach aus Frickhofen: Ein 38 Jahre alter Türke und dessen Bruder, ein 34 Jahre alter deutscher Staatsangehöriger. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, mittels Nutzung sogenannter Servicefirmen und Abdeckrechnungen Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und Beiträge zur SOKA-BAU (Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft, Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes AG) in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro hinterzogen zu haben. Die Brüder sollen dazu mehrere Scheinfirmen (Servicefirmen) genutzt haben, die Rechnungen für nie geleistete Arbeiten ausgestellt haben. Sie sollen diese Rechnungen bezahlt und die Rechnungsbeträge sodann abzüglich einer Provision in bar zurückerhalten haben. Hierdurch sollen die Haupttäter in ihren Firmen „Schwarzgeld“ erzeugt haben, mit dem dann nicht zur Steuer und Sozialversicherung angemeldete Schwarzarbeiter bezahlt worden sein sollen.

Die sechs weiteren Beschuldigten, vier türkischen, einem griechischen und einem deutschen Staatsangehörigen, sind die faktischen Geschäftsführer dieser Schein- beziehungsweise Servicefirmen. Gegen sie besteht der Verdacht, als Betreiber mehrerer Servicefirmen die Abdeckrechnungen erstellt zu haben. Bei den anderen Beschuldigten handelt es sich um weitere Abnehmer der Scheinrechnungen.

Der Einsatz begann gestern in den frühen Morgenstunden und dauerte bis in den Nachmittag an. Die Großrazzia lief unter Federführung des Hauptzollamts Koblenz in Zusammenarbeit mit der Steuerfahndung Koblenz, der Landes- und der Bundespolizei. Die Limburger Polizei war mit einer Streife beteiligt. Sie nahm als „Nebenprodukt“ zwei Albaner, die sich illegal in Deutschland aufhalten sollen, in Gewahrsam.

„Es konnten umfangreiche Beweismittel sichergestellt werden. Die Auswertung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagte Oberstaatsanwalt Harald Kruse. Nach seinen Angaben wurden außerdem „vorläufige vermögensabschöpfende Maßnahmen“ ergriffen, für die auch zwei

Bargeldspürhunde

der Landespolizei Rheinland-Pfalz eingesetzt wurden.

Das große Aufgebot an Uniformierten und Fahrzeugen von Zoll und Polizei sorgte vor allem in Frickhofen für Aufsehen. Die Beamten standen an mehreren Stellen. Passanten beobachteten, dass in einem Haus die Eingangstür eingerammt wurde. Und als ein Gefangenentransportwagen vorfuhr war klar, dass hier eine besondere Aktion gelaufen ist.

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