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Die Gartenbesitzer - hier Yvonne Reitz (links), Karl Reitz und Julia Lanzendörfer im Sommer 2017 mit den Pferden Marissa (links) und Susi - wollen ihre Flächen auch künftig nutzen können.

FFH-Gebiet

Seckbacher Ried: Gärten sollen kein EU-Naturschutzgebiet mehr sein

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Naturschutzbehörde und Grundeigentümer streiten über die Nutzung von Gärten am Seckbacher Ried. Um zu schlichten, schlägt der Ortsbeirat Bergen-Enkheim vor, die betroffen Gärten aus dem Schutzgebiet herauszulösen.

Sossenheim, Sindlingen, Fechenheim, Bergen-Enkheim: Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Gartenbesitzern und der Unteren Naturschutzbehörde, wenn es um die Nutzung von Parzellen in Natur- und Landschaftsschutzgebieten geht. Während die Behörde sagt, sie setze nur geltendes Recht durch, und zum Entfernen von Hütten, Unterständen oder Zäunen auffordert, berufen sich die Eigentümer auf frühere Rechte und fühlen sich quasi enteignet. Zurzeit versucht der Ortsbeirat Bergen-Enkheim, zwischen Unterer Naturschutzbehörde und Gartenbesitzern zu vermitteln, deren Gelände im FFH-Schutzgebiet am Seckbacher Ried liegen.

Als Lösung schlagen die Stadtteilpolitiker nun vor, die Gärten aus dem FFH-Gebiet – FFH steht für „Fauna-Flora-Habitat“ – wieder heraus zu nehmen. Das ist alles andere als einfach, wurde es doch auf Vorschlag der Unteren- und Oberen Naturschutzbehörde von der Europäischen Union eingerichtet.

Seit über einem Jahr schwelt der Konflikt, im März fand ein zweites Treffen der Gartenbesitzer und des Ortsbeirats mit der Unteren Naturschutzbehörde statt. „Die schon über Jahrzehnte, mehr als 70 Jahre, gewachsene Struktur der Wiesen und Gärten Am Weimerhaus/Voltenseestraße und die damit verbundene Lebensqualität der Pächter der Gärten und der Bürger in Bergen-Enkheim ist zu erhalten“, begründet der Ortsbeirat den von der CDU eingebrachten und allen Fraktionen außer den Grünen beschlossenen Antrag. Diese Struktur werde aber zurzeit „durch die Bestimmung dieses Gebietes als FFH-Gebiet und die daraus resultierenden Maßnahmen der Unteren Naturschutzbehörde gegenüber einzelnen Eigentümern gefährdet, wenn nicht gar zerstört“.

Die Stadtverwaltung bittet der Ortsbeirat daher, bei der Oberen Naturschutzbehörde zu verlangen und durchzusetzen, dass das Gebiet als FFH-Gebiet aufgehoben und die entsprechende Meldung an die Europäischen Union widerrufen oder zurückgenommen wird.

Doch eine solche Entwidmung sei allerdings nicht so einfach, erklärt das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) auf Nachfrage unserer Zeitung. Dort kümmert sich die Obere Naturschutzbehörde unter anderem um die Schutzgebiete. Die Untere Naturschutzbehörde in Frankfurt ist zwar ins Umweltamt eingegliedert, untersteht aber der Oberen Naturschutzbehörde.

Alle gemeldeten FFH-Gebiete seien „in einem aufwendigen Bewertungsverfahren der EU daraufhin geprüft worden, ob sie den fachlichen Meldekriterien entsprechen“, sagt RP-Sprecher Dieter Ohl.

Eine Aufhebung von FFH-Gebieten sei daher nur in Folge einer „natürlichen“ Entwicklung möglich, sagt Ohl. Etwa wenn durch eine Naturkatastrophe alle Schutzgründe und das Entwicklungspotenzial der Flächen entfallen würden. Oder anders ausgedrückt: So lange in dem Gebiet schützenswerte Tiere und Pflanzen leben, also sein ökologische Wert die Ausweisung als FFH-Gebiet rechtfertigt, kann diese Ausweisung nicht rückgängig gemacht werden.

Auch würde es den Gartenbesitzern nicht helfen, ihre Parzellen aus dem Schutzgebiet herauszulösen, sagt Martin Müller, Sprecher des Frankfurter Umweltamts. „Das Ansinnen des Ortsbeirats ist ja, dass die Gärten so bleiben dürfen wie sie sind. Sie sind aber auch Teil des Grüngürtels und liegen als solche im Landschaftsschutz.“ Auch dort seien weder bauliche Anlagen noch Zäune erlaubt.

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