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Team of little winners showing golden award after successful game in football championship

Datenschutzverordnung

Sieht so das Siegerfoto der Zukunft aus?

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Am 25. Mai tritt die EU-Datenschutz-Grundverordnung in Kraft, drei Tage später, am 28. Mai, die Neufassung des Bundesdatenschutzgesetzes. Auf die Ehrenamtlichen in den Vereinen kommt jetzt noch mehr administrative Arbeit zu. Und längst nicht alle Vereine sind dafür gerüstet.

Die erste Amtshandlung der gerade erst gewählten Vorsitzende Kirsten Schmidt kam einigen Mitgliedern vom Ski Club Reifenberg sehr penibel vor. Sie ließ schon mal alle Anwesenden eine Einwilligung zum Thema Datenschutz unterschreiben. Personenbezogene Daten oder Fotos sollen auf der Homepage veröffentlicht oder bei Wettbewerben an Sportverbände weitergegeben werden dürfen. Außerdem wird der Verein einen entsprechender Paragrafen zum Datenschutz in der Satzung verankern. Doch das Vorgehen von Kirsten Schmidt war alles andere als penibel, sondern dringend notwendig.

Grund dafür ist die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die am 25. Mai in Kraft tritt. Am 28. Mai folgt die Neufassung des Bundesdatenschutzgesetzes. Nicht gerade begeistert ist Peter Bamberger vom Vereinsring-Vorstand Reifenberg und Vorsitzender des Jugendfußballclubs Eintracht Feldberg Schmitten. „Da verliert man die Lust an der Vereinsarbeit“, meint er und erläutert, warum: „Unser Ziel ist es, den Jugendlichen Spaß am Sport zu vermitteln, aber wir haben immer mehr Verwaltungsarbeit zu leisten. Da wird vergessen, dass wir das alles in unserer Freizeit machen.“ Auch Bernd Fabri, Vorsitzender vom Musikverein Wernborn Usinger Land, weiß: „Da kommt noch viel administrative Arbeit auf uns zu.“

„Jetzt wird es ernst“, sagt auch Norbert Möller, Vorsitzender des Sportkreises Hochtaunus. Denn: „Die neuen Auflagen reichen noch weiter als die des bisher geltenden Bundesdatenschutzgesetzes“, weiß er und stellt fest: „Die Vorgaben müssen mit Nachdruck verfolgt werden, was aber nicht überall passiert.“ Seminare des Sportkreises zur bald in Kraft tretenden Verordnung seien bisher so gut wie gar nicht von den Vereinen in Anspruch genommen worden. „Nur vereinzelt, viel zu wenig, gibt es dazu Anfragen von Vereinen“, berichtet Möller.

Er befürchtet, dass vielen Vereinen die ganze Tragweite dieser Neuerungen noch gar nicht bewusst ist. „Bevor zum Beispiel von Kinderturnfesten einzelne Siegerfotos auf die Homepage gestellt werden, muss für jedes Kind von den Eltern eine schriftliche Einwilligung vorliegen“, so Möller. Entsprechende Formulare müssten künftig zusammen mit den Anmeldebögen verschickt werden. „Manche Vereine haben schon Trikots in zwei Farben angeschafft, damit Kinder, die während des Wettbewerbs nicht fotografiert werden dürfen, gleich erkennbar sind.“

Wenn das alles wäre, könnten die Vereine sogar noch relativ entspannt der Umsetzung der neuen europaweit geltenden Verordnung entgegensehen. Aber der Sportkreisvorsitzende macht deutlich, dass die Belastung für Ehrenamtliche noch viel größer ist: „Auch bei kleinen Vereinen kommen schnell zehn Leute zusammen, die mit Daten zu tun haben. Und dann ist ein geschulter Datenschutzbeauftragter nötig, der nicht Vorstandsmitglied sein darf.“ Abgesehen davon, dass das von der eigentlichen Vereinsarbeit ablenke, koste das unnötig Geld. Zudem blieben Fragen offen. Möller nennt ein Beispiel: „Wir wissen noch nicht, ob ein Übungsleiter bei jedem Training und jedem Wettbewerb die Einwilligungserklärungen dabei haben muss, falls eine Kontrolle stattfindet.“

Denn genau wie Unternehmen und Behörden drohen auch Vereinen bei Datenschutzverstößen Bußgelder, die im Einzelfall bis zu 20 Millionen Euro ausmachen können. „Der Landessportbund, der deutsche Olympische Sportbund und die Fachverbände hätten sich schon längst Gedanken machen müssen, wie man den Vereinen bei der Abwicklung helfen kann“, ärgert sich Möller. „Wo ist in einer solchen Situation eigentlich unser Minister für Inneres und Sport?“, fragt er.

Sein bitteres Fazit: Die Ehrenamtlichen würden alleine gelassen. „Wir haben auch keine Lösung auf Kreisebene“, gibt Möller zu. Immerhin hat der Sportkreis auf seiner Homepage seit der vergangenen Woche Informationen über Anforderungen an Vereine und Verbände nach der neuen DSGVO eingestellt. Dort ist nachzulesen, welche Rechte und Pflichten ein Verein im Umgang mit Mitgliederdaten hat. Eine Checkliste gibt beispielhaft Anhaltspunkte, welche Fragen als erste geklärt werden sollten. Und man erfährt, wo man weiterführende Informationen bekommt.

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