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Siemens zieht erneut um, diesmal in die Gateway Gardens

Im März dieses Jahres zogen die letzten Mitarbeiter vom ehemaligen Firmenstandort am Industriehof aufs neue Gelände in Niederrad. Nun gab Siemens bekannt, dass das Unternehmen 2022 in die Gateway Gardens verlegt wird. In Niederrad werden dafür Wohnungen gebaut.

Die Bauarbeiten sollen 2019 beginnen, 2022 will Siemens mit all seinen Abteilungen in die Gateway Gardens umziehen. 6 500 Quadratmeter Grund hat das Unternehmen dafür am Frankfurter Flughafen erworben. Das sind fast 20 000 Quadratmeter weniger als bisher in Niederrad.

Konzernsprecherin Evelyn Necker ist voll des Lobes für den jüngsten Frankfurter Stadtteil: Der Flughafen sei fußläufig erreichbar und die Anbindung an die Autobahnen 3 und 5 und den öffentlichen Nahverkehr ideal. „Die Grünflächen mit dem alten Baumbestand, das gastronomische Angebot und das neue Infrastrukturzentrum „Gateway Gardens Plaza“ ergeben ein perfektes Umfeld für unsere Mitarbeiter.“

Tatsächlich ist der Grund für den Umzug aber nicht die Schönheit des neuen Quartiers, sondern ein auslaufender Mietvertrag: Spätestens 2024 hätte Siemens sowieso ausziehen müssen. Zwar gehörte das Gelände samt Gebäude ursprünglich Siemens-Nixdorf. Doch 2007, kurz vor Auflösung der Aktiengesellschaft, verkaufte sie an den Immobilienentwickler Patrizia. Der wiederum sah in den alten Bestandsgebäude keine Zukunft. Als ein Bebauungsplan aufgestellt wurde, der aus der ehemaligen Bürostadt ein Mischgebiet aus Arbeit und Wohnen machen sollte, ergriff das Immobilienunternehmen seine Chance – und verkaufte 2017 an die Nassauische Heimstätte.

Die will auf dem Gelände nun rund 180 Millionen Euro investieren und 520 Wohnungen bauen. Bürogebäude und Parkdeck werden abgerissen, dafür entstehen „mehrere Gebäude, die zwei aufgelockerte Blockrandbebauungen mit Innenhöfen bilden“. Am Rand des Grundstücks ist ein öffentlicher Grünzug geplant. Über den Kaufpreis beider Grundstücke sei Stillschweigen vereinbart worden.

Wie groß die Wohnungen in Niederrad einmal werden sollen, könne man noch nicht sagen, sagt Reimund Kaleve, der bei der Nassauischen Heimstätte die Projektentwicklung leitet. Aber mit dem Stadtplanungsamt sei abgestimmt, dass „ein signifikanter Anteil“ geförderten Wohnraums in einem „ausgewogenen Wohnungsmix“ entstehen wird. Rund 30 Prozent der Wohnungen sollen verkauft werden.

Erst 2016 war das Siemens-Gebäude in Niederrad umgebaut und saniert worden, um Platz für die rund 1000 Mitarbeiter aus Rödelheim zu schaffen. Im März dieses Jahres waren die Auszubildenden als letzte Abteilung in das Gebäude eingezogen. Die Kosten für das neue Ausbildungszentrum bezifferte Siemens damals auf rund vier Millionen Euro.

In den Sand gesetzt habe man dieses Geld aber nicht, betont Konzernsprecherin Necker. Da das Ausbildungszentrum in bereits bestehenden Räumlichkeiten entstand, sei hauptsächlich in „neue Technologien, Labore, Hard- und Software“ investiert worden, „die selbstverständlich in die neue Niederlassung mit umgezogen werden“.

Auch für die Frage, warum es für die neue Niederlassung, wie in der Regel üblich, keinen internationalen Architektenwettbewerb gab, hat Necker eine Erklärung. Erstens besteht bereits Baurecht. Zweitens gebe es sowieso schon „konkrete interne Vorgaben an die Ausführungsqualitäten und Leistungsmerkmale eines CO2-neutralen und energieeffizienten Siemens-Gebäudes mit moderner Infrastruktur“. Einen Architektenwettbewerb könne man sich deshalb sparen. „Dies haben wir auch bei anderen Neubauten so gehandhabt.“

Dass die Nassauische Heimstätte jetzt auf zwei ehemaligen Siemens-Geländen Wohnungen baut, bezeichnet Reimund Kaleve als Zufall. Die Pläne, wie sie nun vorlägen, seien aber dennoch „harte Arbeit“ gewesen.

Die Gateway Gardens entstehen am nordöstlichen Zipfel des Flughafens. Das 350 000 Quadratmeter große Areal wurde früher von der US Air Force als Wohngebiet genutzt, jetzt sollen sich dort Gewebe und Hotels ansiedeln.

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