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Nach wie vor in der Diskussion: Vom Park-and-ride-Platz aus könnte es einen Zugang zum Bahnsteig geben.

Ortsbeirat sucht Zwischenlösung

Soll am Lorsbacher Bahnhof ein Übergang für Fußgänger her?

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Der Ortsbeirat will einen neuen Anlauf nehmen, um einen Reisendenübergang am Lorsbacher Bahnhof zu erreichen. Die Meinungen über die Erfolgsaussichten sind unterschiedlich.

Zwar hat die Deutsche Bahn signalisiert, dass sie bereit wäre, beim barrierefreien Ausbau des Lorsbacher Bahnhofes als Bauherr aufzutreten, und die Hofheimer Stadtverordnetenversammlung hat daraufhin beschlossen, dass der Magistrat entsprechende Verhandlungen aufnehmen soll. Aber allen Beteiligten ist bewusst, dass es Jahre dauern wird, bis die Bauhandwerker loslegen. Der Ortsbeirat will daher die Bemühungen nicht aufgeben, eine Zwischenlösung zu erreichen.

Dabei konzentriert er sich auf die Idee des früheren Bahnmitarbeiters Guntram Senner, der selbst in Lorsbach wohnt. Er hat vorgeschlagen, auf Höhe des Parkplatzes einen sogenannten Reisendenübergang anzulegen. Das ist ein herkömmlicher Bahnübergang mit Schranken, aber ohne Autoverkehr, nur für Fußgänger. Die Steuerung der Schranken könnte an die beiden bestehenden Bahnübergänge im Ort angeschlossen werden, sagen die Befürworter, es entstehe also kein zusätzlicher Personalaufwand.

Die Bahn hat die Idee schon vor einer Weile geprüft und verworfen. Dass es andernorts solche Übergänge gibt, zählt dabei nicht. In Lorsbach seien sehr viele und auch durchfahrende, also schnelle Züge unterwegs. Dazu kommt, dass die Strecke in einer Kurve liegt, also unübersichtlich ist. Sachlich ist das kaum von der Hand zu weisen.

Aber es handele sich um Regeln, die sich die Bahn selbst gegeben habe, so Guntram Senner bei der erneuten Vorstellung seines Vorschlages im Ortsbeirat. Die Stadt solle sich an das Eisenbahnbundesamt wenden, das die Aufsichtsbehörde für die Bahn ist. Denn die Regeln der Bahn seien nicht vereinbar mit deutscher Gesetzgebung und einschlägigen Richtlinien der Europäischen Union.

Für das Eisenbahnbundesamt aber müssten Gesetze und Richtlinien maßgeblich sein, so Senner, nicht interne Regeln der Bahn. Diese Auffassung bestätigte gegenüber dieser Zeitung der Hofheimer Behindertenbeauftragte Prof. Kurt Jacobs. Senner geht sogar noch weiter: Er kann sich vorstellen, dass es der Bahn ganz recht ist, wenn sie von der Aufsichtsbehörde angehalten wird, nach diesen Richtlinien zu arbeiten.

Zum Nebenkriegsschauplatz geriet vor diesem Hintergrund die Frage, warum es deutlich mehr als ein Jahr dauerte, bis die Stadtverordneten davon erfuhren, dass die Bahn nun doch die Bauträgerschaft übernehmen würde. Wegen dieser Verzögerung habe die Stadt es womöglich verpasst, dass das Vorhaben früher in das Ausbauprogramm der Bahn aufgenommen wird. Stadtrat Wulf Baltruschat begründete dies mit zwei personellen Wechseln im Rathaus, auch habe man erst mit dem RMV sprechen wollen. Der Magistrat, versicherte der SPD-Mann, habe selbst lange nichts von dem Brief gewusst.

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