Inklusion

Auf dem Spezialrad im Straßendienst

Frank Bauer ist seit 36 Jahren beim Städteservice Raunheim/Rüsselsheim beschäftigt. Der linksseitig gelähmte Mitarbeiter fährt mit einem Spezialrad durch die Straße und hebt den Müll auf.

Frank Bauer tritt aus der K&S-Seniorenresidenz. Seine Mittagspause ist zu Ende, die Mahlzeit nimmt er jeden Tag dort ein. Jetzt fängt aber erst einmal die Arbeit wieder an. Der 56-Jährige ist bei der Abfallbeseitigung des Städteservice Raunheim/Rüsselsheim beschäftigt – schon seit 36 Jahren.

Als Folge von Nebenwirkungen einer Pockenimpfung im Alter von zwei Jahren ist Bauer linksseitig gelähmt. Nachdem er die Helen-Keller-Schule beendet hatte, fing er bei der Müllabfuhr bei den Stadtwerken, wie der Städteservice damals noch hieß, an. Altbürgermeister Günter Diehl habe ihm das Angebot gemacht, erzählt er. Seine inzwischen verstorbenen Eltern waren 1981 mit Diehl Mitbegründer des Förderkreises für behinderte Menschen.

Eine Ausbildung habe er nicht absolvieren müssen. Seit mehr als drei Jahrzehnten fährt Frank Bauer nunmehr mit dem Fahrrad durch die Stadt und sammelt den Abfall auf, den unachtsame Menschen in den Hecken und auf der Wiese regelmäßig entsorgen.

Über 30 Jahre lang radelte er mit seinem eigenen Fahrrad, einem speziellen Dreirad, durch die Straßen. Vor fünf Jahren bestellten die Stadtwerke ein Spezialfahrrad, ebenfalls mit drei Rädern ausgestattet, aber auch mit vielen Möglichkeiten, seine Utensilien für die Arbeit zu transportieren.

Er hat einen großen schwarzen Mülleimer dabei, einen Besen, eine Zange und Feuchttücher für die Hände. Nicht zu vergessen die Pylone, mit denen er die Autofahrer warnt, wenn er auf der Straße bei fließendem Autoverkehr den Müll zusammenkehrt. „Ich fahre jeden Tag meine Tour“, sagt er. Inzwischen ist er Mitarbeiter des Städteservice Raunheim/Rüsselsheim. Er braucht keinen besonderen Arbeitsplan. Bauer weiß, wo sich die neuralgischen Plätze und Straßen befinden.

„Frank Bauer weiß Bescheid, er fährt seine Runde“, sagt Markus Schmid, Standortleiter für Raunheim. Und wenn er irgendwelche mutwillig zerstörten oder defekten Mülleimer und Schilder sieht, meldet er den Schaden sofort dem Städteservice.

Rund zehn Kilometer legt er jeden Tag mit seinem Fahrrad zurück, das zwar einfach zu fahren, aber schwer zu schieben ist. „Hier findet man immer was“, sagt er wissend am Weg zwischen der Fußgängerbrücke am Stadtzentrum und dem Drachenspielplatz an der Lache und der Anne-Frank-Schule.

Die Unterführung und der Parkplatz am Bahnhof, sowie die Spielplätze und die öffentlichen Grünanlage sind weitere Orte, die er regelmäßig aufsucht und vom Müll befreit.

„Die Arbeit ist in Ordnung“, versichert Bauer. Er ist bei Wind und Wetter mit seinem Drahtesel draußen. Bauer liebt es, an der frischen Luft zu arbeiten, ganz gleich ob es schneit, regnet oder die Sonne vom Himmel brennt.

In Raunheim ist er in seiner orangefarbenen Arbeitskleidung bekannt wie ein bunter Hund. Und er selbst lernte im Laufe der Jahre ebenfalls einen Menge Menschen kennen. Ein Schwätzchen mit den Leuten ist also immer mal drin.

„Sie fragen, wie es mir geht“, erzählt er schmunzelnd. Die Ereignisse in der Stadt sind auch immer mal wieder Gesprächsthema.

Er fühlt sich wohl beim Städteservice, die Arbeit gefällt ihm. Da kann er auch zurecht sagen, dass er stolz ist, seit 36 Jahren diesen Job zu erledigen. Und auch der Leiter des Städteservice Jens Will lobt: „Es gibt selten Kollegen wie Bauer, die seit Jahren mit offenen Augen durch die Stadt fahren“.

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