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Zwischen Titus- und Nidaforum reihen sich die Marktstände aneinander, jede Ecke ist dort ausgenutzt.

Wochenmarkt

Die Stände auf dem Walter-Möller-Platz sind seit 18 Jahren ein wichtiger Treffpunkt im Stadtteil

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Zwischen Bürgerhaus und Nidaforum, neben Betonpfeilern, Blumenbeeten und Baustelleneinrichtungen – der Wochenmarkt im Nordwestzentrum ist längst fest im Stadtteil verwurzelt. Dazu tragen die Stammkunden bei – aus der Nordweststadt, Praunheim, Heddernheim und Niederursel.

Horst Kügler ist jeden Mittwoch auf dem Walter-Möller-Platz. Der Besuch des Wochenmarktes ist für den Rentner aus Praunheim längst ein festes Ritual geworden. Immer dabei: sein Rollator, sein Rentnerporsche, wie er ihn liebevoll nennt. „Sie müssen mal an einem Samstag vorbeikommen, dann liefern wir uns heiße Rennen damit“, sagt er, lacht und bestellt noch 200 Gramm Sauerkraut bei Stefan Rabisch. Die Senfgurken hat der Erfurter bereits gewogen und eingetütet.

Rabisch ist quasi mit dem Wochenmarkt in der Nordweststadt aufgewachsen. Bei der Eröffnung im Jahr 2000 sicherte sich sein Vater Roland Rabisch einen der Standplätze und verkaufte Spreewälder und Spezialitäten aus Thüringen. Sein Sohn war als 17-Jähriger ab und an dabei. Was damals noch „ein großes Abenteuer war“ ist heute das echte Leben: Seit einem Jahr ist Stefan Rabisch das Gesicht des Gurkenstandes.

Jeden Dienstagabend bricht er in Thüringen auf und fährt ins Rhein-Main-Gebiet. Dort hat die Familie eine kleine Betriebswohnung. Wie auf Montage fühle man sich da manchmal, sagt Rabisch. Von Mittwoch bis Samstag steht er auf verschiedenen Märkten in und um Frankfurt, dann geht es zurück in die Heimat. Auch wenn es stressig klingt und ist, Rabisch liebt seinen Job. Und den Wochenmarkt. Vor allem den in der Nordweststadt. Weil man dort solche Menschen wie Horst Kügler trifft. „Man verkauft nicht nur, sondern pflegt auch ein soziales Netzwerk. Man hat viele Stammkunden, spricht über Privates und gibt Rezepttipps“, sagt Rabisch.

Unterhaltung ist auch ein paar Meter weiter bei Daniel Kratzke garantiert. Allerdings gleicht der Weg zu seinem Fischstand einem kleinen Slalomlauf, denn durch die Blumenbeete und Betonpfeiler auf dem Walter-Möller-Platz ist der Wochenmarkt sehr verwinkelt und langgezogen. Aber die Menschen haben sich längst daran gewöhnt. „So trifft man viel mehr Leute, die man kennt“, sagt eine Rentnerin, die ebenfalls jeden Mittwoch zum Markt kommt.

Aber zurück zu Daniel Kratzke, der schon aus einigen Metern Entfernung zu hören ist. „Moin-Moin“, ruft er gut gelaunt über den Platz. Von Aal bis Zander gibt es bei ihm alles, verspricht er. Und garantiert frisch – vom Fischmarkt in Hamburg oder Bremerhaven. „Schnickschnack gibts bei mir nicht, geräuchert wird nur mit Steinsalz und Buchenholz. Sonst nix“, versichert er.

Am Anfang sei es „recht schwer“ gewesen, die Nordweststädter von Fisch zu überzeugen. Doch Kratzke blieb dran – mit Erfolg. „Der Frankfurter will zwar lieber Rindsworscht und Presskopp, traut sich aber letztlich doch was“ sagt er. Zudem sei die Nordweststadt „sehr multi-kulti“. „Da geht auch Fisch immer gut“, sagt der Experte.

Und nicht nur das. Auf dem Wochenmarkt am Nordwestzentrum kann sich keiner der Händler beklagen. Mogens und am frühen Nachmittag kommen die Senioren, ab 15 Uhr auch die jüngere Generation. „Es sind so viele liebe, nette Menschen, die hier unterwegs sind“, sagt Katrin Brückhof von der gleichnamigen Imkerei. Zwei Wochen lang war sie im Urlaub, groß ist die Freude, dass sie wieder da ist.

Manche Kunden kommen jede Woche, bringen leere Gläser zurück und holen Nachschub. Wie das Ehepaar Müller, das sich schon einmal durch das Honig-Sortiment probiert hat. Ein Glas essen sie in sieben Tagen, gekauft wird er nur auf dem Markt. „Weil wir hier mehr bekommen, als nur das Produkt. Wir können

Kontakte pflegen

, das ist im Alter wichtig“, sagen sie.

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