Altes Rathaus

Strategiespieler treffen sich regelmäßig, um ihrem Hobby nachzugehen

Einmal im Monat trifft sich eine Gruppe von Tabletopspielern im Alten Königstädter Rathaus, um ihrem Hobby nachzugehen. Tabletop, auf deutsch Tischplatte, bezeichnet ein Strategiespielsystem, das auf einer Tischoberfläche mit kleinen Figuren gespielt wird.

Während andere den Samstagmorgen zum Entspannen, einem ausgiebigen Frühstück oder mit der Familie verbringen, sitzt eine Gruppe, meist männlicher, Spieler gemeinsam zusammen und bemalt kleine Figuren, Gebäude oder ähnliche Teile, die zusammengefügt die Basis eines Tabletopspiels ergeben. Für Christopher Buck ist dies eine gute Art runterzukommen vom täglichen Stress.

Neben dem Bemalen werden auch Geländestücke wie Landschaften und Gebäude zusammengebaut und, wenn noch Zeit ist, auch gemeinsam gespielt. „Das Tabletopspielen ist realer als Videospiele am Computer“, erklärt Buck. Für ihn ist es wichtig, sich mit echten Menschen zu treffen und gemeinsam Strategien für das Spiel zu erarbeiten. „Das ist wertiger für mich“, sagt er.

Die Vorläufer des heutigen Tabletopspiels sind Kriegsspiele, wie sie bereits Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden, um preußische Offiziere in Kampfstrategien auszubilden. Es gibt auch eine Reihe berühmter Menschen, die Fans dieser Form von Strategiespiel sind. So erfand der Autor der „Zeitmaschine“ H.G. Wells ein eigenes Regelwerk für Tabletopspiele.

Auch der Schauspieler Peter Cushing (Star Wars), Robin Williams (Jumanji) und der Autor Wolfgang Hohlbein zählen zu den begeisterten Tabletopspielern.

Ein rundes Etwas

, das auf den ersten Blick an einen Dalek von Dr. Who erinnert, entpuppt sich als Teil des Geländes eines Science-Fiction-Industriekomplexes. Aus grauem Plastik bestehend fehlt dem Kulissenteil noch der passende Anstrich.

Von den kleinen Figuren, die auch zusammengebaut und bemalt werden, gibt es meist mehrere, da es sich um Armeen handelt, die in den Kampf ziehen. Acht bis zehn, manchmal auch zwölf Spieler treffen sich regelmäßig im Alten Rathaus. Die meisten stammen aus Rüsselsheim, Raunheim und Königstädten. Manche haben aber auch eine längere Anfahrt. Melanie und Jan sind aus Karben bei Bad Homburg angereist.

Die beiden Biologen lernten sich beim Studium kennen. Jan ist seit seinem zwölften Lebensjahr ein Tabletopspieler, seine Frau Melanie kommt vom Rollenspiel und möchte nun auch das Tabletop ausprobieren. „Die Grenzen zwischen Tabletop und Rollenspiel sind oft fließend“, sagt Buck.

In beiden Fällen braucht es aber Fantasie und Kreativität. „Beim Tabletop ist die Szenerie vorgegeben. Bei Rollenspielen passiert alles im Kopf“, erklärt Melanie. Da müsse man sich Orte und Situationen vorstellen. Auch die Charaktertiefe sei beim Tabletop nicht so intensiv, da dort ganze Armeen statt einzelner Charaktere in Aktion treten.

Doch bei allen Spielarten ist das Schlüpfen in andere Typen gleich. „Wir sind tagsüber Biologen und sonst sind wir Helden, Schurken und Weltenretter“, umschreibt Melanie die Faszination des Ausbüchsens vom grauen Alltag.

Natürlich darf auch die Nervennahrung, meist mit hohem Schokoladenanteilen oder in Form frittierter und stark gewürzter Kartoffelscheiben beim Spielen nicht fehlen. Das böse Wort „Chips“ wird dabei zum absoluten Tabuwort.

Früher spielte die Tabletopgruppe im Keller des Rüsselsheimer Sammlerlädchens am Berliner Platz. Als dies vor drei Jahren schloss, gab es zunächst keinen Treffpunkt, so dass die Gruppe per sozialem Netzwerk zusammengehalten wurde. „Wir sind kein eingetragener Verein. Deshalb ist es schwierig, Räume zu finden“, erklärt Buck. Daher waren alle froh, als Jens Hartl als Königstädter die Möglichkeit entdeckte, im Alten Rathaus unterzukommen.

Im Dezember wird es ein großes Event geben. Da treffen sich die Spieler zwei Tage lang zu einer „Apokalypse-Schlacht“ und es dürfen ausgiebig Strategien ausprobiert werden.

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