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Das ungenutzte Gewerbegrundstück in der Bessemerstraße 7. Hier soll das islamische Gemeindezentrum entstehen.

Anwohner fordern Tausch

Streit um islamisches Gemeindezentrum in Bergen-Enkheim

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Die Bürgerinitiative Bessemerstraße kämpft weiter für einen Grundstückstausch, damit ein islamisches Gemeindezentrum nicht dort errichtet wird. Die Stadt selbst sieht dagegen dafür kaum Chancen.

Zu wenig unternimmt die Stadt, um vielleicht doch einen Grundstückstausch mit dem Verein Islamische Informations- und Serviceleistung (IIS) in die Wege zu leiten, der in der Bessemerstraße sein neues Gemeindezentrum einrichten will. So sieht es zumindest die Bürgerinitiative „Bessemerstraße“, wie deren Sprecher, Gerhard Laube, in der vergangenen Ortsbeiratssitzung erklärte. Die Mitglieder des Stadtteilparlaments bat er daher, der Verwaltung und den Stadtverordneten der jeweiligen Parteien gegenüber anzumahnen, sich für einen solchen Grundstückstausch einzusetzen.

Vor allem mehr Lärm am Wochenende und abends sowie ein noch größeres Parkplatzproblem in der Bessemerstraße fürchten die Anwohner. Deshalb solle das islamische Zentrum an anderer Stelle entstehen (wir berichteten). Direkt gegenüber des Grundstücks, das der Moscheeverein 2016 in der Bessemerstraße kaufte, liegt ein Wohngebiet. Ein Grundstückstausch sei die beste Lösung. „Bald wird doch eine große Fläche frei, wenn die Metzgerei Brandenburger aus der Wächtersbacher Straße fortzieht“, schlug Laube in der Sitzung vor.

Wie sehr Lärm und steigender Parkdruck für Unmut sorgen können, sei Presseberichten zufolge zurzeit in Marburg zu sehen, erklärte Laube. Dort eröffnete im Sommer das neue Kultur- und Bildungszentrum der Islamischen Gemeinde Marburg. Seitdem klagen Anwohner über Lärm und zugeparkte Straßen. In einem Leserbrief klagte ein Ehepaar über eine laute Hochzeitsfeier im Mai, beim islamischen „Zuckerfest“ im Juni seien die Straße gesperrt und „die komplette Straße zugeparkt“ gewesen. Im Fastenmonat Ramadan von Mitte Mai bis Mitte Juni sei es abends täglich laut gewesen, wenn Besucher die Moschee verließen. Und beim wöchentlichen Freitagsgebet reichten die Parkplätze auf dem Gelände des Zentrums und in der Straße „nicht im Mindesten“ aus, so die Leserbriefschreiber.

Ähnliches befürchten die Anwohner der Bessemerstraße auch für ihre Straße. Der Verein IIS hingegen betonte stets, auch im Gallus, wo der Verein heute ansässig ist, gebe es nur wenige Parkplätze. Dort gebe es keine Probleme, weil die meisten Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen – und das würde vermutlich auch in Enkheim so sein, wo eine U-Bahn-Station nur wenig Meter entfernt liegt.

Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU) erklärte in der Ortsbeiratssitzung, auch das Stadtteilparlament sehe die Parksituation rund um die Bessemerstraße kritisch. „Der Standort ist alles andere als ideal für ein Gemeindezentrum.“ Und der Grundstückstausch, so schwierig er umzusetzen sei, sei eine gute Lösung.

Magistrat und Wirtschaftsförderung sagten in der Vergangenheit zwar Hilfe bei der Suche nach einem Tauschgrundstück zu, viel Hoffnung machten sie der Bürgerinitiative aber nicht. Die Stadt selbst verfüge nicht über viele Grundstücke – und die Gewerbegebiete, so eine Aussage, seien primär als Standort für Firmen gedacht und nicht für Religionsgemeinschaften.

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