+
Freitagabends bei schönem Wetter ist der Friedberger Platz rappelvoll. Das stört die Anwohner. Weil sie sich seit Jahren übergangen fühlen, haben sie nun die Steuerungsgruppe verlassen.

Anwohnerinitiative

Streit um wöchentliche Party auf Friedberger Platz eskaliert

Die Anwohner, die die wöchentliche Party auf dem Friedberger Platz ablehnen, fühlen sich seit Jahren ungehört. Deshalb sind sie nun aus der Steuerungsgruppe ausgetreten, in der sich alle Beteiligten zweimal im Jahr miteinander absprechen. Die Gruppe wird dennoch weiter tagen.

Einen Platz verschönern und mit Leben füllen – für die einen eine ideale Maßnahme, um dem heutigen Lebensgefühl Rechnung zu tragen. Für die anderen ein Zeichen verfehlter Stadtplanung. Die einen, das sind Vertreter von Stadt, Markthändlern, Gastronomen und Anwohnern des Friedberger Platzes. Die anderen, das sind die übrigen Anwohner.

Letztere haben nun die Steuerungsgruppe verlassen, die sich seit Jahren darum bemüht, die Party, die freitagabends auf dem Friedberger Platz stattfindet, im Rahmen zu halten. Bis zu 2500 Personen versammeln sich dort jede Woche zum Ende des Marktes, um zu trinken und zu reden.

Und um laut zu sein, die Straßen zuzuparken, in Vorgärten zu pinkeln und Müll zu hinterlassen, beklagen Christian Palm und Walter Lulay, die Sprecher der Partygegner. Ihre Kritik ist aber noch fundamentaler: Weil rund um Frankfurt enge, gesichtslose Neubaugebiete entstünden, müssten deren Bewohner auf die schön hergerichteten Plätze in den Altbauvierteln ausweichen. „Dafür ist das Nordend aber nicht gemacht und gedacht und auch nicht sozialverträglich mit den dort lebenden Menschen in diese Richtung entwickelbar“, heißt es in der Austrittsbegründung.

Statt zumindest die Folgen einzudämmen, so Palm und Lulay weiter, bleibe die Politik untätig: Die Marktzeiten seien nicht verkürzt worden, die Stadtpolizei kontrolliere Falschparker und Wildpinkler zu wenig und verhindere nicht, dass die Feiernden nach dem offiziellen Partyende um 22 Uhr auf Plätze in der Umgebung ausweichen.

Immer wieder habe die Anwohnerinitiative ihre Bedenken in der Steuerungsgruppe angesprochen und Konsequenzen angemahnt, passiert sei wenig. So wenig, dass sie sich mittlerweile „verhohnepiepelt“ vorkämen. „Als Anwohnerinitiative Friedberger Platz können wir deshalb zu unserem Bedauern nicht länger Teil einer – in unserer Wahrnehmung – Alibiveranstaltung ,Steuerungsgruppe’ sein.“

„Ich bedaure sehr, dass sie nicht mehr mitkämpfen“, sagt Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne), die ebenfalls Teil der Steuerungsgruppe ist. „Ich bin aber auch enttäuscht.“ In diesem Jahr seien bei ihr fast keine Beschwerden eingegangen. „Das ist nicht schönreden, sondern ein Erfolg der Maßnahmen.“ Zudem habe sich die Gruppe, zu der bisher jeweils zwei Vertreter der Stadt, der Marktbeschicker, der angrenzenden Gastronomie, der befürwortenden Anwohner, der ablehnenden Anwohner und die drei Fraktionsvorsitzenden des Ortsbeirats gehörten, lange um einen Mediationsprozess bemüht. Vergeblich.

Andrea Brandl, die vom Ordnungsdezernat in die Gruppe entsandt wurde, sieht das ähnlich. Sie verstehe zwar, dass es frustrierend sei, wenn man Zeit investiere und das Gefühl habe, dass sie verschwendet sei. Sie weist aber auch darauf hin, was sich in den vergangenen Jahren alles verändert habe: Viele Gastronomen hätten ihre Außengastronomie nach 22 Uhr eingeschränkt, Kioske schenkten keinen Alkohol mehr aus. Und der Trupp aus Reinigungsfahrzeugen, Anwohnern und Stadtpolizisten schaffe es innerhalb von maximal einer Stunde, den Platz zu leeren – egal wie viele Menschen sich dort aufhielten.

Jedes Problem könne man mit ordnungsrechtlichen Mitteln aber nicht lösen: Die Zahl der Stadtpolizisten sei auf acht begrenzt, wenn irgendwo anders in der Stadt etwas passiere, auf sechs. „Die Probleme am Mainufer und Sachsenhausen sind ja dieselben.“ Würden die Stadtpolizisten also beispielsweise stundenlang Partygäste verwarnen – dadurch, dass die Verwarnten sich ausweisen müssten, eine recht lange Prozedur – würde ihnen die Zeit für andere Aufgaben dann fehlen. Etwa um zu gewährleisten, dass die Straße frei bleibt und der Verkehr reibungslos fließen kann. Es gehe in dieser Sache allerdings auch um eine politische Haltung. „Die Freiheit des Menschen ist wichtig. Und es ist schön, wenn sich Leute zwanglos draußen treffen und sich vernetzen. Wir wollen den Frankfurtern dieses Lebensgefühl nicht nehmen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare