Erörterungstermin

Stundenlange Diskussionen über die geplante Halle der Firma Kilb

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Das RP Darmstadt hat zu einem Erörterungstermin zum Genehmigungsverfahren der Firma Kilb gerufen. Der Protest war, hielt sich aber in Grenzen.

Termine wie diese haben in Kelkheim Seltenheitswert. Das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) als zuständige Genehmigungsbehörde hatte zur Diskussion über den Bau der Müllsortierungs-Halle der Firma Kilb Entsorgung GmbH in die Stadthalle eingeladen. Weil mehr als 140 Einwendungen der Bürger eingegangen waren, hatte die Behörde zwei Tage anberaumt – es blieb dann bei gut sechs Stunden Sitzung. In der das Szenario schon interessant war: Links nahmen gut 20 Bürger Platz, die etwas gegen das Vorhaben vorzubringen haben, rechts die Besucher. Und vorne teilten sich die Fachleute vom RP, die Firma Kilb, Gutachter sowie die beteiligten Behörden – darunter die Stadt und der Kreis – das Podium.

Jutta Seibert, einer der Aktivposten unter den verärgerten Münsterern, kommt zu einem ernüchternden Fazit: Sie glaubt nun, „dass wir wenig Chancen haben werden – das wird so durchgezogen werden“. Einen Hoffnungsschimmer hat sie: Hella Dernier, Leiterin der Sitzung und Chefin des Abfalldezernats im RP, habe wohl Nachforderungen gestellt (siehe Text links). So heißt es nun Warten. Das RP nennt keinen Zeitplan, Kilb hatte nicht mit dem Bau der Müll-Halle am Zeilsheimer Weg/Paul-Ehrlich-Straße bis Ende 2018 gerechnet.

Zum Auftakt erhielt Geschäftsführer Stefan Hofmann die Chance, das Vorhaben vorzustellen (siehe Text rechts). Dann hatten jene Bürger, die fristgerecht Bedenken geäußert hatten, das Wort. Es wurde deutlich, dass es den meisten laut Jutta Seibert „um das große Ganze“ geht. Das Gewerbegebiet sei schon erheblich gewachsen, mit immer neuen Belastungen gerade für die Anwohner der Wohnkomplexe an der Frankfurter Straße. Dort wurden 200 Unterschriften gesammelt, damit das Vorhaben wenigstens abgespeckt wird. Die Stadt wurde ins Visier genommen, warum sie das Vorhaben im Bebauungsplan genehmige. „Dieses Gewerbegebiet rückt immer weiter an ein Wohngebiet heran. Lärm und Staub finden keine Grenze“, war zu hören. Sehr kritisch wurde das Thema Verkehr gesehen. Bauamtsleiter Patrick Büttner verwies auf die damals neue Paul-Ehrlich-Straße mit eigener Zufahrt und den verlegten Bahnübergang. Jutta Seibert weiß, dass es dort schon jetzt eng sei. Kilb kalkuliert aktuell mit zwölf Brummis in der Stunde nur für seinen Betrieb.

„Es ist niemand gegen Müllsortierung, aber das Projekt ist offenbar überdimensioniert. Es bringt mehr Belastung als Vorteile“, sagte ein Nachbar. Für solche Einwände spendeten sich die Bürger gegenseitig Applaus. Die Gutachter der Firma Kilb hielten Zahlen entgegen. Etwa beim Thema Staub: Manfred Seitz vom TÜV betonte, bei 40 Mikrogramm liege die Grenze zur Belastbarkeit. An der ungünstigsten Stelle der neuen Müll-Halle mit geöffneten Toren seien es nur 2,3. Seitz gab aber einen Puffer für die geforderte Gesamtschau hinzu und ordnete Kelkheim in die Staub-Tabellen des Landes vergleichbar bei Raunheim ein. Mit diesem Modell kam er auf 23,4 Mikrogramm. Was ihm die Kritik einbrachte, dass dies doch alles sehr theoretisch sei und wohl kaum der Realität entspreche.

Immerhin: Die Forderung der Nachbarn, die Tore der Halle stets geschlossen zu halten, hat zum Teil Früchte getragen. Laut Hofmann sei das wegen der Lkw zwar nicht möglich, aber es soll nun an den Toren schon eine Berieselungsanlage geben, zudem würden die Abfälle in der Halle bewässert. „Wir sind selbst an einer Staubminderung sehr interessiert. Haben aufgrund der Einwendungen reagiert. Wir nehmen die Sache ernst und pochen nicht auf unsere Werte.“

Zahlen zogen sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Beim Thema Geruch betonte Seitz, es gehe um die Häufigkeit des Auftretens. Wenn an 15 Prozent der Jahresstunden in einem Gewerbegebiet eine Form des Geruchs auftrete, sei das problematisch – in Wohngebieten 10 Prozent. Für das Kilb-Areal kommt der TÜV-Mann durch Simulationen auf weniger. Auch die Grünmüllanlage an der B519, den Nachbarn als Vorbelastung ein weiterer Dorn im Auge, sei zu vernachlässigen. Was den Planern Kopfschütteln der Bürger einbrachte – wie so manches weitere Mal an diesem langen Tag.

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