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Waren mit Feuereifer dabei: Serkan Ucar und seine Söhne Bugra (9) und Cagan (11).

Mathe-Rallye

Subtrahieren, dividieren und dabei die Stadt kapieren

Mathematik an der frischen Luft und dabei spielerisch interessante Fakten rund um die Frankfurter Innenstadt lernen: Rund 300 Mathe-Begeisterte nahmen am Samstag an „Mathity-Map“ der Goethe-Uni teil.

In welche Himmelsrichtung schaut die Goethe-Statue unweit der Hauptwache? Und wie lange dauert es, bis aus dem Trinkwasser-Spender auf der Freßgass ein Liter Wasser geflossen ist? Diese und weiteren kniffligen Aufgaben zwischen Goethe- und Opernplatz stellten sich am Samstag rund 300 Mathe-Begeisterte. Sie nahmen an der Rallye „Mathity-Map“ der Goethe-Universität teil.

Cagan (11) muss sich ganz schön strecken, um mit dem Zollstock die Höhe der Litfaßsäule auf dem Goetheplatz auszumessen. Sein Bruder Bugra (9) notiert die Ergebnisse auf dem Klemmbrett. Die Brüder sind mit ihrem Vater Serkan Ucar auf dem Mathe-Pfad unterwegs, und es macht ihnen Spaß. „Mathe ist mein Lieblingsfach“, sagt Cagan. Er geht auf die Wöhlerschule, sein kleiner Bruder auf die Theobald-Ziegler-Schule. „Wir sind durch Cagans Mathelehrer auf die Rallye aufmerksam geworden“, sagt Vater Serkan Ucar. Mathe-Unterricht an der frischen Luft und mit Zollstock, Maßband und Messbecher bewaffnet klingt für die Jungs sehr gut. „Es macht Spaß“, sagen sie.

Jonas (10), Lea (12) und ihr Vater Torsten Grund haben den Pfad schon erfolgreich beendet. Gerade nehmen sie ihre Urkunden entgegen. „Die Aufgaben waren teilweise schwierig, aber trotzdem zu lösen“, sagt der Schüler. Am meisten Spaß hat den beiden die Aufgabe gemacht, bei der sie die Länge einer der weißen Mosaikschlangen auf den Pflastersteinen auf der Freßgass ausrechnen sollten.

„Das war schwierig, weil die Schlange ja rund und nicht gerade ist“, sagt Jonas. Doch schnell sind die Geschwister auf die Lösung gekommen: „Wir mussten die Linien auf dem Boden abgehen und zählen, wie viele Schritte wir gebraucht haben. Dann haben wir unsere Schuhlänge ausgemessen und mit der Zahl der Schritte multipliziert“, sagt Jonas. So kamen sie auf das richtige Ergebnis.

Initiator von „Mathity-Map“ ist Prof. Dr. Matthias Ludwig. Er leitet an der Goethe-Uni die Arbeitsgruppe „Matis I“ im Fachbereich Didaktik der Mathematik, in der die Rallye entwickelt wurde. Mehr als 20 einzelne Pfade in ganz Frankfurt mit Aufgaben in verschiedenen Schwierigkeitsstufen hat die sechsköpfige Arbeitsgruppe erstellt. Mit einer App kann sich diese jeder auf sein Smartphone laden und direkt loslegen.

„Man braucht dazu ein Maßband, einen Zollstock, einen Messbecher und einen Zettel, um die Lösungen zu notieren“, sagt Prof. Ludwig. Per GPS lotst die App die Teilnehmer dann von Station zu Station. Wer einmal nicht auf die richtige Lösung kommt, kann über sein Smartphone auch einen der hinterlegten Hinweise abrufen. Am Samstag standen die Mitglieder der Arbeitsgruppe auf dem Goetheplatz, von 11 bis 15 Uhr haben sie Interessierten von ihrem Projekt erzählt, die nötigen Utensilien ausgeteilt und an diejenigen, die einen Pfad erfolgreich beendet haben, Urkunden ausgeteilt.

Die einzelnen Aufgaben sind so konzipiert, dass verschiedene Lösungswege möglich sind. „Es geht darum, sich gemeinsam einen Lösungsweg zu überlegen“, sagt Prof. Ludwig. Deshalb empfiehlt er auch, die Aufgaben nicht allein zu lösen. Das Konzept von mathematischen Wanderpfaden gibt es schon sehr lange, doch Ludwig und seine Arbeitsgruppe haben dieses durch die Zuhilfenahme von neuester Technologie in Form des Smartphones revolutioniert.

„Die Kombination daraus, Mathe anzuwenden, draußen zu sein und neue Technologien zu benutzen führt zu einem sehr schnellen Lernerfolg“, ist sich Ludwig sicher.

Die Idee für die „Mathity-Map“ hatte Prof. Ludwig bereits vor sieben Jahren. Etwa drei Jahre hat die Planungs- und Vorbereitungsphase gedauert, bis die App schließlich im März 2016 für Smartphones verfügbar wurde.

„Mittlerweile gibt es die App unter anderem auf Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Chinesisch“, erklärt Prof. Ludwig. Finanziert wird das Projekt durch Mittel der EU und des Landes Hessen.

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