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Anna Stockmann (links) und Petra Fuchs bei der Weinlese im ?Diedenbergener Sonnenhang?. Foto: Maik Reuß

Sonnenhang

Super-Sommer beschert städtischem Weinberg einen guten Jahrgang

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Die Lese im städtischen Weinberg in Diedenbergen ist geschafft. Die Experten rechnen mit einem guten Tropfen.

„Diedenbergener Sonnenhang“ heißt die Lage, aber am Dienstag konnte man nicht erkennen, wie der städtische Weinberg in Diedenbergen zu seinem Namen gekommen ist. Der Himmel war wolkenverhangen, das feine Nieseln entwickelte sich immer mehr zu einem richtigen Regen. Jana Seidemann stapelt die Kisten mit den gelesenen Trauben übereinander, so werden lediglich die Früchte nass, die im oberen Behälter liegen.

Zu viel Regenwasser nämlich soll nicht in den Most geraten, der noch am gleichen Tag ausgepresst wurde. „Das gibt zwar ein paar Gläser mehr, aber weniger Qualität“, sagt Seidemann. Ihr Betrieb bewirtschaftet einige Weinberge in Rheingau und kümmert sich außerdem um den Hofheimer Weinberg in Diedenbergen. Angesichts der günstigeren Witterungsbedingungen des vergangenen Sommers fällt ihr die Prognose nicht schwer, dass da ein guter Jahrgang geerntet wurde. Bernhard Racky, der lange als Rathausmitarbeiter für den Weinberg zuständig war und heute noch bei jeder Weinlese dabei ist, hat ein Refraktometer dabei, um diese Prognose mit Zahlen zu untermauern. 100 bis 110 Grad Öchsle zeigt der Blick auf das Messgerät. Ungefähr wird sich auch der ausgepresste Most in diesem Bereich bewegen. Es wird also mindestens eine Spätlese. „Vielleicht bringen wir auch eine Auslese nach Hause“, so Seidemann. Aber da darf eben auch nicht zu viel Wasser an die Trauben kommen.

1990 wurden die Weinstöcke in Diedenbergen gepflanzt, sie haben damit schon ein gehöriges Alter. Solche Pflanzen können bis zu zehn Meter tief in den Boden reichende Wurzeln ausbilden, weiß Seidemann. Also konnte ihnen die Trockenheit der Sommermonate nicht viel anhaben, bei jüngeren Reben ist das gelegentlich anders. Mangels Feuchtigkeit haben sich auch keine schädlichen Schimmelpilze entwickeln können. Die ungeliebte Kirschessigfliege liebt solche Sommer ebenfalls nicht – abgesehen davon, dass sie sich lieber über rote Trauben hermacht.

Die vielen Sommertage haben auch dafür gesorgt, dass die diesjährige Lese vergleichsweise früh stattgefunden hat – nur einmal, im Jahr 2011, wurden die Trauben früher, am 30. September nämlich, geerntet. Die Zuständigkeit im Rathaus ist von Bernhard Racky an Petra Fuchs übergegangen; nichts geändert hat sich dagegen daran, dass sich gerne viele beteiligen. 16 Helfer hat Fuchs dabei, lange fragen musste sie nicht. Und während diese noch Reihe für Reihe die Trauben abschneiden, wickelt Jana Seidemann die blauen Netze auf, die in den letzten Wochen über den Weinberg gespannt waren. Neulich erst habe sie einen großen Schwarm von Vögeln in Diedenbergen gesehen und sich gefreut, dass sie an die Netze gedacht hatte. Noch einmal soll es nicht passieren, dass die Stare die gesamte Ernte vertilgen – ausgerechnet die erste Lese, die für 1993 geplant war, ist deswegen komplett ausgefallen.

Fünf Jahre zuvor hatte die Stadt Hofheim mit den Planungen für ihren Weinberg begonnen. Mit dem Projekt soll an die lange Weinanbautradition der Stadt angeknüpft werden. Bis in die 1960er Jahre hinein wurde in Diedenbergen und Wallau Wein angebaut, zum Teil ging er nach Hochheim in die Sektproduktion.

Aber auch in Hofheim selbst gab es noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Weinberge, Straßennamen wie der Traubenhüttenweg bezeugen dies. Und in früheren Jahrhunderten war sogar im schattigen Lorsbach Wein angebaut worden – welche Qualitäten dort erzeugt wurden, ist allerdings nicht überliefert.

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