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Ursula Schauffel und Rudolf Dederer sind zwei der Seniorentestesser, die bei der Aktion ?Main Lieblingsteller 2018? mitgemacht haben.

Restaurants für Ältere

Test: Wo Senioren nicht allein essen müssen

Sich selbst zu bekochen und allein zu Hause essen zu müssen, ist für Senioren oft schwierig. In einigen Frankfurter Pflegeheimen wurden deshalb spezielle Seniorenrestaurants eingerichtet. 18 Testesser haben diese Restaurants jetzt auf Herz und Nieren geprüft. Der Preis für das beste Serviceteam ging an das Nachbarschaftszentrum Ostend.

Vier Restaurants haben Ursula Schauffel und Rudolf Dederer für „Main Lieblingsteller 2018“, den Preis der Stadt Frankfurt für die besten Seniorenrestaurants im Stadtgebiet, getestet. „Wir hätten eigentlich nur in zwei Restaurants gehen sollen“, erzählt Rudolf Dederer. „Aber es hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir doch vier ausprobiert haben.“

Die beiden Senioren engagieren sich ehrenamtlich im Frankfurter Bürgerinstitut, das maßgeblich an „Main Lieblingsteller“ beteiligt ist. Dort hätte man ihnen die Aufgabe als Testesser schmackhaft gemacht. Auf einem Fragebogen war festgelegt, worauf die Senioren bei ihrem Besuch in den Restaurants zu achten haben. Anschließend wurde mit Skalen und Kommentaren bewertet. „Dabei ging es zunächst um den ersten Eindruck, also wie die Atmosphäre war, wie die Räumlichkeiten aussahen oder ob und wie wir empfangen wurden“, erklärt Ursula Schauffel. Auch Hygiene und die Erreichbarkeit der Restaurants spielten eine wichtige Rolle.

Alle Seniorenrestaurants befinden sich in Pflegeheimen, sind also keine eigenständigen gastronomischen Betriebe. „Dementsprechend groß waren auch die Unterschiede“, sagt Dederer. Ein bis zwei Stunden haben die Testesser in jedem Restaurant verbracht. Während sich manch einer fühlte wie im Frankfurter Hof, mussten sich andere mit dem Gegenteil befassen. Im Gegensatz zu der gemütlichen Esszimmer-Atmosphäre mit schicker Möblierung im einen Restaurant, speiste man im anderen auf alten Möbeln verstorbener Pflegeheim-Bewohner, wie die beiden Testesser erzählen. In einem Restaurant hätten sie sich gar nicht wohl gefühlt: „Dort war es sehr duster, die Möbel waren unbequem und es kam gar keine Restaurant-Atmosphäre auf“, so Schauffel. „Dafür war das Personal dort aber sehr zuvorkommend“, fügt Rudolf Dederer gleich hinzu. Das sei überhaupt in allen Restaurants, die die beiden Senioren getestet haben, der Fall gewesen – egal, ob Selbstbedienung oder Service am Tisch. So hätte man mancherorts zumindest etwas über die doch noch vorherrschende Pflegeheim-Atmosphäre hinwegsehen können. „Viele dieser Restaurants stehen aber ja auch noch ganz am Anfang“, so Dederer.

Die Idee der Seniorenrestaurants kommt ursprünglich aus den Niederlanden. Seit einigen Jahren sind sie auch in Frankfurt zu finden, getestet wurden sie in diesem Jahr zum ersten Mal. Ziel dieser Restaurants ist es, den Senioren eine Möglichkeit zu geben, kostengünstig, gut und in Gesellschaft Mittag zu essen. In den meisten Seniorenrestaurants ist ein Drei-Gänge-Menü schon für fünf Euro zu bekommen. „Wenn man mal ein bisschen Anspruchsvolleres bekommen will, muss man auch mal mehr zahlen“, sagt Dederer. Die Qualität sei aber in allen Restaurants, die die beiden getestet haben, gut gewesen. „Nur einmal habe ich ein Gericht erwischt, das grenzwertig war, erzählt Dederer. „Das war etwas Vegetarisches – Nudeln mit irgendeinem armen Gemüse.“

Vor ihrem Einsatz als Testesser waren Schauffel und Dederer nie in einem Seniorenrestaurant. „Wir kommen aus dem Westend. Da gibt es so etwas noch nicht“, erzählt Dederer. So haben die beiden auch mal weitere Wege auf sich genommen und Restaurants in Bockenheim, Seckbach, Sossenheim und Fechenheim getestet. „Einmal haben wir auch

Freunde mitgenommen

“, erzählt Ursula Schauffel. „Die wollten erst gar nicht mitkommen.“ Das Wort „Senioren“ erzeuge bei vielen Menschen noch eine Hemmschwelle. Die beiden Testesser hingegen haben Gefallen an dem Konzept der Seniorenrestaurants gefunden. „Ich finde, das ist durchaus eine Alternative zum Italiener nebenan“, so Dederer.

Die Aufgabe als Restaurant-Tester ist den beiden mittlerweile ins Blut übergegangen. „Wir gucken jetzt auch in normalen Restaurants genauer auf diese Kriterien“, sagt Schauffel. Und auch in die getesteten Seniorenrestaurants wollen die Tester noch einmal zurückkehren und sehen, was sich dort verändert hat.

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