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In der Therapeutischen Einrichtung werden alkohol- und drogensüchtige Jugendliche therapiert

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Sie liegt abseits am Ortsrand, die Therapeutische Einrichtung Eppenhain. 1942 junge Leute gingen seit 1983 in die Einrichtung, 51 Prozent haben die Maßnahme planmäßig beendet. Wir haben uns dort umgeschaut.

„Mit jedem Tag hier wächst die Chance, ein drogenfreies Leben führen zu können.“ Robert Frank weiß, wovon er spricht. Er leitet die Therapeutische Einrichtung Eppenhain ganz am Ortsende – da, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Und diese Lage bietet optimale Bedingungen, immer bis zu 30 jungen Menschen zwischen 14 und 20 Jahren den Weg aus dem Drogensumpf zu weisen. Frank nennt ein Beispiel, wie das gelingen kann: mit Zusammenhalt. So müsse jeder bei Aufnahme sein Handy abgeben. „Schon nach zehn Monaten kann man es wieder bekommen“, sagt der Leiter und betont: „Die Gemeinschaft soll hier entstehen. Und ich glaube, wir haben hier eine sehr gute.“

Wie gut – davon haben sich zuletzt viele Besucher überzeugen können. Die Einrichtung arbeitet normalerweise in Ruhe ohne Rummel. Den aber gab es nun bei der Feier zum nicht ganz so runden, aber dafür umso intensiver zelebrierten 35. Geburtstag nach einer bewegten Geschichte (siehe Text unten rechts). Die jungen Bewohner legen sich ins Zeug und untermauern mit ihren schwarzen T-Shirts und der rosa Aufschrift „Yes to real life“ ihre große Motivation. Nach den Festreden ergreift auch ihr Sprecher Julian das Wort. Sie alle seien dankbar für die Chance: „Wir machen die Einrichtung hier zu unserer Einrichtung“, betont er und berichtet offen von den Problemen mit den Drogen: „Die Sucht ist wie ein Schleier. Sie bietet Ablenkung, damit wir nicht merken, wie unsere Träume zerplatzen“, sagt er und erntet lautstarken Applaus. Ebenso wie Gina, die ihren persönlichen Song präsentiert mit Zeilen wie: „Ich habe alles verloren, bin an Drogen fast gestorben.“

Hier in Eppenhain sehen und ergreifen sie fast alle ihre neue Chance. So wie Sofija (15), die durch ihre Abhängigkeit ins kriminelle Milieu rutschte und fast zwei Jahre im Gefängnis gelandet wäre. „Da habe ich mich für zwei Jahre Therapie entschieden.“ Sie möchte hier den Hauptschulabschluss machen und später Sekretärin werden. Auch Alex (19) hat schon klare Pläne, will mal coole Kleidung verkaufen. Mit dem Platz hier in Eppenhain „habe ich mein Leben wieder zurückbekommen“, sagt er offen. Er wohnt in einem Zimmer mit Nils (15), das er beim Rundgang auch den Besuchern zeigt. „Man versteht sich automatisch gut. Man hat ja kein Handy, redet den ganzen Tag miteinander.“ Alex fühlt sich im Haus wohl und weiß: „Wenn man will, dann schafft man das. Man hält hier zusammen.“

Hans Böhl wird solche Worte gerne hören. Er ist Geschäftsführer des Vereins Jugendberatung und Jugendhilfe (JJ), dem Träger der Einrichtung. Bei Fachtagungen alle fünf Jahre im Haus sei es „schön zu sehen, wie sich das entwickelt“. Vor 35 Jahren hatten sich Pioniere daran gemacht „aus dem wilden Haufen eine strukturierte Einrichtung zu machen“. Das sei längst gelungen, lobt Böhl und nennt ein Erfolgsrezept: „Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal: Wir sind immer dieser Zielgruppe treu geblieben.“ Er dankt den gut 30 Mitarbeitern, „dass sie jeden Tag versuchen, diesen Weg mit den Jugendlichen zu gehen“.

Auch Bürgermeister Albrecht Kündiger ist gekommen. „Die Stadt steht zu dieser Einrichtung, sie ist im Ort anerkannt“, betont er. Zumal sie am „idealen Standort“ sei. Er würde sich für das Haus aber mitunter eine höhere Akzeptanz wünschen. „Sie gehen transparent mit der Arbeit um, haben aber nicht die ganz große Zuhörerschaft“, sagt Kündiger, der sich freut, dass JJ die ehemalige Eppenhainer Grundschule nun als Leonie-von-Ossowski-Schule für ihre Zwecke nutzt und erhalten hat.

Robert Frank wiederum lässt die interne Erfolgsgeschichte in Zahlen Revue passieren. 1942 junge Leute gingen seit 1983 in die Einrichtung, 51 Prozent haben die Maßnahme planmäßig beendet. Das sei eine gute Quote, hatte das Haus doch früher größere Probleme mit Abbrüchen. 1986 beendeten nur 27,7 Prozent die Therapie planmäßig, 1988 waren es schon 40, zuletzt 2017 knapp 53 Prozent. Frank: „Die Qualität hat sich aber nicht deutlich verbessert, sondern verändert.“ So würden die Eltern stärker einbezogen. War 1985 ein Besuch an einem Wochenende im Monat möglich, gebe es heute „mehr Freiheiten“. Auch der Drogenkonsum wandelte sich: vom Schwerpunkt Heroin sowie Alkohol und Medikamenten bis heute zu Cannabis bei genau der Hälfte der Fälle. Im Vorjahr machten acht junge Leute einen Schulabschluss, sagt Frank und freut sich unter dem Strich über die interne Bewertung der Jugendlichen mit der Note 2,1. „Wir arbeiten daran, dass es mindestens so bleibt.“

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