Nur noch Rinnsale

Trockenheit setzt den Flüssen und Bächen zu

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Ein, zwei Gewitter in der vergangenen Woche – das war es schon wieder. Seit einigen Tagen hat die Sonne mal wieder über dem Taunus das Sagen. Was viele Menschen (noch) freut, bereitet der Natur zunehmend Probleme. Die langwierige Trockenheit lässt auch die Grundwasserspiegel sinken.

17 Zentimeter waren es gestern am Erlenbach in Ober-Erlenbach, 11 am Usa-Pegel Kransberg und 10 bei der Weil am Pegel Rod: Der Wasserstand ist niedrig, selbst die größeren Fließgewässer im Taunus sind zu schmalen Rinnsalen geworden. Kleinere Bäche sind bereits trockengefallen oder stehen kurz davor. Und auch wenn in Weilrod oder Grävenwiesbach vergangene Woche einiges runterkam (im Vordertaunus mal wieder nichts): Der Regen sorgte nur für einen kurzen Ausschlag bei den Pegeln.

Im Sommer ist das in einem Mittelgebirge wie dem Taunus nicht ungewöhnlich, doch in diesem Jahr ist die Entwicklung dazu geeignet, Sorgenfalten zu erzeugen. Denn eigentlich sollten die Bäche jetzt noch von den Niederschlägen des Frühjahrs gespeist werden, die nach ihrem Weg durch den Boden mit einiger Verzögerung als Quellwasser wieder zutage treten. Doch nach einem viel zu feuchten Winter blieben die Niederschläge nach einem extrem trockenen Februar hessenweit hinter den Erwartungen zurück, wie ein Blick auf die Daten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zeigt.

Im Juni fiel weniger als halb so viel Niederschlag wie im langjährigen Monatsmittel. Und dabei sind die Unwetterereignisse eingerechnet, die zwar für Überflutungen sorgten, bei denen sich das Wasser einen schnellen Weg talwärts sucht, aber kaum versickert. Beispiel Usingen: Seit dem 1. Juni verzeichnete die Messstelle in der Buchfinkenstadt zwar 42,4 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter (normal wären allerdings um die 90), fast 35 davon kamen allerdings an den beiden Unwetter-Tagen am 9. und 11. Juni runter. Zwischen dem 15. Juni und dem 4. Juli sind gerade einmal 0,03 Millimeter Niederschlag gemessen worden. Das entspricht dem Volumen eines großzügig gefüllten Schnapsglases – in drei Wochen.

Vergangenen Donnerstag gab’s dann wieder 21 Liter auf den Quadratmeter. Aber bevor sich die Poren im Boden öffnen konnten, war der Großteil des Wassers Richtung Nidda abgeflossen. . . Seitdem: nichts mehr.

Die Trockenheit hat Folgen. Die Waldbrandgefahr ist erhöht, die Felder und Wiesen präsentieren sich gelb wie im Spätsommer. Bei Neu-Anspach, Usingen und Seulberg mussten die Feuerwehren zu Feldbränden ausrücken.

An der Weil war bereits die erste große Rettungsaktion vonnöten: 800 Fische wurden aus der oberen Weil gefischt und bei der Audenschmiede wieder in den Fluss gesetzt. Im unteren Erlenbach drehen Fische in den letzten tiefen Stellen ihre Runden.

Und auch der Grundwasserpegel beginnt zu sinken. Frühindikator ist aufgrund ihrer Lage die Gemeinde Weilrod. Marcel Herchen, dortiger Wassermeister, beobachtete die Situation schon vergangene Woche mit Sorge. „Der Rückgang ist jetzt schon deutlich. Wenn es nicht bald Regen gibt, müssen wir uns Gedanken machen . . .“ Denn die jetzige Trockenheit macht sich erst verzögert bemerkbar. „Bei einer Schürfung dauert es ein bis zehn Tage, bis das Wasser ankommt, bei einem Tiefbrunnen können es 50 bis 80 Tage sein.“ Gestern wandte sich dann auch Bürgermeister Götz Esser (FWG) an seine Weilroder und forderte sie auf, sparsam mit dem Wasser umzugehen.

In Wehrheim hingegen mussten bereits erste

Fakten geschaffen

werden. Eine Wasserzapfstelle für Landwirte wurde außer Betrieb gesetzt – dort wo sie ihr Wasser bezieht, wird auch das Wehrheimer Schwimmbad gespeist. Unter anderem in Grävenwiesbach und Kronberg bitten die Verwaltungen: Bitte sparsam mit dem Wasser umgehen. „Insbesondere sollte wasserverzehrende Maßnahmen, wie zum Beispiel auf das Füllen von Schwimmbädern oder das Bewässern von Rasenflächen verzichtet werden.“

Vergangene Woche hatte sich das Regierungspräsidium Darmstadt zu Wort gemeldet – mit einer Verfügung, die das Schöpfen von Wasser aus Bächen und Flüssen untersagt. Kleingärtner oder Landwirte dürfen sich vorübergehend nicht mehr aus den Gewässern bedienen. „Das normalerweise zulassungsfreie Entnehmen von Wasser aus den Bächen ( . . .) des östlichen Vordertaunus ( . . .) und der Weil sowie deren Seitengewässern ist bis auf Weiteres unzulässig.“ Das HLNUG geht weiterhin von sinkenden Wasserständen aus. Da passt es gut ins Bild, dass die Wassermeister im Wasserbeschaffungsverband Usingen für heute zum Pressegespräch geladen haben – sie wollen zum Wassersparen aufrufen.

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