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Die Traditionsgaststätte in der Berger Straße ist nach wie vor ein beliebtes Ziel in Bornheim.

Lokalsterben

Verkauf der Sonne: "Der Biergarten könnte bebaut werden"

Das Gasthaus steht zum Verkauf: 2,5 Millionen Euro will die Eigentümerfamilie Lorz dafür haben, liest sich in einer Immobilienanzeige.

„Wieder macht ein Traditionslokal zu“, ist der Tenor auf der Oberen Berger Straße. 2012 war das 300 Jahre alte Apfelweinlokal „Zur Eulenburg“ in der Eulengasse 46 geschlossen worden. Vor gut drei Jahren ist auch das „Himalaya-Laternchen“ weggezogen, kurz darauf die Bar „Chaplin“. Und vor einem Jahr hat der „Gickelschlag“ dichtgemacht. Nun soll ausgerechnet das Restaurant „Zur Sonne“ folgen, das älteste und größte Apfelweinlokal überhaupt an der Berger Straße mit einem Garten, der normalerweise 350, zu besonderen Anlässen bis zu 1000 Gästen einen Platz bietet.

Seit drei Jahrzehnten ist die „Sonne“ im Besitz der Betreiberfamilie Lorz. Diese wolle das Restaurant aus Altersgründen aufgeben, heißt es. Einer der Wirte sei vergangenes Jahr aus dem Vertrag ausgestiegen und habe ein benachbartes Lokal übernommen, ist aus Bornheim zu vernehmen.

„Es wäre traurig, wenn wir dieses Jahr nicht mehr zur Fußball-WM im Biergarten sitzen könnten“, sagt Anwohner Thomas Becker, der seit 20 Jahren von seinem Balkon aus den unverstellten Blick in den Garten des Lokals mit den alten Platanen genießt. Die hat inzwischen 1600 Unterzeichner. Wenn er 4000 Unterschriften gesammelt hat, will er diese Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) überbringen. „Wenn das nichts nützt, überlege ich mir, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten, so dass die Bornheimer das Areal eben selbst kaufen“, sagt Becker, halb im Scherz, halb ernst.

Die Messlatte liege bei 2,5 Millionen Euro allerdings sehr hoch. „Das ist ein knackiger Preis“, findet auch Michel van Goethem von der Interessengemeinschaft Gastronomie Obere Berger Straße. Ob man überhaupt noch jemanden suche, der die Bewirtschaftung übernimmt, hält van Goethem angesichts des stolzen Preises für fraglich. In der „Sonne“ selbst will man sich nicht weiter äußern: Eine Schließung stehe erstmal nicht bevor, man habe gerade 20 Bierbänke neu bestellt, hieß es auf Anfrage.

Die Anzeige des Immobilienunternehmens Zipf aus Gelnhausen wird deutlicher: Wenn der Käufer des 1305 Quadratmeter großen Grundstücks mit der Tradition brechen und keinen Gasthausbetrieb fortführen wolle, „dann ist es durchaus denkbar, die kompletten gastronomischen Flächen und Nebengebäude zu Wohnraum umzubauen“, heißt es im Anzeigentext. Ausbaureserven in den Dachgeschossen seien vorhanden. Und: „Der große Biergarten könnte neu bebaut werden – behördliche Genehmigung vorausgesetzt.“

Bernhard Ochs, Stadtverordneter und Vorsitzender des Fördervereins historisches Bornheim, bedauert den Verkauf: „Für uns Bornheimer ist die Sonne so etwas wie für den Innenstädter der Dom“, sagt er. Beim Frankfurter Denkmalamt hätten bereits Interessenten angefragt, ob der Hof bebaubar sei. Das konnte die Leiterin des Frankfurter Denkmalamtes, Andrea Hampel, auf Anfrage nicht bestätigen, wohl aber, dass die Gebäude denkmalgeschützt sind. Die Gaststätte ist ein sogenanntes Einzelkulturdenkmal, das im hessischen Denkmalschutz als besonders hoch gewertet wird.

Dies bedeute aber nicht, dass zum Beispiel an der Nutzung der Immobilie nichts geändert werden könne, so Hampel. „Die Frage ist immer, was sich verändert“, sagt Hampel. Die Großmarkthalle im Frankfurter Ostend, in der die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Sitz hat, konnte der Status als denkmalgeschütztes Gebäude nicht vor umfassenden Umbauten bewahren.

Immerhin ist das Ensemble der „Sonne“ als Gastronomiebetrieb offenbar sehr gut in Schuss und könnte problemlos weitergeführt werden: Laut Anzeige wurde es „fortlaufend in den letzten 28 Jahren in Schuss gehalten. Alle behördlichen Auflagen (wie auch Brandschutz) zum laufenden Betrieb sind erfüllt“.

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