Ortsbegehung

Verkehr und enge Gehwege machen Anwohnern in Ruppertshain Sorge

Mal richtig Dampf ablassen: Der neugegründete Verein „Stimme für Ruppertshain“ lud zu seiner ersten öffentlichen Veranstaltung ein. Bei einer Ortsbegehung mit Bürgermeister Albrecht Kündiger konnten die Ruppertshainer auf Mängel im „Bergdorf“ hinweisen.

Dass der Gärtnerweg vorläufig keine Einbahnstraße mehr ist, sorgt bei vielen Anwohnern für Unbehagen: „Wir warten nur auf den ersten Crash“, sagt Elfriede Dieth. Die Anwohnerin ist sichtlich aufgebracht. „Hier achtet kaum einer auf die Geschwindigkeitsbegrenzung. Die Straße ist so steil, dass man von unten kommend den Verkehr nicht einsehen kann“, beschwert sie sich. Gefährlich werde es vor allem, wenn große Baufahrzeuge hier entlang fahren würden. Verkehr und Parksituationen generell sind ein heißes Thema: Die zu engen Gehsteige, die vielen Autos am Straßenrand und das Missachten des Tempo-30-Limits bewegt die 25 Anwesenden besonders. „Die Bürgersteige sind für mich als Rollstuhlfahrerin problematisch“, sagt Ulrike Brock. Die 64-Jährige lebt erst seit zwei Jahren hier und obwohl es ihr sehr gut gefalle, habe sie schon mit dem Gedanken gespielt, wieder wegzuziehen. Die Gehsteig- und Bushaltestellensituation bezeichnet sie für Gehbehinderte als „Katastrophe“.

Doch auch für Kinder bergen die schmalen Bürgersteige eine Gefahr, vor allem, wenn an manchen Tagen die Mülltonnen noch draußen stehen oder es stark geschneit hat. Dass sich hier etwas ändern muss, ist unter anderem ein großes Anliegen von Peter Lachmund. „Betroffen ist hier vor allem das Gebiet Ludwig-Schäfer-Weg, Rosenwald, Rosenweg, Promenade.“ Der Familienvater ist froh, dass die Ortsbegehung stattfindet und weiß das Engagement zu schätzen.

„Die Ortsbegehung ist längst überfällig“, sagt Stadtverordnetenvorsteher Wolf-Dieter Hasler, einer der Initiatoren der „Stimme für Ruppertshain“. Allerdings müsse der Verein, der als Schnitt- und Anlaufstelle zwischen Bürgern und Stadt fungieren möchte, sich noch richtig etablieren. Mit erst elf Mitgliedern sieht es eher noch etwas mau aus. Die Anlaufschwierigkeiten bereiten vor allem dem Vorsitzenden Thomas Zellhoder Bauchschmerzen. Dennoch: Mit der Anzahl derjenigen, die bei der Ortsbegehung dabei sind, sei er mehr als zufrieden. Und aus den Reaktionen der Anwesenden schließt der Vorsitzende: „Der Bedarf ist da.“

In einer ersten Umfrage Ende vergangenen Jahres, an der rund 35 Ruppertshainer teilnahmen, geht deutlich hervor, wo im „Bergdorf“ der Schuh drückt: Die Parksituation, der Zustand sowie die Verkehrsbelastung in der Robert-Koch-Straße und in der Wiesenstraße stehen mit 69,44 Prozent und 63,89 Prozent ganz oben auf der Liste. Auch bemängelten die Befragten die Einkaufsmöglichkeiten, die Öffnungszeiten der Post oder die ärztliche Versorgung. „Es gibt einige Themen, an denen wir nichts ändern können“, weiß Zellhofer. Es gebe einige Stolpersteine und man müsse sich fragen, welche Projekte man zuerst angehe, welche Ziele realistisch seien. Bürgermeister Kündiger hält fest, er möchte von den Ruppertshainern auf Problemstellen hingewiesen werden, erklärt aber im selben Zug: „Die Robert-Koch-Straße ist eine Landesstraße, weshalb hier das Land Hessen für Sanierungs- und Ausbauarbeiten zuständig ist.“

Auch die Frage nach der erweiterten Nutzung der katholischen Kirche als Kindergarten bleibt nicht aus. Kündiger verspricht, es werde hierzu noch einen gesonderten Termin geben, und sagt: „Traditionell ist es in Kelkheim so, dass die Kindergärten in kirchlichen Händen liegen.“ Eine erweiterte, sinnvolle Nutzung der – aufgrund der vom Bistum gestrichenen Heizgelder – derzeitigen „Sommerkirche“ solle das Gebäude vor einem möglichen Abriss bewahren.

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