Mit ihrer Kamera kamen viele Straßenbahnfreunde, um noch einmal das Flair der alten Wagen einzufangen.
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Mit ihrer Kamera kamen viele Straßenbahnfreunde, um noch einmal das Flair der alten Wagen einzufangen.

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VGF: So sahen die alten Frankfurter U2-Bahnen aus

Nach über 20 Jahren Dienstzeit entlässt die VGF die alten Ptb-Wagen in den Ruhestand. Zu ihren Ehren gab es Sonderfahrten, die Hunderte Bahnfans an die Gleise zog, um in Erinnerungen zu schwelgen und dem eigenen Flair der Züge nachzuspüren. So ganz auf dem Abstellgleis verschwinden die Ptbs aber nicht.

Die Spannung steigt. Dann gibt Papa das Startsignal. „Jetzt, los. Da kommt sie“, ruft er und reißt seine Kamera nach oben. Seine beiden kleinen Jungs versuchen dem Vater zwar auf sein Aufregungsniveau zu folgen, haben aber kaum eine Chance. Schließlich fährt da nur eine U-Bahn in der Haltestelle Zoo ein. Ob es ein U2-, ein Ptb-, ein Pt-Wagen oder einer von den neuen U 5ern ist, spielt für sie keine Rolle. Einer der Söhne hält noch sein Handy hoch und macht ein Foto. Der andere aber findet die Werbetafel am Bahngleis interessanter.

Drinnen in der Bahn – sie gehört zur Baureihe U2 – fühlt man sich ein paar Jahre in der Zeit zurückversetzt. Was dieses Gefühl genau auslöst, lässt sich mit Worten schwer fassen. Der Herr Papa, der Bob Spaine heißt und 46 Jahre alt ist, erklärt es sich mit den Erinnerungen aus seiner Jugendzeit. Die verbindet er mit den alten Zügen. Darum können die Kinder seine Begeisterung auch nicht teilen. „Sie sind eben nicht damit aufgewachsen“, sagt er. Die Bahn hält an der Konstablerwache, viele Menschen drängen sich in den schmalen Eingang. Spaine schiebt seinen Kinderwagen im engen Gang hin und her, um ein paar Zentimeter mehr Platz zu machen. Wegen einer Haltestange direkt vor dem Einstieg ist das nicht so einfach. Dennoch sagt der Vater: „Die alten Wagen sind viel bequemer.“ Wegen der Sitze mit den Lederbezügen und auch weil man die oberen Fenster ankippen kann. „Ich finde, heute endet eine Ära.“

Spaine spricht von den Ptb-Bahnen der Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF). Die wurden am vergangenen Samstag aus dem Betrieb verabschiedet. Zwischen Enkheim und Heerstraße gab es zu ihren Ehren Sonderfahrten im 20-Minuten-Takt. Mit dabei waren auch die U 2-Wagen, die schon 2016 in den Ruhestand geschickt wurden.

Wer bei den Wagenbezeichnungen nur Bahnhof versteht, den setzt Sascha Gerbl auf das richtige Gleis. Er ist Betriebsplaner bei der VGF, organisierte die Sonderfahrten mit und ist ein leidenschaftlicher Straßenbahnfan. „Die Baureihen von U-Bahnen werden mit Zahlen geordnet“, erklärt er. „Die U 2 ist also die zweitälteste Baureihe.“ Er zeigt aus dem Fenster. Ein neueres U-Bahn-Modell hält gerade auf dem Nachbargleis. „Das ist eine U 5. Das sind die neusten. Unser Mercedes.“ Und Ptb- beziehungsweise Pt-Wagen? „Die wurden als Straßenbahnen gebaut“, sagt Gerbl. „Frankfurt setzte sie aber im U-Bahn-Netz ein. Da steht das P für die Baureihe, das t für tunnelfähig und das b für breit.“

Das markanteste Merkmal der alten Ptb-Wagen sind nämlich die kleinen Kästen unter den Türen. In Kennerkreisen werden die auch „Blumenkästen“ genannt. Stufen könnten aus ihnen herausfahren, wenn die Frankfurter Bahnsteige nicht hoch genug wären. Die Kästen hatte man angebaut, damit die 2,35 Meter breiten Wagen an denselben Bahnsteigen halten konnten wie die 2,65 Meter breiten U-Bahn-Wagen moderneren Typs.

Auch Gerbl bedauert ein wenig, dass die alten Züge nun aus dem Verkehr gezogen werden. Ihren eigenen Flair gewinnen sie für ihn aber nicht durch Erinnerungen. Gerbl ist erst 21. „Es ist ihre Robustheit“, sagt er. Die Wagen gebe es seit den 60er Jahren. Dass sie einfach nicht kaputt zu bekommen sind, merke man ihnen an. „Allerdings sind sie eben nicht barrierefrei, deshalb muss man sie austauschen. Auch wenn die neueren Züge nie so lange halten werden.“

Spaine und Gerbl sind bei weitem nicht die einzigen, die der Abschied an die Bahnsteige gezogen hat. An jeder Haltestelle stehen Männer mit ihren Fotoapparaten im Anschlag.

Einer davon ist Sascha Germeroth (29). In den Ptb-Wägen hat sein Vater ihn immer in den Kindergarten gebracht. Auch Germeroth findet die alten Züge bequemer. Ihren Flair macht aber eher etwas anderes aus. „Sie sind ein Symbol für eine bessere Zeit“, sagt er. Damals sei generell alles geordneter gewesen. „Die Sitze seien da nur ein Beispiel.“ Früher habe es nicht so viel Vandalismus gegeben. Darum konnte man die weichen Sitze mit Leder beziehen. „Heute wären die sofort aufgeschlitzt, weshalb es in neuen Bahnen nur Plastiksitze mit Stoffbezug gibt.“

So ganz werden die Ptbs aber nicht aus dem Stadtbild verschwinden. „Bei zwei Zügen werden die Blumenkästen abgebaut“, sagt Gerbl. „Die Wagen werden dann als Straßenbahnen auf der Linie 15 eingesetzt.“ Manche Bahnfans wird das beruhigen. Ihre Erinnerungen gehören schließlich nicht aufs Abstellgleis.

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