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Ideenschmiede: Das Projekt ?Alive? ging im Bockenheimer Treff in die zweite Runde: Eine Stadtteilkonferenz soll Anregungen bringen.

Projekt

Viele Ideen bei der ersten Mitmach-Konferenz des Projekts „Alive“

Die Bedürfnisse von älteren Menschen erfassen und Altenhilfen in den Quartieren etablieren: Darum geht es bei dem Projekt „Alive“. Gestern fand zum Auftakt eine Mitmach-Konferenz in Bockenheim statt.

Wie leben ältere Menschen in Bockenheim? Welche besonderen Bedürfnisse haben sie? Und was kann getan werden, um ihnen das Älterwerden zu erleichtern? Um diese und andere Fragen zu beantworten, fand gestern Nachmittag im Bockenheimer Treff des Frankfurter Verbandes die erste Mitmach-Konferenz des Projekts „Alive“ statt. Rund 25 Interessierte und Senioren aus dem Stadtteil waren gekommen und haben Themen erarbeitet, die sie besonders interessieren – und miteinander diskutiert.

Eine Teilnehmerin war Anette Mönich. Sie ist 66 Jahre alt und lebt seit 36 Jahren in Bockenheim. „In einer Wohngemeinschaft“, sagt sie. Seit 50 Jahren sei das ihre bevorzugte Wohnform. Dass das Thema Wohnen ein wichtiges gerade auch für ältere Menschen ist, weiß sie aus ihrer Arbeit im Stadtteilbüro Bockenheim. „Mehr als 50 Prozent der 60-Jährigen leben in Bockenheim in Single-Haushalten“, weiß Mönich. Gerade für diejenigen, die keine Verwandten oder enge Freunde greifbar hätten, sei es besonders wichtig, dass soziale Kontakte und die soziale Verbundenheit im Stadtbezirk gestärkt würden. Denn viele Senioren seien von Einsamkeit bedroht.

Ivy Wollandt vom Frankfurter Verband, der das Pojekt „Alive“ in Bockenheim vorantreibt, und Nadine Konopik vom Forum für interdisziplinäre Alternsforschung der Goethe-Universität, das das Projekt wissenschaftlich begleitet, stellten den Teilnehmern zunächst das Konzept von „Alive“ vor. Anschließend wurden Themengebiete gesammelt, die die Senioren in Bockenheim besonders interessieren. Unterstützung im Alltag wurde da beispielsweise genannt, ebenso wie Informationen über Angebote, kulturelle Teilhabe bei geringem Einkommen und mehr Wertschätzung gegenüber alten Menschen.

„Man müsste mehr machen, um der heutigen Jugend bewusst zu machen, dass auch sie irgendwann alt werden“, sagt eine Teilnehmerin. „Leider ist die Gesellschaft mittlerweile sehr verroht.“ Die Teilnehmerin ist 74 Jahre alt und lebt alleine. Sie habe Glück, dass in dem Mehrfamilienhaus, in dem sie wohnt, die Bewohner aufeinander achtgeben. „Gerade heute hat ein Nachbar bei mir geklingelt, weil er einen lauten Schlag gehört und gedacht hat, dass ich gestürzt bin.“ Doch das sei heutzutage nicht mehr selbstverständlich. „Ich weiß nicht, ob das nur in der Stadt so ist, oder auch auf dem Land“, sagt sie.

Ein anderes Thema, das die 74-Jährige interessiert, ist die Sicherheit der Fahrradwege. „Ich würde gerne noch Rad fahren, aber die Wege sind oft kaputt und andere Radfahrer fahren oft viel zu schnell“, sagt sie. Auch da vermisst die Seniorin wieder die gegenseitige Rücksichtnahme. „Jeder wird einmal alt. Und wenn man dann noch Fahrradfahren kann, ist das ja eigentlich ein Grund zur Freude.“

Ziel des Projekts „Alive“, das ausgeschrieben „Altern gemeinsam verantworten“ bedeutet, ist der Aufbau einer quartiersbezogenen Altenhilfe. „Frankfurt bietet unfassbar viel für seine Bürger an“, sagt Wollandt vom Frankfurter Verband. „Doch die Informationen darüber sind schwierig zu bekommen.“ Eine zweite Mitmach-Konferenz findet heute um 14 Uhr im Hofgut Goldstein, Tränkweg 37, statt.

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