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Gläubige beim Sonntagsgebet im Gurdwara Sikh Center in Frankfurt.

Ausstellung

Vielfalt der Religionen: Haus am Dom zeigt neuen Bildband in Ausschnitten

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In seinem neuen Bildband "Divercity FFM" (ein Wortspiel aus "City" und "Diversity") dokumentiert der jüdische Fotograf Rafael Herlich die kulturelle und religiöse Vielfalt Frankfurts in einem offenen und friedlichen Zusammenleben.

Barmherzigkeit und Nächstenliebe sollten zu den wichtigen Grundwerten jedes religiösen Menschen gehören. Und wenn man armen Menschen zu einem großen Fest eine Freude machen möchte, sollte man sich zusammenschließen und das Trennende der Religionen überwinden. So wie drei „Street Angel“ (Straßengel), die Weihnachtsgeschenke verteilen.

„Es war mir einfach sehr wichtig zu zeigen, wie Christen, Juden und Muslime gemeinsam Menschen helfen“, sagt Rafael Herlich, Fotograf des Bildbandes „Divercity FFM“. Auf rund 200 Seiten präsentiert er Menschen in Frankfurt, die sich in religiösen Trachten und Ornaten ebenso wie in Uniformen, Kostümen oder Sporttrikots zeigen, um Menschen jeder Herkunft in einem Team zu verbinden.

In den fünf Kapiteln „Eine bunte Vielfalt“, „Der Rat der Religionen“, „Soziale und Verständigungsprojekte“, „Sozial und für Verständigung engagierte Personen“ sowie „Zusammen im täglichen Leben“ dokumentiert Herlich die Vielfalt der in Frankfurt vertretenen Religionen aus 170 Herkunftsländern.

Aber auch wichtige, nämlich um Dialog und Zusammenarbeit bemühte Organisationen. Darunter ist auch der Rat der Religionen, der den aktiven Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen sucht und fördert. Herlich zeigt viele berührende Bilder von Menschen, die beispielsweise gemeinsam den Pokalsieg der Frankfurter Eintracht feiern oder einfach herzlich und unverkrampft miteinander umgehen – so wie zwei ins Spiel vertiefte Kinder, die der Sikh-Religion angehören.

Herlich fotografiert auch prominente Stadtpolitiker, die sich mit dem Judentum als traditioneller, jedoch von Ausgrenzungen und Anfeindungen bedrohter Frankfurter Religion solidarisieren. Etwa den Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU), der sich zum „Kippa-Day“ am 14. Mai mit der männlichen Kopfbedeckung zeigte – schließlich ist Becker auch Kirchendezernent.

Natürlich ist Herlich dabei auch seine eigene Religion ein besonderes Anliegen. „Man merkt aber jedem Foto an, dass Rafael Herlichs Herz für Frankfurt schlägt“, betont wiederum Uwe Becker. Der Betrachter spüre dabei nicht nur die Leidenschaft des Fotografen, sondern könne sich auch sein eigenes Mosaik einer Stadt mit Geschichten und Porträts zusammensetzen, die in kurzen englischen und deutschen Texten lebendig würden, die Herlich übersetzen ließ.

Herlich hat sich auch einen Namen gemacht als Bild-Chronist des jüdischen Lebens, das er bis zum 27. August im Justus-Liebig-Haus in Darmstadt zeigt. Er wurde 1954 in Tel Aviv geboren und kam nach seiner fotografischen Ausbildung 1975 aus Israel nach Frankfurt am Main. Schon bald fand er hier den Anschluss als Fotograf in der Frankfurter Gesellschaft, Politik und Kultur.

Bekannt wurde er aber auch durch zwei große Ausstellungen seiner Arbeiten – „Gwarim“ und „Nashim“ mit Bildern von jüdischen Männern und Frauen, die bereits im Haus am Dom zu sehen waren.

Finanziert werden das Buch und eine Wanderausstellung mit ausgewählten Fotografien über das interreligiöse Förderprojekt „Weißt Du, wer ich bin?“ des Christentums, Judentums und Islams in Deutschland. Über dieses Projekt konnten das Haus am Dom und die Jüdische Gemeinde in Frankfurt eine Unterstützung von 5000 Euro beantragen.

Die Wanderausstellung wird in sechs verschiedenen Frankfurter Gemeinden unterschiedlicher Religion zu sehen sein. Den Beginn macht das Haus am Dom, und zwar vom 6. bis 25. November.

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