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In der Villa Meister ist ein Rehabilitationszentrum des Deutschen Ordens untergebracht. Es wird in zwei bis drei Jahren ausziehen.

Unklare Zukunft

Villa Meister: Gerüchte von Immobilienmaklern machen die Runde

Seit vier Jahren wird über die Zukunft der Meister-Villa gesprochen – ohne Ergebnis. Noch immer ist nicht klar, was mit dem Anwesen passiert, wenn die Reha-Klinik auszieht. In letzter Zeit schießen die Gerüchte ins Kraut: Von Immobilienmaklern in dicken Limousinen ist die Rede.

Immobilienmakler im Park an der Weinbergstraße, Interessenten in dicken Limousinen und eine angebliche Voranfrage bei der Stadt über Baumöglichkeiten etwa entlang der Allesinastraße: Die Gerüchte um einen kurz bevorstehenden Verkauf der Villa Meister haben in den vergangenen Monaten neue Nahrung erhalten. Der Stadt Frankfurt allerdings liege nach wie vor kein konkretes Verkaufsangebot vor, heißt es in einem Zwischenbericht des Magistrats.

Dieser Bericht bezieht sich auf einen Antrag des Sindlinger SPD-Stadtverordneten Sieghard Pawlik aus dem Jahr 2014. Pawlik hatte damals vorgeschlagen, dass die Stadt die Chance zum Kauf der Villa mit dem umgebenden Meister-Park prüfen solle „mit dem Ziel des Erwerbs“. Der Fachklinik Villa unter den Linden solle dadurch eine Bestandsgarantie gegeben werden. Außerdem sei ein Nutzungskonzept für das Gelände unter enger Einbeziehung interessierter Bürger, Vereine und Institutionen zu erstellen. Schließlich seien Villa und Park Bestandteil der deutschen und regionalen Industriegeschichte; die Familie Meister gehört zu den Gründern der Hoechst AG.

Der Magistrat gibt sich jedoch zurückhaltend. Zum einen schränken Denkmalschutz und Naturschutz sowie testamentarische Bestimmungen mögliche Nutzungen ein. Die letzte alleinige Besitzerin, Elisabeth von Meister, hatte verfügt, dass der Park stets für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben solle. Nach ihrem Tod kam die Anlage in den Besitz einer Erbengemeinschaft. Diese lebt nicht im Rhein-Main-Gebiet und möchte das Anwesen verkaufen.

Neben den genannten Einschränkungen sieht der Magistrat wirtschaftliche Probleme. Allein der Meister-Park mit seiner Fläche von rund zwei Hektar komme auf einen Grundstückswert von rund 8,6 Millionen Euro. Die Gebäude seien darin noch nicht enthalten. Eine solche Investition sei zu rechtfertigen, wenn eine wirtschaftliche Anschlussnutzung gesichert sei. Dafür müsse aber eine umfassende Projektentwicklung erfolgen. Die könnten allenfalls städtische Entwicklungsgesellschaften leisten. „Darüber hinaus käme ein Erwerb grundsätzlich aus dem städtischen Interesse am Erhalt der Grünanlage und der historischen Gebäude in Betracht“, heißt es abschließend in dem Bericht; jedoch setze das ein entsprechendes Budget für Kauf, Sanierung und Betrieb der Anlage voraus. Ein solches sei bislang nicht vorhanden.

Der Sindlinger CDU-Vorsitzende Albrecht Fribolin interpretiert das als Absage und ist froh darüber. Damit sei die Ansicht der Sindlinger CDU bestätigt, dass die Villa ohne wirtschaftliche Anschlussnutzung nicht von der Stadt mit Steuergeld erworben werden sollte. Fribolin stellt klar: „Bei aller Liebe der ,alten‘ Sindlinger zur Villa und dem Park: Das Geld kann für andere Bedürfnisse in der Stadt und im Stadtteil besser investiert werden.“

Außerdem gebe es zu viele offene Fragen, findet Fribolin: Niemand wisse, wie eine wirtschaftliche Nutzung des Areals aussehen könnte und ob eine Vermarktung des denkmalgeschützten Anwesens für Wohnungsbau überhaupt möglich sei.

Ob vor diesem Hintergrund an den neusten Gerüchten, die in Sindlingen die Runde machen, etwas dran ist, weiß niemand – zumindest nicht die derzeitigen Pächter. Der Pachtvertrag des Reitervereins sei bereits bis Ende 2019 verlängert worden, heißt es. Und auch in der Villa unter den Linden ist nichts von einer bevorstehenden Kündigung bekannt. Allerdings wird sich die Suchtklinik des Deutschen Ordens in zwei bis drei Jahren aus Sindlingen verabschieden, bestätigt Leiter Johannes Rinnert – das ist schon länger bekannt. Derzeit baut der Orden eine neue Einrichtung in Köppern (wir berichteten). Wenn sie fertig ist, soll das für moderne Ansprüche wenig geeignete Haus aufgegeben werden.

Sieghard Pawlik ist mit dem Magistratsbericht nicht zufrieden. Er wundert sich über die „völlig unverständliche Passivität“ der Stadtoberen und will das Thema in zwei Wochen im Planungsausschuss erneut auf den Tisch bringen. Pawlik möchte eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Villa und den Park bilden, um Druck auszuüben. „Interessierte können sich gerne an mich wenden“, erklärt er und kündigt an, demnächst zu einer Info-Veranstaltung einzuladen.

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