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Der Wolf ist bereits mehrfach bei Ulrichstein fotografiert worden.

Wölfe

Bestätigt: Wolf reißt neugeborenes Kalb im Vogelsberg

Schon länger streift bei Ulrichstein ein Wolf umher. Und mindestens einmal stand er unter dringendem Verdacht, als ein totes Kalb gefunden wurden. Nun ist er in einem neuen Fall überführt.

Ulrichstein - Der Wolf ist da, wissen die Ulrichsteiner. Bisher haben sie noch gehofft, dass er seinen Appetit auf Frischfleisch nicht an Nutztieren stillt. Nun sind anderslautende Befürchtungen eingetreten. Anfang September fand Landwirt Stefan Rühl in Unter-Seibertenrod ein neugeborenes Kalb tot auf der Weide. Es wies massive Fraßspuren auf, der Rumpf war zwischen Kopf und Hinterbeinen fast ganz aufgefressen, so dass der Verdacht nahelag, dass ein großer Beutegreifer am Werk war.

Die Landwirtsfamilie nahm, wie in solchen Fällen empfohlen, Kontakt mit der Wolfsbeauftragten Susanne Jokisch auf und diese schickte einen Helfer, der eine Genprobe nahm. Der Fall wurde dokumentiert und die Probe zur Untersuchung ans Labor für Wildtiergenetik geschickt, dem deutschen Referenzzentrum für die Wolfsgenetik in Gelnhausen. Dem zuständigen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) liegt nun das Ergebnis vor: Am toten Kalb wurde eindeutig Wolfs-DNA nachgewiesen, das heißt, es wurde von einem Wolf getötet.

Ulrichstein: Woher stammt der Wolf?

Der "Isegrim" wurde seit Mai mehrfach durch Zufallsfotografien und an einem Rehriss auch genetisch nachgewiesen. Weiter wurde er im Rahmen eines aktiven Monitorings (Überwachung) durch Fotofallen des HLNUG und durch Losungsproben (Kot) mehrfach bestätigt. Wenn dasselbe Individuum über sechs Monate in der Region nachgewiesen wird, geht die Landesverwaltung davon aus, dass sich das Tier fest in Hessen niedergelassen hat.

Bisher ist noch nicht bekannt, woher das Tier stammt, sagt Susanne Jokisch. Ebenfalls ist nicht bekannt, ob es sich um ein weibliches oder ein männliches Tier handelt. Im Fall des in Unter-Seibertenrod gerissenen Kalbs spricht Jokisch von einem Zufall bei der Suche nach Nahrung. Der Wolf erkannte das neugeborene Kalb als leichte Beute: "So etwas passiert zufällig, es sollte aber nicht wiederholt passieren." Sie rät allen Landwirten und Haltern, deren Tiere Weidegang haben, die Vierbeiner entsprechend den Vorgaben einzuzäunen, vor allem müsse der Zaun in Kniehöhe unter Strom stehen. Hinweise gibt es über die Landwirtschaftsbehörden und beim zuständigen Ministerium, das auch finanzielle Hilfen für den Zaunbau bereitstellt.

Ulrichstein: Landwirte sind wegen Wolf alarmiert

Den Einwand, Wölfe könnten über die Zäune springen oder sich darunter hindurch graben, will sie nicht von der Hand weisen, spricht aber von Ausnahmen. Ob sich das Tier fest im Kreis niederlässt, das könne zum jetzigen Zeitpunkt keiner sagen. Bisher handelt es sich noch um einen einsamen Wolf. Jokisch führte ein Beispiel aus dem Reinhardswald bei Kassel an, wo ein dort ansässiger Wolf als Junggeselle starb, ohne dass sich ein Weibchen für die Fortpflanzung eingestellt hatte.

Der Wolf ist zurück: Sichtung von Wölfen in Hessen steigt sprunghaft an

Während die Wolfsbeauftragte keiner Panik Vorschub leisten will ("nicht jedes gerissene Tier ist ein Wolfsopfer!"), sind Landwirte und Tierhalter in der Region seit langem schon alarmiert. Dabei wirken die Rühls, Besitzer des toten Kalbs, besonnen und sie machen deutlich, dass sie das Thema zunächst wegen der allgemeinen Aufregung nicht an die große Glocke hängen wollten, "bevor wir nicht Klarheit hatten."

Es war nicht das erste Mal, im vergangenen Spätherbst hatten sie bereits ein Kalb auf ähnliche Weise verloren. Bedrückend für die Tierhalter, die sich auch im Rahmen der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft viel Mühe machen, und dann sei es schon grausam zu erleben, "wie die Tiere zu Tode kommen." Die Landwirte haben vor Jahren einen neuen Stall etwas außerhalb gebaut, dort grenzt der Lohwald an, wo sich der Wolf offenbar aufhält.

Ulrichstein: Wolf kam wohl zwischen 14 und 21 Uhr

Die Weide, wo der Wolf am 3. September beim Umherstreifen aufkreuzte, liegt gegenüber des neuen Stalles unweit des Ortsrandes. Nachmittags gegen 14 Uhr sei bei einer Kontrolle noch alles in Ordnung gewesen, um 21 Uhr sah es dann so aus," berichtet Junglandwirt Stefan Rühl und zeigt auf ein Bild mit dem toten Kalb. Der Schaden sei mit Geld nicht zu beziffern.

Bernd Weiß, ebenfalls Tierhalter aus Unter-Seibertenrod, kann in Rage geraten, wenn er an die Gefahr denkt. Man dürfe nicht vergessen, dass der Wolf ein Raubtier ist. Deshalb sei ihm natürlich kein Vorwurf zu machen, "wenn er sich zu Mittag oder Abend in Steak sucht." Weiß, hält ebenfalls Mutterkühe, und wenn ein Kalb fehlt, dann sei das im Blick auf den Bestand eine Katastrophe.

Den Hinweis auf wolfssichere Zäune kann er kaum noch hören: "In welcher Welt leben Politiker? Die tun so, als sei der Wolf ein romantisches niedliches Tierchen." Ihm dagegen werde beim Gedanken an den umherziehenden Wolf angst und bange. Für ihn steht fest: "Der Wolf gehört nicht hierher!". Zudem macht ihm Sorge, dass sich das Tier nicht im Wald versteckt, "sondern dass er sichtbar ist." Das könne auch für Menschen zur Gefahr werden, etwa für Spaziergänger mit Hunden.

ks

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