Zusammenarbeit

Volkshochschule stellt Kinderbetreuung während der Integrationskurse

Die Kreisvolkshochschule, das Diakonische Werk und der Kreis Groß-Gerau sorgen gemeinsam für die Kinderbetreuung, um Eltern kleiner Kinder die Teilnahme an Sprach- und Integrationskursen zu ermöglichen.

Die sechs Kleinkinder unter drei Jahren werden sich gewundert haben, warum vergangenen Mittwoch so viele Erwachsene zwischen den beiden Betreuern herumsprangen und einen neugierigen Blick in die Räume unterm Dach des Bildungszentrums Schützenstraße der Kreisvolkshochschule (KVHS) in Groß-Gerau warfen. Sie konnten sicher noch nicht begreifen, welch komplexer Überlegungen es bedurfte, um ihre Betreuung sicherzustellen und ihren Eltern, vor allem den Müttern, den Besuch eines Integrationskurses an der KVHS Groß-Gerau zu ermöglichen.

Wie es in einer Mitteilung aus dem Kreis heißt, werde diese Kinderbetreuung an der KVHS in Zusammenarbeit mit dem Kreis Groß-Gerau (Fachdienst Kindertagesbetreuung) und dem Diakonischen Werk Groß-Gerau/Rüsselsheim seit Mai 2018 umgesetzt. Sie überbrücke eine Versorgungslücke der normalerweise durch die Kommunen geleisteten Kinderbetreuung.

„Dem Kreis Groß-Gerau ist es wichtig, die Lücke zu schließen, die entsteht, wenn gerade kein Betreuungsplatz in einer öffentlichen Kindertagesstätte frei ist, die Eltern aber Deutsch lernen und einen Integrationskurs besuchen wollen. Wir freuen uns, dass hier an der Kreisvolkshochschule ein Pilotprojekt gestartet ist, das hessenweit ein Signal setzt“, sagte Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer bei einem Pressetermin im Bildungszentrum Schützenstraße. Ein gutes Jahr hätten die drei beteiligten Stellen daran gearbeitet, ein passendes Modell zu entwickeln.

Auch KVHS-Leiter Heinrich Krobbach machte deutlich, dass das, was auf den ersten Blick selbstverständlich klingt, sich in der Praxis als eine komplexe Puzzlearbeit erweise. Er lobte die engagierte Zusammenarbeit der drei Stellen, fand aber zugleich kritische Worte darüber, dass es solcher Konstrukte bedürfe, um das finanzielle Risiko aufzufangen.

Zwar finanziere das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration (BAMF) die Kinderbetreuung nach Stundenaufwand, komme aber nicht für die Fälle auf, in denen Mutter oder Kind von der Betreuung abspringen – wegen Krankheit, weil sie doch noch einen kommunalen Platz oder eine andere Betreuungsmöglichkeit gefunden haben oder wegen anderer Gründe: „Die Träger bleiben dann auf ihren Kosten sitzen.“

Der Leiter des Regionalen Diakonischen Werkes Groß-Gerau/Rüsselsheim, Lucien Lazar, begrüßte die finanzielle Hilfe des Kreises und die Zusammenarbeit mit der KVHS: „Viele Zahnräder greifen hier ineinander, von der Platzvergabe über die sorgsame Eingewöhnung der Kinder bis hin zum geeigneten Kurs für die Eltern, so dass alles passt.“

Die Betreuung erfolgt durch eine Fachkraft des Diakonischen Werks, pädagogisch begleitet durch Claudia Hubrich, die wiederum von Dagmar Richter, Leiterin des Fachdiensts Kindertagesbetreuung des Kreises Groß-Gerau, bei der Auswahl und Schulung des pädagogischen Personals unterstützt werde. Dass es um weit mehr geht, als Neuzugewanderten im Integrationskurs die Sprache und Kultur Deutschlands näherzubringen und die Kinder zu betreuen, fasst Walter Astheimer so zusammen: „Neu Zuwandernde gewinnen durch diese gute Zusammenarbeit des Kreises mit den Trägern Einblicke in ein System, das trotz der komplizierten Sachlage funktioniert, das zuverlässig ist und die Familie ein gutes Stück weit in Deutschland oder sogar im Falle einer Rückkehr in ihrem Heimatland begleiten wird.“

Aktuell erfolgt die Kinderbetreuung bei der KVHS Groß-Gerau parallel zu einem Frauen-Integrationskurs und einem Kurs für Zweitschriftlerner/innen: Das sind Menschen, die in einer fremden Schrift lesen und schreiben können, aber nicht mit dem lateinischen Alphabet vertraut sind. Der Fachbereich Sprachen und Grundbildung an der KVHS Groß-Gerau organisiert die Belegung und vergibt bei der Sprachberatung den Betreuungsplatz und führt eine Warteliste.

Fachbereichsleiterin Silvia Parra Belmonte resümiert: „Eltern können hier nicht nur auf eine verlässliche Kinderbetreuung zurückgreifen und ihr Wissen erweitern, sondern sie gewinnen Vertrauen: in dem Sinne, dass sie und ihre Kinder hier angenommen werden.“

Die Kreisvolkshochschule ist Anlaufstelle für die Eltern, die einen Sprach- oder Integrationskurs besuchen wollen. Interessierte können sich an das KVHS-Servicebüro in der Hauptstraße 1 in Groß-Gerau wenden (0 61 52 18 70-0) und sich direkt mit dem Fachbereich Sprachen und Grundbildung in Verbindung setzen. red

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