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Hier auf diesen Äckern zwischen Praunheim, Niederursel und Steinbach soll nach Vorstellungen des Frankfurter Magistrats das neue Baugebiet, die ?Josefstadt?, entstehen.

Landtagswahl

Wahlkreis 35: Die "Josefstadt" sorgt für Zündstoff

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„Josefstadt“, so heißt nicht nur der kleinste Stadtbezirk Wiens, so wird im Volksmund auch das geplante Baugebiet östlich und westlich der Autobahn  5 zwischen Praunheim und Steinbach genannt. Der Name geht auf Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zurück, der sich trotz aller Widrigkeiten für die neue Siedlung im Nordwesten der Stadt starkmacht.

„Josefstadt“, so heißt nicht nur der kleinste Stadtbezirk Wiens, so wird im Volksmund auch das geplante Baugebiet östlich und westlich der Autobahn  5 zwischen Praunheim und Steinbach genannt. Der Name geht auf Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zurück, der sich trotz aller Widrigkeiten für die neue Siedlung im Nordwesten der Stadt starkmacht.

Gut eineinhalb Jahre ist es nun schon her, dass die schwarz-rot-grüne Römer-Koalition in Person von Mike Josef, Bürgermeister Uwe Becker (CDU) und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) die Ideen für den geplanten neuen Stadtteil entlang der Autobahn präsentierte. Auf 550 Hektar sollen dort auf heutigen Äckern zwischen 8000 und 12 000 Wohnungen für etwa 30 000 Menschen entstehen. Die Fläche ist fast doppelt so groß wie der Riedberg.

Ohne Probleme ist der Stadtteil aber nicht: Da ist die sechsspurige Autobahn, die das Areal zerschneidet, und eine Starkstromtrasse. Und dann ist da natürlich noch der Widerstand, der sich schnell formierte. Politiker der Nachbarkommunen sprachen sich ebenso gegen das Projekt aus wie Landwirte, Bürger und sogar Klimaforscher, die durch Häuser an dieser Stelle schlechte Luft für Frankfurt prognostizieren. Selbst CDU-Politiker aus Frankfurt stehen nicht hinter dem neuen Stadtteil. Einige sprechen sich für eine Bebauung lediglich östlich der Autobahn aus.

Veljko Vuksanovic, der Landtagskandidat der CDU im Wahlkreis 35, geht noch einen Schritt weiter. Der stellvertretende Ortsvorsteher im Ortsbeirat 7 lehnt das neue Baugebiet komplett ab. Und das hat Gründe: „Bereits heute staut sich der Verkehr von der Nordweststadt über Praunheim bis Sossenheim“, argumentiert Vuksanovic. Die öffentlichen Verkehrsmittel hätten keine weiteren Kapazitäten. Durch die Versiegelung der Ackerflächen wären Überschwemmungen durch Starkregen und Sturzfluten programmiert. „Ich bin für eine behutsame Weiterentwicklung der Frankfurter Stadtteile“, sagt Vuksanovic. „Aufgrund des großen Zustroms von Menschen nach Frankfurt brauchen wir Baumaßnahmen, die innerhalb kürzester Zeit verwirklicht werden können. Eine seelenlose Trabantenstadt lehne ich ab.“

Ebenfalls kein Fan von der geplanten Josefstadt ist Olaf Schwaier von der AfD. Viel lieber möchte er sich für eine Verbesserung der Lebensqualität in ländlichen Regionen einsetzen, um eine Ursache der Landflucht zu reduzieren. Dazu würde sowohl die vollständige Breitbandversorgung Hessens innerhalb von drei Jahren gehören. Zudem müsse das Schließen von Schulen, Kitas und Krankenhäusern auf dem Land hinterfragt werden. Die übrigen Landtagskandidaten hingegen befürworten das neue Baugebiet – schon allein, um den Wohnungsmangel in der Stadt zu bekämpfen. Gernot Grumbach (SPD) sagt: „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum.“ Janine Wissler (Linke) mahnt an: „Wichtig wäre aber, weder die Fehler der Großsiedlungen der Sechziger zu wiederholen noch die des Riedbergs. Es braucht eine gute soziale Mischung, einen hohen Anteil von Wohnungsbebauung statt Reihenhäuschen – und die Infrastruktur muss stehen, bevor die Menschen einziehen.“ Miriam Dahlke (Grüne) weist darauf hin: „Eine Bebauung darf nur mit einer gleichzeitigen und guten Verkehrsanbindung, Infrastruktur und einem lebenswerten Umfeld realisiert werden. Eingriffe in die Umwelt müssen minimiert und Frischluftschneisen berücksichtigt werden.“

Auch Sebastian Papke (FDP) spricht sich für die Josefstadt aus, bemängelt allerdings das Vorgehen der Stadt Frankfurt: „Unsere Nachbarn wurden nicht frühzeitig in die Planungen mit eingebunden. Wir brauchen Partnerschaften und keine Feindschaften.“ Um dem Wohnungs- und Verkehrskollaps in der Metropolregion zu entgehen, brauche man ein gemeinsames Ziel: „Wohnungen schaffen, Lebensqualität erhöhen, Mobilität ermöglichen, Zukunft sichern.“

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