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Warum die Baufirma Fritz ihren 140. nicht mehr feiern wird

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Das Unternehmen Fritz & Sohn hat in der Region einen Namen dank seiner vielen auch kommunalen Auftraggeber. Doch diese Zeiten sind vorbei, die Chefs wollen kürzer treten und hören auf.

„Aufgebaut auf den Leistungen der Vergangenheit, blicken wir trotz aller Schwierigkeiten hoffnungsvoll in die Zukunft.“ Das haben Josef und Lothar Fritz vor vielen Jahren in die Firmenchronik geschrieben. Heute weiß Chef Lothar Fritz: Eine Zukunft wird das traditionsreiche Bauunternehmen Fritz & Sohn nicht mehr haben. Der 140. Geburtstag im nächsten Jahr wird vielleicht auf dem Papier noch erlebt, aber nicht mehr groß gefeiert. Eine besondere Firmengeschichte in Münster endet an diesem Punkt.

„In absehbarer Zeit läuft es aus“, sagt Lothar Fritz, der schon 1975 in den Betrieb einstieg und 1980 das Ruder als Bau-Ingenieur übernahm. Für ihn und seine Frau Wilma Weis-Fritz seien das „gemischte Gefühle“. Einerseits die Erleichterung, nicht mehr jeden Tag Verantwortung für viele Mitarbeiter zu haben. Andererseits aber Wehmut beim Blick auf eine lange Firmentradition. „Ich bereue den Schritt jetzt nicht“, sagt der 64-Jährige. In der Familie ist keine Nachfolge in Sicht, die Tochter hat andere Pläne. Einen Unternehmer von außen zu finden, sei schwierig. „Ich war ja immer greifbar, im Notfall auch mal abends“, so Fritz. Zudem sei die Verantwortung gerade bei Auftraggebern im öffentlichen Bereich hoch. „Ich habe Kollegen, die waren 75 und sind auf der Baustelle rumgeturnt.“ So stellt sich der begeisterte Läufer und Skifahrer seinen Ruhestand aber nicht vor.

Sebastian Fritz hätte sich wiederum 1879 nicht vorstellen können, was einmal aus seinem Betrieb werden sollte. Er gründete in Münster ein Geschäft „zur Ausführung von Bau-, Verputz- und Malerarbeiten, das über lange Jahre zu einem kleinen, aber leistungsfähigen Betrieb ausgebaut wurde“, wie es in der Chronik heißt. Seine Söhne Lorenz und Johann übernahmen 1902, nur ein Jahr später starb der Gründer. Er hätte miterlebt, wie sich die Firma wandelte, nun schlüsselfertige Häuser baute. Erster Weltkrieg und Inflation brachten das Geschäft zum Erliegen. Die Krise wurde „nur durch Sparsamkeit und starkes persönliches Engagement des Inhabers überwunden, der in dieser Zeit nicht nach Gewinn fragte“.

Johann Junior und Josef Fritz stiegen 1929 als Lehrlinge in den Betrieb ein. Die Arbeitsbeschaffung in der Nazizeit brachte Aufschwung. Mit 35 Mann wurde die Herrenwald-Siedlung im Ort aufgebaut. Der Lohn für einen Facharbeiter lag damals bei 81 Pfennig, der für einen Helfer bei 67. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Brüder zur Wehrmacht eingezogen, legten aber während eines Kurzurlaubs noch die Meisterprüfung ab. Der Betrieb ruhte dennoch weitgehend, die Familie war froh, auf die von Johann Fritz Senior geführte Landwirtschaft bauen zu können.

1948 der nächste Neuanfang in guten Zeiten des Wiederaufbaus: Josef Fritz übernahm den Betrieb von seinem Vater in dritter Generation, stattete ihn mit modernen Maschinen und einem Fuhrpark am Sitz an der Frankfurter Straße aus. Fast 60 Mitarbeiter waren in den 60er-Jahren beschäftigt. Wachsende Personalkosten machten der Firma zwar zu schaffen, die sich aber ihre Nische fand: Der Hochbau spielte nur noch die Nebenrolle, Fritz & Sohn war in den vergangenen Jahrzehnten vor allem im Tiefbau tätig, etwa für die Städte Kelkheim und Königstein oder Versorger wie Süwag, Mainova, Telekom und den Abwasserverband. Bis vor zwei Jahren beschäftigte Lothar Fritz noch ein gutes Dutzend Mitarbeiter, inzwischen sind es für eigene Immobilien nur noch zwei feste Leute, und ein Ende ist absehbar. Der Münsterer blickt auf die bewegte Geschichte zurück. Auf florierende Zeiten, aber auch auf Rezessionen und Kurzarbeit. Und auf immer höhere Ansprüche der Kunden.

Nun schaut er mit seiner Frau in die Zukunft. Markant ist das mehr als 5000 Quadratmeter große Firmengelände mit Lager und Hallen zwischen Frankfurter Straße und dem Park „Sindlinger Wiesen“. Das soll Wohnraum weichen, ist sich die Familie mit der Stadt einig. Auch Bürgermeister Albrecht Kündiger hatte dieses Areal schon als ideal für Wohnbebauung bezeichnet. Nun wird besprochen, was dort genau realisiert werden könnte. „Wir schauen, dass wir einen Kompromiss finden. Ich denke, das wird gelingen“, sagt Lothar Fritz optimistisch und hofft, der er von den Maschinen und Materialien vielleicht noch etwas loswerden kann.

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