+
Das Mahnmal erinnert an den tödlichen Unfall einer damals 50-jährige Radlerin am 1. August 2015 in der Gutleutstraße. Ein Lastwagenfahrer soll die Frau übersehen und dann überrollt haben. Sie starb an ihren schweren Kopfverletzungen.

Tödliche Unfälle

Warum ist Frankfurt für Radfahrer so gefährlich?

  • schließen

Mit zwei Toten und einem Schwerverletzten innerhalb von drei Wochen steuert die Stadt auf eine traurige Jahresbilanz zu. Verkehrsexperten nennen Fahrfehler und ungenügende Infrastruktur als Gründe.

Der blaue Sichtschutz der Feuerwehr und abgesperrte Straßen gehörten in den vergangenen Wochen regelmäßig zum Stadtbild. So auch am Dienstagabend. Dabei übersah sie die Straßenbahn Linie 14. Sie starb noch an der Unfallstelle.

Ein erst Er überlebte die Kollision mit einem Lastwagen, dessen Fahrer das Kind beim Abbiegen übersehen hatte.

Die Gründe für die vielen Fahrradunfälle – – sind für Experten schnell ausgemacht: die schlechte Fahrrad-Infrastruktur, aber auch ein zu sorgloser Umgang der Radler mit dem Straßenverkehr. In diesem Jahr ganz besonders. Laut Polizeistatistik gab es bis Juni bereits 518 Fahrradunfälle. Das sind statistisch knapp drei pro Tag. 53 Personen wurden dabei schwer verletzt. Bereits jetzt starben vier Radfahrer. Das ist einer mehr als im gesamten vergangenen Jahr.

Die Mainmetropole ist ein gefährliches Pflaster. „Die Verkehrsinfrastruktur ist nicht für Radfahrer gebaut“, sagt Falko Görres. Er ist der Organisator vom „Ride of Silence“ (deutsch: Fahrt der Stille). Eine Initiative, die mit einer gemeinsamen Tour durch die Stadt, im Straßenverkehr verstorbenen Radfahrern gedenkt und weiße Räder, sogenannte Geisterräder, an jenen Orten aufstellt, an denen es ein Opfer zu beklagen gibt.

„Fahrradwege“, so Görres, „werden unregelmäßig und nachträglich irgendwie in den Autoverkehr eingebaut.“ Häufig würden diese dann plötzlich auf einer zweispurigen Straße enden, die schon für die Autos zu eng sei.

Exklusive Orte, wie die Goethestraße, eine ausgewiesene Fahrradstraße, gebe es indes nur wenige in Frankfurt. Da gebe es allerdings das Problem, dass viele Autofahrer von ihrer besonderen Funktion nichts wüssten.

Hinzu kommt eine oftmals mangelhafte Qualität der Wege. „Oft sind die Fahrradwege grottenschlecht“, sagt Susanne Neumann, Pressesprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Frankfurts. Und auch die vorhandene Infrastruktur überzeugt Neumann nicht. Weniger routinierten Fahrern empfiehlt der Radverein sogar, bestimmte Straßen zu meiden – trotz vorhandenem Radweg. Zum Beispiel die Mainzer Landstraße, hier sei eine fahrradfreundliche Routenführung halbherzig umgesetzt worden. Vor allem, weil der Radweg räumlich nicht von der Autostraße getrennt ist. „Einen großen Teil kann ich auch auf der wesentlich ruhigeren Frankenallee zurücklegen“, erklärt Neumann.

Ein abgegrenzter Radweg, der von Autos nicht befahren werden könne, sei wünschenswerter, findet auch Görres.

Ein Wunsch, der sich wohl nicht erfüllen lasse, sagt der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). „Die Frankfurter Verkehrsstruktur erlaubt das nicht“, so Oesterling. „Wir sind keine Residenzstadt mit so breiten Straßen.“ Würde man so etwas umsetzen, müsse man auf „ganz viele Autoparkplätze“ verzichten, so der Verkehrsdezernent. Neben den Widrigkeiten der Infrastruktur kommt noch ein anderes Problem hinzu.

Gerade im Sommer seien viele Radler in der Stadt unterwegs, die entweder sehr unsicher fahren würden oder wenig auf Verkehrsregeln geben, sagt Neumann. „Natürlich darf ich nicht einfach sagen: Ich fahre, wie ich will. Dass man sich an die Straßenverkehrsordnung hält, ist selbstverständlich. Dazu gehört der Schulterblick beim Abbiegen – oder, dass man nicht entgegen der Fahrtrichtung fährt.“

Allerdings gebe es gerade in den wärmeren Jahreszeiten Fahrradfahrer, die sich irgendwie durch die Stadt bewegen würden.

Falko Görres hat den Eindruck, dass die Zahl der regelmäßigen Radfahrer in den vergangenen drei Jahren in Frankfurt gestiegen ist. Eine Einschätzung, die die Stadt nicht teilt. Denn genaue Zahlen, wie viele Menschen durch Frankfurt radeln, gibt es nicht. Nur eine statistische Annäherung. 14 Prozent aller Wege in der Stadt werden mit dem Rad zurückgelegt, sagt Oesterling. Alle zwei Jahre führe man diesbezüglich eine repräsentative Umfrage durch. Zum Vergleich: In der hessischen Residenzstadt Wiesbaden sind es nur sechs Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare